Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 47 (11.6.1900)
- Date
- 1900-06-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449093--50892-2501336- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
954 Schuppen des Malers Heyn und des Kaufmanns Petzold über. In diesem lagerte Benzin, das jedoch noch rechtzeitig hinausgeschafft werden konnte. Die Schuppen brannten nieder. Gegen 1 Uhr früh war das Feuer gelöscht; der Lärm auf den Straßen hatte aufgehört. Könitz, 10. Juni. Ein Beispiel, wie es die Antiseiniten hier treiben. Um Pfingsten lancirten sie in ihre Blätter (Staatsb.-Ztg., Tägl. Rundschau etc.) die Nachricht, die Schleifen der Kränze auf dem Grabe Winters seien von ruchloser Hand zerschnitten worden. Am 6. Juni meldete die „Tägl. Rundschau:" „Den Grabschänder hat man bereits entdeckt; es ist der Sohn des jüdischen Spediteurs Vandsburger. Gegen ihn ist bereits das Strafverfahren eingeleitet, auch soll er verhaftet worden sein." Und wie pfeift nun am 9. Juni der antisemitische Vogel? Hören wir wieder die „Tägliche Rundschau:" „Daß eine Schändung des Winter'schen Grabes vorgelommen sein soll, ist bisher auch noch nicht mit Sicherheit festgestellt, da es in Könitz üblich ist, Kranzschleifen durch Einschnitte unbrauchbar zu machen, um sie vor Diebstahl zu schützen. Die Person, welche den Verdacht der Grabschändung auf Vandsburger gelenkt bat, hat eingestanden, daß sie sich in der Person geirrt habe; jedoch sei sie von „fremden Herren" beeinflußt worden. Der Borfall hat für die Untersuchung selbst gar keine Bedeutung." Wir denken: Das „von fremden Herren beeinflußt" hat sehr große Bedeutung. — Kriminalkommissar Wehn ist nach hier zurückgekehrt; Kriminalinspektor Braun wird zunächst nicht nach hier zurückkommen. Auch das Oberlandesgericht zu Marienwerder hat den Antrag auf Haftentlassung Jsraelskis abschlägig beschieden. Der erste Staatsanwalt Settegast erließ folgende Bekanntmachung: In der Untersuchung wegen Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter ist es bisher nicht gelungen, zwei sehr wichtige Zeugen zu ermitteln, nämlich zwei junge Leute, anscheinend Gymnasiasten, die am Sonntag, 11. März, gegen 2 Uhr Nachmittags, sich auf der Danziger Straße in der Nähe der Mauerstraße bei Winter befunden haben. Einer von ihnen soll ebenso so groß wie Winter, der Andere kleiner gewesen sein, und Einer einen grünen Hut getragen haben. Eine namhafte Belohnung wird diesen beiden jungen Leuten, wenn sie sich melden, oder Demjenigen zugesichert, der ihre Namen angibt. Dortmund, 7. Juni. Unter Anwesenheit des Regierungspräsidenten , Landraths, des Oberbürgermeisters und sonstiger hoher Herrschaften, wurde heute der neuerbaute israelitische Reformtempel mit vielem Pomp eingeweiht. Der Tempel kostet viele Hundertausende, aber für eine ganz kleine Garküche, in der man rituell speisen kann, scheint kein Geld da zu sein. Fürttz, 7. Juni. Beim Ausgange des Sabbat Bechukaussaj schied hier unerwartet schnell ein Mann aus dem Leben, der es wahrlich verdient, in Ihrem geschätzten Blatte eines Nachrufes gewürdigt zu werden. Hirsch B e r m a n n s. A. wurde ohne vorausgegangene Krankheit plötzlich seiner von ihm so zärtlich geliebten Gattin — Tochter des Rabbi Gerson Naumburger- Fürth — seiner großen Verwandtschaft, seiner Gemeinde, ja ganz Israel entrissen, denen Allen sein Heimgang einen unersetzlichen Verlust bedeutet. Das Wort: Nach ihrem Tode erscheinen die Frommen noch größer wie bei ihren Lebzeiten, gilt so recht von dem Dahingeschiedenen. Bescheiden und anspruchslos, wie er sein Leben lang war, drang von seinen vielen gerechten und guten Handlungen nichts, gar nichts an das Licht der Oeffentlichkeit, wenngleich sein ganzes Dasein nur ein fortgesetztes Ausüben von wahrer Gemilus chesed war. Von bescheidenen Anfängen hatte sich Hirsch Bermann s. A. durch unermüdlichen Fleiß, vereint mit äußerster Reellität zu einem angesehenen Kaufmanne, allseits geachteten und geehrten Bürger emporgeschwungen. So waltete er denn auch Jahre hindurch mit größter Gewissenhaftigkeit seines Amtes als Armenrath seiner jüdischen Gemeinde, ivoselbst sein Wort und sein Rath allezeit von Wichtigkeit war, da man ihn nur zu gut als Vater der Armen kannte. Diese verlieren denn auch in ihm einen aufrichtigen Gönner und Freund, denn sie waren in Wirklichkeit seine Hausgenossen, denen er — aber nur im Geheimen — mit vollen Händen mittheilte. Waren dem Dahingegangenen auch keine eigenen Kinder bescheert, so bildete die große Schaar seiner Nichten und Neffen in Wahrheit seine Kinder, denen er mit Rath, weit mehr noch aber mit That beistand. Als wahrer Jehudi jede Mizwah gleichschätzend, bildete eine jener Mizwoth, deren Früchte wohl in dieser Welt genossen werden, deren Hauptlohn hingegen der Welt der Zukunft Vorbehalten ist, nämlich die Pflicht der Ausstattung unbemittelter Bräute, zunächst in seiner großen Verwandtschaft, den Hauptinhalt seines thatenreichen Lebens. Die Beerdigung, die am Neumondstage des Siwan stattfand, gestaltete sich denn auch zu einer imposanten Trauerkundgebung für den Verschiedenen, wobei kein Mitglied der weitverzweigten Familie fehlte. Am Grabe bedauerte Herr R. Dr. N e u b ü r g e r - Fürth, des Rosch chodeschs wegen, kein weiteres Hesped, wie es der Verschiedene s. A. so sehr verdient hätte, halten zu können und gab nur eine kurze Biographie. Wir Alle aber schieden von dem Grabe eines Hirsch Bermann s. A. mit dem Gedanken, dem der große Proph. Jesajas in den Worten Ausdruck gab: Ticriri 'rrzz and Tr; rra1 nS 'b |"x aS:y aa* a*;aa a*a aa*: -* „Und ich werde ihnen in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal stiften und einen Namen, besser denn Söhne und Töchter, einen ewigen Namen stifte ich ihnen, der unvertilgbar ist." Ein solches Denkmal und einen solchen Namen hat sich der Verblichene in unserer Mitte gestiftet, den wir ewig in Ehren halten werden! O, möge der Ewige ,der gedrückten und gebeugten Wittwe bald seinen Trost senden, jarr b'jb bz bya nyan *n nna\ S.