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Der Israelit · 1900-06-11 · Heft 47 (11.6.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 47 (11.6.1900)
Date
1900-06-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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966 f doch immer noch, die Philister würden diesen Streich nicht ruhig hinnehmen. Wäre eS ihnen gelungen, die Spur der Gileaditen zu entdecken, sie würden sich keineswegs gescheut haben, die Leichen tvieder auszugraben, um sie wie zuvor an den Pranger zu bringen. Welcher Strafe wären aber erst die Gileaditen verfallen, die es gewagt, die Absichten ihrer Gewalthaber zu vereiteln! Unter dem Eindrücke dieser schweren Nothlage entschlossen sie sich zu dem bereits erwähnten Verfahren, das sowohl in Rücksicht auf die Leichen, als auf sich selbst geboten schien. Jetzt erst waren sie sicher, daß die Leichen nicht würden wieder erkannt werden. Trotzdem war aber ihr Gewissen über die That — daß sie, wenn auch nothgedrungener Maßen, eine Art Entstellung an denselben, die ohnehin bereits auf fürchterliche Art geschändet waren, hatten vornehmen müssen — so sehr beunruhigt, daß sie sich zur Sühne ein siebentägiges Fasten auferlegt haben. Die Bibel deutet dies in ihrer sinnvollen Art dadurch an, daß desselben unmittelbar nach der geschilderten Bestattung erst Erwähnung geschieht. Rur die erwähnten Umstände lassen es erklärlich scheinen, daß David, von der That der Gileaditen in Kenntniß gesetzt, dieselben mit so überschwenglichen Worten feierte. (II. Sam. 2, 5—7.) Handelte es sich nur um eine Leichenbestattung gewöhnlicher Art, wie sie jeden Tag vorkommt, so würde er scknoerlich so viel Aufhebens darum gemacht haben. Erwägungen ähnlicher Art haben in späterer Zeit die Weisen veranlaßt, den 15. Ab als einen Tag freudigen Gedenkens für alle Zeiten einzusetzen, weil an demselben durch Rabbon Gamaliel unter dem Aufwand der größten Anstrengungen und Geldopfer die Erlaubniß erwirkt wurde, die Gebeine der im Kampfe um Bethar Gefallenen zu beerdigen. Gleichzeitig wurde zum Danke für das göttliche Erbarmen, das auch den entseelten Leibern seine Fürsorge nicht versagt, der Segensspruch 2'Barr rcn unserem Tischgebete eingesügt. Welch eine gar nicht zu überbrückende Kluft zwischen diesem Verhalten und dem Vorgehen derer, welche sich selbst der Wohlthat des Grabes verlustig machen. — Ziehen wir — bevor in die Behandlung unseres Gegenstandes vom Standpunkte der Halacha eingetreten wird — aus dem Gesagten die Summe: Die Fürsorge, welche nach der Lehre des Judenthums dem entseelten Leichname zu Theil werden soll, ist ein Ausfluß von dessen Grundlehre, nach welcher dem Menschen die Würde der Gottes-Ebenbildlichkeit zugesprochen wird. Träger dieses Adels ist zwar die Seele, er breitet jedoch auch seine Weihe über den menschlichen Leib aus. Nur unter solchen Gesichtspunkten scheint es erklärlich, daß die menschliche Person schlechthin als d. h. Träger einer Seele bezeichnet und in ihren Ausflüssen sein ganzes Wesen untergeordnet wird. — Ein solcher Gedanke, wie er sich hier in dem einfachen biblischen Sprachgebrauch ausprägt, ist nur vom Standpunkte des Judenthums möglich. Indem wir den entseelten Leib unter aller Schonung und Rücksicht der Erde übergeben, bethätigen mir diesem gegenüber die ihm gebührende Würdigung. Denselben jedoch durch Einwirkung des Feuers zu zerstören, ist eine barbarische Handlung, die selbst auf dem niedrigen Standpunkte religiöser Erkenntniß, den das Heidenthuni einnimmt, als ruchlos erscheint. — Wenn daher in unserer Zeit Israeliten aus freien Stücken für sich selbst ein solches Bestattungsverfahren anordnen, so kann das nur als ein betrübendes Zeichen für den Tiefstand der religiösen Erkenntniß angesehen werden. In seinen Aeußerungen bleibt sich das Heidenthum stets gleich. Ob auf der tiefen Stufe des Urmenschen mit seinen massiven Weltanschauungen, ob aus dem Standpunkte raffinirter Klügelei, die den gesamrnten Lebensprozeß als ein Spiel der Natur sich zurechtphantasirt, stehend, die ethischen Folgerungen kommen auf dasselbe hinaus. Bisher hatte das moderne Heidenthum dieselben nur im Leben und dessen Gestaltung geltend zu machen den Muth. Eine natürliche Scheu vor der unantastbaren Majestät des Todes und der vielleicht unbewußte Rückschlag, den jüdische Anschauung und Ueberlieferung auf dessen Denkart ausgeübt hatten, ließ selbst den noch so ausschreitungssüchtigen Juden den Wunsch hegen, aus jüdische Weise zu sterben und ehrsam zu -cp zu gelangen. In dem Verlangen nach Feuerbestattung haben wir die letzte Folgerung, zu der sich das moderne Heidenthum erheben, oder besser — nur erniedrigen kann. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Marktbreit, 28. Mai. Ein unabsehbarer Trauerzng, unter Betheiligung der Angehörigen aller Konfessionen, bewegte sich heute durch die Straßen hiesiger Stadt. Galt es doch dem verdienten, langjährigen, hiesigen Lehrer I. Regensburger s. A. die letzte Ehre zu erweisen. Rasch und unerwartet hauchte er in einem Alter von 67 Jahren seine edle Seele aus. Mit Beginn dieses Jahres war er in den wohlverdienten Ruhestand getreten, und seine dankbare Gemeinde hatte ihm freiwillig einen Ruhegehalt ausgesetzt. Nach Gottes weisem Nathschluß sollte ihm jedoch der Genuß desselben versagt sein. Ueber 36 Jahre wirkte er als Religionslehrer und Kantor in hiesiger Gemeinde mit Ehre und Auszeichnung. Zahlreiche Schüler saßen zu seinen Füßen und die Liebe und Hochachtung, die ihm dieselben allenthalben entgegen brachten, sind ein beredtes Zeugniß für dessen verdienstliches Wirken. Besonders hervorragend waren seine Leistungen als Kantor. Als solcher verstand er es durch seine herrliche Vortragsweise, sein inniges Vertrautsein mit Inhalt und Bedeutung der Gebete seine Zuhörer für den Got-

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