Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 46 (7.6.1900)
- Date
- 1900-06-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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F e u r l l e to n. vorging, wenn solch eine Institution sich plötzlich an andere anschließt und Mitarbeiten will an der Ausführung von Plänen, die sie bis jetzt als durchaus nicht in ihren Rahmen passend betrachtet hatte, dann wird bei manchen, die sie moralisch oder finanziell stützten, die Frage entstehen, ob solch ein veränderter Zustand nicht auch eine Veränderung bringe in ihr Verhältniß zu dieser Institution. Den Pekidim und Amarkalim lönnien die Einsprüche nur angenehm sein, da sie auf's neue bewiesen, daß ihr Kollegium rechnen kann auf die warme, innige Theilnahme Vieler — darunter Männer von großer Bedeutung — die außergewöhnliches Interesse haben für das Wohl und Wehe der durch das Kollegium bis jetzt vertretenen Angelegenheiten; die, jeder auf seinem Gebiet, sofort in die Bresche springen, wenn sie meinen, daß auf irgend eine Weise dessen Interessen geschädigt werden könnten. Wenn ich auch dafür, ebensowenig wie für die ganze Auseinandersetzung, kein bestimmtes Mandat habe, meine ich doch ruhig auch im Namen meiner Kollegen hier öffentlich Dank sagen zu dürfen allen, die bei dieser Gelegenheit wieder einmal unserer Sache so aufrichtige Beweise von Sympathie gaben. Nun zur Theilnahme an der Konferenz. Wenn man gewußt hätte, welche relativ passive Haltung dort von Pekidim und Amarkalim eingenommen wurde, dann waren alle Reklamationen wohl ungeschrieben geblieben. Zwar wurde, wo es nützlich und nöthig schien, an den Debatten theilgenommen, doch aus Gründen, die man hier nicht zu besprechen braucht, enthielt man sich stets der Abstimmung. Von einem Anschließen an andere Vereine oder von einem Fördern all' ihrer Pläne kann also keine Rede sein. Aber unser Kollegium ist doch in beiden ernannten Kommissionen vertreten?! Sie, die das denken, befinden sich in einem allerdings vollkommen erklärlichen Jrrthum. Bereits auf der Konferenz wurde durch ein einflußreiches Mitglied der Versammlung darauf hingewiesen, daß nicht die Vereine, sondern die Vorstandsmitglieder individuell, als an den Angelegenheiten des heiligen Landes Jnteressirte, zusammengekommen wären. Lautete die Einladung auch etwas anders, dann müßte man dieses als eine weniger korrekte Form betrachten. Die Ernennung trug also eigentlich gleich einen vollkommen persönlichen Charakter und erst nach einigen Tagen, nachdem nochmals klar und deutlich festgestellt war, daß die Zugehörigkeit zu Pekidim und Amarkalim damit absolut nichts zu schaffen hat, habe ich gemeint, mich nicht länger weigern zu dürfen, in die Kommission einzutreten. Gerne mache ich indessen von der Gelegenheit Gebrauch, an dieser Stelle öffentlich zu erklären, welche Motive mich zu diesem Beschlüsse leiteten. (Schluß folgt.) Wcrch errrer wahren Wegebenhert. 301 Von Friedrich Siott. Steinhart hätte ihm so gerne gedankt, doch er brachte keinen Laut hervor und verneigte sich schweigend. „In welchem Zimmer befindet sich die Frau Baronin?" wandte sich der Graf an den Bedienten, der im Corridor auf ihn zu warten schien. „Die Gnädige ist im Begriffe, in die Stadt zu fahren und wartet auf den Herrn Grafen in des Verwalters Wohnung — mir scheint", fügte er etwas leiser und mit wenig respektvollem Lächeln hinzu, „die Gnädige fürchtet, von dem kranken Kind angesteckt zu werden." Der Graf zog die Stirn in Falten und schritt die Stiegen hinunter, eben im Begriffe, den Hofraum zu durchqueren traf er die Baronin in Hut und Mantelett bereits zur Abreise gerüstet. „Wie geht es oben?" fragte sie. „Nicht gut", erwiderte er, „gar nicht gut — es ist eine Qual es nur zu sehen — der arme, arme Vater!" „Mit dem Juden haben Sie Mitleiden", fuhr sie auf, „und für mich nicht die geringste Rücksicht? — Muß die Judenbrut mir das Haus verpesten, so daß ich das Feld räumen muß! — Nein, es ist zu arg! — diese Juden! — Alles Unglück kommt doch von den Juden! —" Er sah sie groß an und brach dann in ein lautes, bitteres Lachen aus. „Gnädige Frau, Sie sind köstlich! — Sie lassen den Juden ihr Kind stehlen und —" „Wer sagt das?" rief sie herausfordernd. „Ich!" entgegnete er, sich in die Brust werfend. „Und ich erkläre Ihnen, daß das nicht wahr ist. Meine Leute haben die ekelhafte Judendirne aus der Landstraße gefunden, wo sie sich verirrt hatte —" 4 „Frau Baronin! — so tief sind Sie gesunken, daß Sie zu einer Lüge Zuflucht nehmen? — das hätte ich nimmer für möglich gehalten! — Aber auch Ihre Lügen werden Ihnen nichts nützen, das schwöre ich Ihnen — denn — mevten Sie sich das — alle Ihre Schliche und alle Ihre Jntriguen sind mir bekannt und alles, was mir bekannt ist, kann ich beweisen und werde es eventuell beweisen. — Denn, ich wiederhole, ich halte meinen Schwur. — Stirbt das unglückliche Kind, so wird es gerächt werden durch die strafgerichtliche Verfolgung, die die Baronin Waldstein treffen wird. Das würde ein Eclat werden! — denn die Ent-