Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 48 (13.6.1900)
- Date
- 1900-06-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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968 sehnt, nachdem er kurze Zeit unter der Leitung Rabbi Schedas als Meturgeman oder Thoraübersetzer amtirt hatte. Die Prüfung der Maße und Gewichte, die Regulierung und Fixierung des Marktpreises, die Obhut darüber, daß mit Nahrungsmittel kein Wucher und keine Ueberteuerung getrieben werde, gehörte zu seinen nunmehrigen Obliegenheiten. Da sein Amt ihn nöthigte, im ganzen Lande umherzureisen, so hatte er reichlich Gelegenheit, das Leben seiner Brüder und den Stand ihres Thorawiffens kennen zu lernen. Besonders triib waren die Eindrücke, die sich ihm in der Gegend um den Sura-See aufdrängtc. Dort waren die Zustände in religiöser Beziehung so traurig, daß das Verbot, 2Snr *ib>2 Fleisch mit Milch zusammen zukochen, beziehungsweise zu genießen, und andere Thorasatzungen, scheinbar ganz in Bergeffenheit gerathen waren. Selbst die Heiligkeit der Ehe hatte gelitten, indem voreilige Verbindungen, ohne daß Braut und Bräutigam sich näher kannten, zu Zwist und Scheidung geführt hatten. Diesen Uebelstand hat Rab später durch Einführung einer obligatorischen Frist zwischen der Verlobung und Verehelichung, wo beide Theile sich näher kennen zu lernen Gelegenheit hatten, beseitigt. Rab, tief ergriffen von dem furchtbaren Verfall, beschloß in die Bresche zu treten. Gerade hier auf dem verödeten Boden wollte er seine großartige Pflanzung anbauen, gerade hier wollte er dem Gottesgesetze eine neue Lehrstätte gründen. Die hohe Auszeichnung, in Rahardea — damals die Hauptsammelstelle für alle Zweige jüdischer Wohlthätigkeit, wie vormals für die Tempelspenden — die Leitung einer Hochschule zu übernehmen, schlug er zu Gunsten seines gelehrten Freundes Samuel aus und schuf am Surasee, in der Stadt Mata Machasia, die später so berühlnte Niisn xnrviö Hochschule zu Sura. Seine strenge Gewissenhaftigkeit, sein nie rastender Fleiß, seine hervorragenden Geistesgaben, seine Sanftmuth und Menschenfreundlichkeit, befähigten ihn in seltener Weise für seinen Lehrberuf. Er gehörte nicht zu jenen selbstherrlichen Charakteren, die es nicht vermögen, von ihrer einsamen Höhe herabzusteigen, er verstand es ebensogut, im gemüthvollen Ton des Volkslehrers, in den populären Festvorträgen, in den Wochen vor den Feiertagen, die versammelte Gemeinde für die Heilighaltung der Gottessatzungen, durch seine volksthümliche und kernige Sprechweise zu gewinnen, als durch seine scharfsinnigen und tief in die Gesetzesprobleme eindringenden Untersuchungen in den Hochschulversammlungen (n*? entweder von Sr Versammlung oder bildliche Bezeichnung der Thora als Braut) im Adar und Ellul den Geist seiner in der Thorakenntniß schon fortgeschrittenen Schülern anzuregen und zu befruchten. Die Glücksgüter, mit denen ihn Gott reichlich gesegnet hatte, verwandte er zum Unterhalte seiner Schüler. Seine reichen Ländereien, deren Ertrag er zu so edlem Zwecke aufwandte, bewirthschaftete er aus Vorliebe für den Ackerbau in seiner freien Zeit eigenhändig. Seine Hochschätzung der Landarbeit war so groß, daß er in seinem Testamente seinen Sohn belehrte: Besser ein klein Maas; Ackerland, als einen großen Söller mit Maaren. — Das hohe An sehen, dessen er sich durch seine großen Tugenden auch bei Nichtjllden erfreute, nutzte er niemals für sich, immer für seine Glaubensbrüder aus. Für daS Volt und seine religiösen Bedürfnisse hatte er feines Verständnis;; eS tvard ihm eine ange nehme Stimme bei Vortrag und Gebet nachgeriihmt. Seinem urtvüchfigen, herzlich frommen Empfinden ver danken Ivir die Perlen unserer Liturgie, das mit pro phetischcr Geisteshoheii die Erfüllung der inessianlschen Heilszeit herbeisehnende nrtpS irSy, das innige, lind lich gläubige und von reinstem Gesinnnngsadel verklärte Segensgebet für den Neumond unnn nmn, und die großartige Composition ans allen Theilen der heiligen Schrift für das Mnsfaphgebet des Roschaschanahfestes 2^ '21 n r, v * p n Schofargedanken aus der Schule Rabs, welche uin die Erkenntniß nurot Gott-Richter, rwrSv Gott-König, nreit? Gott- Helfer die entsprechenden Bibelverse gruppiert und in jedem dieser drei Theile mit einem tiefergreifenden Segen ausklingt. Von der Heiligkeit des Gebetes ist er tief durchdrungen. Nur Sammlung und Andacht berechtigen zur Zwiesprache mit Gott. Wer aber zerstreut ist und zu jener heiligen Stimmung sich nicht zu erheben vermag, der betet nicht! inj?" psc Sr SSen' Sk vSy 2 L'i' 2 Seine halachischen und agadischen Thoradeutungen, im Talmud so vielfach diskutirt und erläutert, sind auch in selbstständigen Werken unter dem Titel 21 '21 "22 im Talmud citirt, von seiner! Jüngern gesammelt worden. In seinen Festpredigten und voltSthiimlichen Sabbatansprachen, behandelte er mit besonderer Vor liebe Stoffe und Gestalten der biblischen Geschichte. Zumal das Lebensbild David's, das doch durch manche Schatten von Schuld und Sünde getrübt ist, wußte er dein Volte in ergreifender Weise nahe zu bringen. Als Beispiel seiner dramatisch-lebendigen Darstellungswelse lassen wir ein uns überkommenes Bruchstück einer Bußrede Rabs, die David's Sünde zum Gegenstand hat, folgen: „Der Mensch bringe sich nicht selbst in Versuchung, denn siehe, David, der König von Israel, brachte sich selbst in Versuchung und fiel in die Schlingen der Sünde. Er sprach zu Gott: Weltenherr! Weßwegen rühint man Dich als Gott Abrahams, Gott Jsaks, Gott Jakobs und nicht auch als Gott Davids, des Psalmensängers?" Darauf sagte Gott: „Jene prüfte ich und sie bestanden." „So prüfe auch mich," sprach David. Da versuchte ihn Gott durch Batscheba und David strauchelte. So hat ihn seine Selbstgewißheit, seine stolze Denkweise, die sich an Frömmigkeit den Ahnen gleichdünkte, zu Leid und Schuld geführt." (Sank). 107a.) Auch sonst verstand er seine Predigten durch Einstreuung von Anekdoten aus dem Leben früherer Gesetzeslehrer, durch Mittheilungen über fremde Völker