Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 47 (11.6.1900)
- Date
- 1900-06-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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956 Eingesandt. Sehr geehrte Redaction! Wir richten an Sie das Höft. Ersuchen, folgende Mittheilung in Ihrem geschätzten Blatte aufnehmen zu »vollen. Rach Veröffentlichung der ersten Bilanz der „Je lvish Eolonial Trust" (Jüdische Colonial-Bank), haben sich verschiedene Blätter veranlaßt gesehen, an diese Schlußfolgerungen zu knüpfen, die vollständig unrichtig sind und sich nur durch die Unkenntniß der Sachlage erklären lassen. Es ist gänzlich unrichtig, daß für das eingezahlte .Kapital lediglich ein Zinsfuß von 1'', pEt. erzielt worden sei. Vielmehr war die Verzinsung thatsächlich den Verhältnissen auf dem Geldmärkte angemessen. Rur gelangte nicht das ganze Capital durch das abgelaufene Geschäftsjahr zur Verzinsung, da die Einzahlung zum größten Theil erst gegen Ende des Jahres erfolgt ist. Es entspricht ferner nicht den Thatsachen, daß die bisher abgelaufenen Kosten der Bank eine Höhe erreicht hätten, die nicht in dem richtigen Verhältnisse zu den Cafsaständen wären. Diese Kosten, die in den verschiedenen Beurtheilungen irrtümlicherweise als Gründungsspesen bezeichnet wurden, setzen sich zusammen aus den Spesen für die Anwälte und den Stempel auf Eintragung in das Register und Allotementstempel, aus den Verwaltungskosten für das ganze Jahr und aus den Gründungskosten. Schon die erste Post inacht einen wesentlichen Theil der ganzen Spesen aus, da der Stempel nicht allein für die schon bisher gezeichneten Shares, sondern für das ganze Actienkapital, das ist zwei Millionen Shares geleistet werden mußte. Fügt man diesen Spesen die Ausgaben für das abgelaufene Verwaltungsjahr hinzu, die nach eingehender Prüfung der einzelnen Posten sich als nothwendig und zweckmäßig erwiesen haben, so resultiren Gründungskosten im Betrage von 6000 Pfund, das bedeutet zwei Procent von den bereits subscribirten 300,000 Shares, ein Resultat, das wohl nicht viele Banken aufzuweisen haben. Dieses günstige Ergebniß verdanken »vir den vielen Hunderten Arbeitern, die ohne Entgelt für die Subscription und die weitere Einziehung der Raten gewirkt haben und wirken. Es darf nicht übersehen werden, daß die Jüdische Colonialbank 120,000 Actionäre in über 2000 Orten aller Welttheile hat und das englische Gesetz die Verständigung jedes einzelnen Zeichners erfordert. Die Spesen standen im Verhältnis zur geleisteten Arbeit, die ein ungeheures Plus an technischer Routine erforderte, nach den Grundsätzen strengster Sparsam- I keit und waren im Sinne der großen Verantwortung, die mit der Leitung und Aufsicht des „Jewish Colonial Trust" verbunden sind, geregelt. Ferner wurden auch alle Vorbereitungen getroffen, die eine sorgfällige und vorsichtige Fortführung der Geschäfte verbürgen, das Personal wurde den wachsenden Aufgaben entsprechend vermehrt und die Locali täten des Trust vergrößert. D a s Direct o r i u m Der dl u f s i ch t s r a t h des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited. «Wir haben obige Zuschrift zuui Abdruck gebracht, obgleich uns dieselbe als ein hektographirter Zettel ohne Datum und ohne rechtsverbindliche Unterschrift zugesandt worden. In eine iveitere Kritik der Zustände innerhalb der Zionistenbank uns einzulassen, haben tvir bei den heutigen Zeiten wenig Lust. Der Chilul haschem ist gerade groß genug. Red.) F e n i l l e t o n. ZI a d) eiiu’v w a l) v e n ZI e g c 15 o n l) e i i.;il! Von Friedrich Nott. Die Baronin fühlte sich plötzlich so schwach, daß sie sich kaum aufrecht zu halten vermochte. — Sie winkte ihre in Verwalter, der eben aus der Thüre seines Hauses trat und ertheilte ihm die erforderlichen Auf träge mit seltsam belegter Stimme. Dazwischen glaubte sie beständig die Worte des Grafen Edgersdorf zu vernehmen: „Baronin Waldstein vor dem Schwurgericht!" — ES war entsetzlich.- Sie band ihrem Verwalter aus die Seele, dafür zu sorgen, daß in der Nähe der Villa vollständige Ruhe herrsche, er solle Stroh auf die Heerstraße schütten lassen, um das Rasseln der vorüberfahrenden Wagen zu dämpfen, und solle namentlich dafür sorgen, daß die Leute, wenn sie Abends von den Feldern heimkommen, sich vollständig ruhig verhalten. — Sie machte ihn ver antivortlich für den Kindesraub, der auf ihren Befehl vollzogen worden und ließ durchblicken, daß, falls die .Krankheit des Kindes einen tödtlichen Ausgang nehmen sollte, sie alle Schuld auf den Verwalter wälzen würde. Der Mann preßte die Lippen aufeinander und schwieg, er konnte es nicht leugnen, er hatte als Schurke gehandelt, als bezahlter Schurke. Aber in dem wilden Aufblitzen seines Auges las sie, daß er eventuell seinen Auftraggeber nennen würde.