Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 47 (11.6.1900)
- Date
- 1900-06-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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tesdienst zu begeistern und zur Andacht zu stimmen. Am Trauerhause gab zunächst Herr Districtsrabbiner Adler von Kitzingen dem allgemeinen Schmerze über den Heimgang dieses Frommen beredten Ausdruck. Er pries ihn als wahrhaften Jehudi und als sc mm der es sich angelegen sein liest, einen seiner Söhne dem Lehrberufe zuzuführen. Im Anschluß hieran widmete Herr Lehrer G o l d st e i n aus Heidingsfeld, als Vorstand des isr. Lehrervereins dem Hingeschiedenen Freunde und Kollegen, der zu den Gründern des Vereins gehörte, warme Worte des Nachrufes. G. Memmingen, im Siwan. („Die Geliebten und die Lieblichen, in ihrem Leben und in ihrem Tode sind sie nicht getrennt.") Unwillkürlich must ich an die Klageworte David's um den Tod Saul's und Jonathan's denken, wenn ich Ihnen von dem Hinscheiden des Herrn Wolf R o s e n b a u m s. A. berichte, der am 26. v. Mts. im 60. Lebensjahre, nach kaum zwei Jahren, seinem unvergeßlichen Bruder Isaak in das bessere Jenseits gefolgt ist. Wer wie ich das Glück hatte, das Seelenleben dieses großen Mannes näher zu kennen, wird mit mir übereinstimmen, daß die Familie, unsere Gemeinde und das gesetzestreue Judenthum durch seinen Tod einen schweren Verlust erlitten haben. Ein würdiger Enkel des berühmten Rabbi Mendel Rosenbaum s. A. in Zell bei Würzburg, hat er stets mit strammer Hand die Fahne des orthodoxen Judenthums hochgehalten, unentwegt und unter den größten Opfern alle Satzungen unserer heiligen Religion auf's Pünktlichste beobachtet und seine Kinder in strengreligiösem Sinne erzogen. Dabei war er nach allen Seiten u. Richtungen überaus wohlthätig, den Armen und Nothleidenden ein Helfer und Jedem ein aufrichtiger Berather. Seine Gottesfurcht und Ergebenheit in den Willen des Allmächtigen zeigte sich so recht deutlich aus seinem langen und schmerzlichen Krankenlager; trotz der schrecklichsten und andauernden Schmerzen kam niemals ein Wort der Klage über seinen Mund. Es darf daher nicht verwundern, daß die Kunde vom Tode dieses in den weitesten Kreisen beliebten und hochangesehenen Mannes allgemeine tiefe Trauer und Theilnahme hervorgerufen hat. Von Nah und Fern waren die zahlreichen Verwandten, Freunde und Bekannten herbeigeeilt, um dem Verewigten die letzte Ehre zu erweisen. Möge Gott den tiefbetrübten Angehörigen lindernden Trost gewähren, und möge der gute Name, den Herr Rosenbaum hinterlassen, den Kindern ein Sporn sein, im Sinne ihres Vaters weiter zu wirken und zu handeln. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Prag. Der israelitische Landeslehrerverein in Böhmen hielt hierselbst unter Vorsitz des Obmannes Herrn Springer eine außerordentliche Generalversammlung ab. Herr Dr. Kirsch erstattete das Referat über die Statutenveränderung des Pensionsvereins, das einstimmig genehmigt wurde. Herr Rabbiner G o l d st e i n aus Nimburg stellt den Antrag, innerhalb des Lehrervereins einen Looseverein zu gründen, der einen bestimmten Theil seines Gewinnes dem Pensionsfonds und der Krankenkasse zu entrichten hätte. Der Antrag wurde im Prinzip angenommen, lieber dessen Durchführung wird in der Sitzung des Ausschusses ferner berathen werden. Herr Rabbiner K o h n aus Reichenau begründet die Ausgabe einer Zeitschrift für die israelitische Jugend. Herr Director M a u t n c r bemerkt, daß dieses Unternehmen undurchführbar ist, lvenn nicht Gönner ihm ihre Gunst zuwenden, da, wie er an Zahlen nachweist, sich eine relativ geringe Zahl von Abonnenten finden werden. Es wurde ein Eomitee gewählt, das über diesen Gegenstand zu berathen hat. Die Versammlung wurde hierauf vom Obmanne mit einem dreimaligen Hoch aus Se. Majestät den Kaiser geschlossen. Eisenstadt, 2. Sivan. Ein erhabenes und erhebendes Fest, eine wahre Simcho schel Mitzwoh war es, welcher beizuwohnen wir am vergangenen Donnerstag Abend das Glück und die Ehre hatten. Die seit grauer Zeit hier bestehende mm die allabendlich einen Talmud-Vortrag in Anwesenheit der m-n im Gemeinde-Beth-hamidrasch abhält, hat jetzt die nc'c» cm8 beendet, welches einen Zeitraum von 18 Jahren in Anspruch nahm. Zu diesem feierlichen Anlasse wurde eine schöne, reichlich ausgestattete Mahlzeit veranstaltet und wurde von?—12 Uhr Abends nur von Thora gesprochen. Es wurde allgemein bedauert, daß es dem ersten '»o: Herrn Akiba Schreiber, einem Enkel des großen cm frst "!B*s, der sich um diese mm große Verdienste erworben, nicht gegönnt war, dieser Feier persönlich anzuwohnen, da derselbe sich eben jetzt in Baden einer Cur unterziehen muß. Umso eifriger und hingebungsvoller war der zweite 's**, Herr Benjamin Deutsch, bemüht, seiner Aufgabe gerecht zu werden, und in der That kann dieses Fest in jeder Beziehung als ein gelungenes bezeichnet werden. Ein Jeder in diesem Kreise fühlte sich sehr behaglich u. in fröhlicher, gehobener Stimmung. Auch unser ehcenwerther Gcmeindepräses, Herr Gerson Dreier, hat dieses Fest mit seiner Gegenwart beehrt.. Die fröhliche Gesellschaft blieb bis 2 Uhr Morgens in vergnügtester Stimmung beisammen. Moritz Aronsohn. Prestburg, im Juni. In der hiesigen Jeschibah haben die Talmudvorträge eine wesentliche Aenderung erfahrest. In Vertretung des Qberrabbiners hält sein Sohn, der Direktor-Stellvertreter, die Hauptvorlesungen im Talmud. Rabbinatsverweser Friedm a n n und R. L. R u b i n st e i n werden in Nebenschiur regelmäßige Vorträge halten. Der Rabbiner der hiesigen Neologengemeinde, Dr. H. Funk, wurde von der Direktion der Handelsschule seiner Stelle als Religionslehrer enthoben, weil er seine Schüler — die zum Theil beim getauften Director der Anstalt in Pension waren — zur Einhal-