Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 46 (7.6.1900)
- Date
- 1900-06-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m 926 einen orthodoxen, toleranten Rabbiner Horwitz'scher Richtung nach Hanau zu bekommen, keine Stimme der Gemeinde wobl fehlen würde," ließ man gewiß ausreden. Hermann Oppenheim. In Firma: I. Benjamin. (Wir haben zwar obigen Zeilen, die wohl mehr als ein Versuch der Abschwächung der gebrauchten Ausdrücke, als eine Berichtigung zu betrachten sind, Raum gegeben, bemerken aber, daß der erste Bericht uns aus durchaus zuverlässiger Quelle zugegangen. Red. d. „Jsr.") München, .D Juni. In der Klagesache des Herrn Rabbiner Dr. G o l d b e r g in Polna gegen Ludwig Wenng wurde Letzterer auch in der f I. Instanz vom Kgl. Landgericht München I in der Sitzung vom 20. April c. zu 14 Tagen Gefängnis; verurtheilt, wie dies in diesen Blättern s. Zt. schon gemeldet wurde. Aus dem nun dem Wortlaute nach vorliegenden Urtheils Erkenntnis; sind verschiedene Stellen bemerkeuswerth, cs sollen hier nur folgende hervorgehoben werden: „Es kann sein, daß der Angeklagte die von ihm über den Rabbiner behaupteten und berichteten Angaben für wahr hielt und von der Richtigkeit seiner Darstellung überzeugt war, was freilich bei den obwaltenden Umständen und der Unsicherheit der Anhaltspunkte nur auf eine grobe Fahrlässigkeit des Angeklagten, der bei nöthiger Sorgfalt zum mindesten die Zweifelhaftigkeit seiner Annahme hätte erkennen müssen, zurückzuführen wäre" etc. „Wie leichtsinnig er es mit der Erhebung und Veröffentlichung von Beschuldigungen anderer Personen nimmt, hat die heutige Verhandlung insofern gezeigt, als der von ihm in dem gleichen Artikel so schwer verdächtigte Schächter Kurzweil von Goltsch-Jenikau durch seine unter Eid gemachte, für das Gericht vollständig glaubwürdige Aussage seine völlige Unschuld bewiesen hat." Für alle Diejenigen, welche zu ihrem Leidwesen gezwungen sind, von der Existenz dieses Gesellschaftsretters Notiz zu nehmen, bedarf es einer Charakterisirung desselben schon längst nicht mehr, da eine solche aus seinen Anticidentien u. seiner bisherigen Führung ja zur Genüge hervorgeht: immerhin dürfte es nicht ganz überflüssig sein, darauf hinzuweisen, welche Würdigung das Thun und Schaffen dieses Antisemiten-Häuptlings in diesem Falle von berufenster Seite erfahren hat. Aus Bayern. Die „Allg. Ztg. d. Judenthums" bringt in Nr. 20 ein Lamento betr. der Rabbinerwahl in Kissingen und regt sich gleichzeitig über den Rückschritt in Bayern gewaltig auf. Es ist auffallend, wie wenig Glück dieses Blatt mit seinen Angriffen auf die Orthodoxie hat. Der Inhalt seiner Correspondenz bewegt sich in fortlaufenden Unrichtigkeiten, denn es ist ein Wahlflugblatt überhaupt noch nicht erschienen, mithin kann der angebliche Inhalt, wie er in dem betr. Artikel angegeben ist, nur in dem Phanlasiereichen Kopfe des betr. Evrrespondcnten spucken. Alles, >vas geschehen ist, war der Versand eines Rundschreibens, das an ein;elue Leute geschickt wurde behufs Bildung eines Eomitees für die Wahl des Herrn Dr. Ba in - b c r g e r Schrimm, worin aber keine Silbe von dem steht, was die „Judenth. Zeitung" so empört.*) In der Hauptsache scheint es dem Herrn nur darum zu thuu gelvesen zu sein, der Familie Bamberger, die seit Menschengedenken allerdings Rabbiner von Weltruf in ihren Reihen zählt, etwas am Zeuge zu flicken. Aber das fällt denn doch etwas schlvec und im vorliegenden Falle um so schwerer, als allseitig anerkannt und vom kgl. Bezirtsamtmann in Rad Kissingen gelegentlich einer Sitzung mit den Vorständen ausdrücklich constatirt wurde, daß Herr Dr. Bambecger Schrtmm von allen Bewerbern die besten Zeugnisse hat. Aber etwas bleibt doch hängen, denkt sich der Eorrespondent der „Judenthumsztg."; er verkennt aber bei seinen Ausfällen, daß der loahrhast fromme Jude stets das Gefühl derDankbarteit sich bewahrt und die bayerische Judenheik ist sich stets bewußt, daß der Raine Bamberger unzertrennlich mit allein wahren Fortschritt im bayerischen Judenthum verknüpft ist. M. Stuttgart, 1. Juni. Am 20.---21. v. Mts. tagte hier der „Verein Württembergischer Rabbiner." Anwesend waren die Herren Berlin g er jr. , Braunsbach, Fried 11!»?, I a r a c z e tu s k v Möhringen, Kahn - Heilbronn, K a h » Eßlingen, K r o n e r Stuttgart, K r o n e r - Oberdorf, S t ö ß e l Stuttgart. S t r a ß b u r g e r Göppingen , T r c i t e l - Laupheim. Entschuldigt hatten ihr Wegbleiben Berlinger sen. Braunsbach, Heikbronner - Weikersheim, Saenger Mergentheim. Den Vorsitz führte Herr Kirchenrath Dr. K r o n e r. Nach der Begrüßung seitens des Vorsitzenden und der Berichterstattung des Eaffiers unb des Schriftführers wurde zunächst die Antwort verlesen, kvelche die Kgl. Israel. Obcrkirchenbehörde auf die auf der vorjährigen Versaminlung vereinbarte Eingabe des Verbandes betr. Behandlung des rituellen Schlacht Wesens und Fleischvertauses ertheilt hatte. In derselben „billigt die Behörde die von den Rabbinern vereinbarten Grundsätze und erklärt, daß sich dieselben auch mit ihrer, der Behörde, Auffassung vollständig decken." Soinit ist also offiziell gebrochen mit der Auffassung, daß die Schechita „ein Gewerbe" sei und unter die Bestimmungen der Gewerbefreiheit falle. Was das bedeutet, ist jedem Einsichtigen klar. Die Hauptarbeit dieser anstrengenden Tagung galt der Ausarbeitung eines neuen Normallehrplanes für die israel. Volksschulen Württembergs. Bereits *) Der Herr Korrespondent hat uns betr. Rundschreiben eingeschickt und constatiren wir, daß dasselbe vom Berliner Rabbtnerseminar und dessen Zöglingen nichts enthält. Red.