Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 48 (13.6.1900)
- Date
- 1900-06-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^"? *—^Tww^^ftiSj.-'.-'-y^ 4i. Jahrgang. M 48. Der Israelit Eilt Kentrak-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von »r. Ifcljrtirauu in IBtainf. Mittwoch, den 13. Juni 5660 (1900). Leitender Artikel. Die Kochfchusyäupter in Davylon. tziu vEsthiiinlich-Michtlichts Wai. Von Rabbiner Dr. Max Beermami, Insterburg. I. Rab und Tainnel. Kein zweites Land auf Erden hat — abgesehen von Palästina — für die Entwickelung des jüdischen Geisteslebens eine so elementare Bedeutung wie Babel. Hier lebten seit dem tragischen Zusammenbruche des ersten jüdischen Staates eine große Anzahl Juden, die Rebukadnezar als Exilierte aus Judea fortgeführt hatte. Als Cyrus die hochherzige und zugleich kluge Erlaubnis; den Juden ertheilte, in ihre Heimath zurückzukehren, da blieb ein nicht unerheblicher Theil dem neuen Vaterlande treu; sie hatten nach des Propheten Wunsch in der Fremde Häuser gebaut und Weinberge gepflanzt; die konnten oder wollten sie aus wirthschaftlichen Gründen nicht verlassen, und so verblieben sie in dem Lande. Sie fühlten sich hier auch leidlich glücklich, da man ihnen volle Religionsfreiheit gewährte. Der Zusammenhang mit dem palästinensischen Stammlande blieb auf's Innigste gewahrt. So lange der heilige Tempel bestand, wurden die für ihn bestimmten Spenden, die zunächst nach Nehardea, der Hauptfeste des babylonischen Judenthums, gebracht wurden, in die Tempelkaffe nach Jerusalem abgeführt. Als dann im Jahre 70 n. d. übl. Zeitrechnung das Heiligthum unter den Flammen, die ein römischer Legionssoldat angezündet hatte, zu einem Trümmerhaufen umgewandelt war, sahen sie in dem palästinensischen Synhedrium, der obersten Gesetzesbehörde, ihren geistigen Mittelpunkt, nach dessen Bestimmungen sie ihr religiöses Leben regelten. So ist uns ein Sendschreiben des Synhedrialpräsidenten Gamliel an die babylonischen Juden erhalten: Unfern Brüdern in Babel.... den Friedensgruß! Hiermit geben wir Euch kund, daß es meinen Genossen und mir gefallen hat, das Jahr, in dem wir jetzt leben, um 30 Tage (um den Schaltmonat Weadar) zu verlängern, damit das Peßachfest, das im Lenzmonat Abib gefeiert werden muß, auch wirklich von uns zur Frühlingszeit begangen werde; aber jetzt sind die diesjährigen Lämmer noch zart, die Tauben noch nicht flügge, der Winter herrscht noch in Wald und Feld! — Auch in der Gesetzesforschung waren die Gemeinden Babels fast gänzlich von den Gelehrten des heiligen Landes abhängig. Dieses Berhältniß änderte sich erst, als das Mischnahwerk R. Jehudas, des Heiligen — diese ebenso systematische, wie methodische Sammlung der mündlichen Lehren — auch in Babel Verbreitung und Verständniß fand. Während in Palästina nach dem Tode des großen Meisters die Hochschulen immer mehr verkümmerten, gelang es zwei babylonischen Schülern R. Jehudas in ihrer Heimath, am Euphrat und Tigris, eine herrliche Blüthezeit der Gesetzesforschung herbeizuführen, deren reifste Frucht der babylonische Talmud ist. Die Lehranstalten-in Sephoris und Liberias sanken allgemach von ihrer Höhe, die Hochschulen Babels wurden die leuchtenden Centralsonnen, die nach allen Seiten über die ganze Diaspora Licht und Wärme ausströmten. Zwei Männer, welche beide zu Füßen der palästinensischen Meister gesessen hatten, Rab und Samuel, wurden die genialen Schöpfer des so fruchtbaren und folgereichen Mischnahstudiums in Babel, wurden die Begründer der für die Ausgestaltung des Judenthums so wichtigen Hochschulen. Abba Areka — schon die dankbaren Zeitgenossen, die willig die überragende Größe seines Geistes und die mächtige Kraft seiner sittlichen Persönlichkeit anerkannten, gaben ihm den Ehrenbeinamen Rab, d. h. Meister*) — wurde nach seiner Rückkehr aus dem heil. Lande, wo er nach dem Zeugniß R. Jochanans der bedeutendste Jünger R. Juda Hanassis war, von dem Exilarchen, dem Oberhaupte der babylonischen Juden, mit dem Amte eines Marktmeisters Agoronomos be- *) Vlad) andern ist das Berhältniß umgekehrt Rab Eigenname und Aba Areka im Sinne von „erhabener Väter", Ehrenname. Die Stelle Nida 24b nro *pN m bezieht sich nicht auf den körperlichen Wuchs, sondern auf die geistige Bedeutung. i? | i 'i i > -I