Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-06-07 · Heft 46 (7.6.1900) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 46 (7.6.1900)
Date
1900-06-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449092--50854-2501297
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

928 dessen Stellvertreter und zwei Lehrern aus der Reihe der Mitglieder des bisherigen Kölner Vereins. Diese beiden letzteren werden von der Generalversammlung gewählt. Ansprüche an das Vermögen haben 51 Mitglieder. Der Schriftführer Elias Gut. Pinne. Der „Israelit" berichtete kürzlich bei dem Berichte aus London Uber den Tod des Cantor Gollancz, auch von dessen Beziehungen zu Rabbi Elias G u t m a ch e r s. A. aus Grätz. In der Rath¬ und Hülflosigkeit unserer ernsten, schweren Zeit tritt das Gedächtniß an die Heimgegangenen Großen in Israel lebhafter und eindringlicher als sonst vor die Seele. Speziell Rabbi Elia Gutmacher s. A. wurde von allen, die mit ihm zu verkehren das Glück hatten, geradezu wie ein Heiliger verehrt. Und dies war nicht nur bei Juden, sondern auch bei Nichtjuden der Fall. Er lebte allerdings zu einer Zeit, in welcher zwischen Juden und Nichtjuden das beste Einvernehmen bestand und Gott allein weiß, welchen Antheil die Heiligkeit, Lauterkeit und Makellosigkeit der Großen in Israel vom Schlage Rabbi Elia Gutmacher's an diesen guten interkonfessionellen Beziehungen hatte. Als man in Grätz, dem Rabbinatssitze Rabbi Elia Gutmacher's, das „Schulklopfen" abschafsen wollte, lehnte sich die christliche Bevölkerung gegen diese Neuerung auf; sie wollte den Weckruf nicht missen, der ihre jüdischen Mitbürger zum Gottesdienste sammelte! Alle Welt drängte sich, den Segen des greisen Rabbi zu erhalten. Das geschah zunächst an den Sabbaten und Festtagen nach Schluß des Gebetes in der Synagoge und sonst bei jeder Gelegenheti, in deren Auffindung man in der Grätzer Gemeinde geradezu erfinderisch war. Einen Anlaß dazu bot die Büchse für Rabbi Meier baal Hanneß, welche im Lernzimmer des Rabbi angebracht war. So oft sich in den verschiedenen Familien eine besondere Veranlassung bot, bedachten dieselben diese Büchse mit einer Spende. Das Kind, welches von der Mutter mit einer Gabe für Rabbi Maier baal Hanneß zu dem Rabbi geschickt wurde, bekam die mütterliche Weisung mit auf den Weg, sich von dem Rabbi bei dieser Gelegenheit „benschen" zu lassen. Es kam einmal vor, daß in einer jüdischen Familie, in welcher ein wichtiger Gegenstand vermißt wurde, das redliche, schon mehrere Jahre in der Familie lebende christliche Dienstmädchen ungerechter Weise in Verdacht kam, den Gegenstand sich angeeignet zu haben. Aber alle Betheuerungen der Unschuld seitens des Mädchens vermochten den verlorenen Gegenstand nicht herbeizuschasfen. Mitten in der Aufregung kam der Hausherr von der Reise zurück und die Sache klärte sich nun sofort dadurch auf, daß er selber den Gegenstand an einem wohlverwahrten Orte aufbewahrt hatte. Man wollte nun das Mädchen zufrieden stellen; dasselbe war aber nicht zu finden. Schon fürchtete man, dasselbe könnte sich in der Verzweiflung ein Leid angethan haben, als es wohlbehalten in's Haus zurückkam. Auf die Frage, wo es gewesen sei, erklärte es, es sei zum Rabbiner gegangen, habe einen Silbergroschen für Rabbi Meier gebracht und habe sich benschen lassen; jetzt wisse es sicher, daß seine Unschuld an den Tag komme und der Ggenstand gefunden werde! Mir fällt dieses schlichte Erlebniß heute lebhafter als sonst auf die Seele. Man hat in der jüngsten Zeit große Summen ausgesetzt, um dem Mörder des Konitzer Gymnasiasten auf die Spur zu kommen; bis heute erfolglos. Ich weiß nicht, ob Jemand einmal der Gedanke gekommen ist, eine Summe für Wohlthätigkeitszwecke zu bestimmen, um durch das Verdienst dieser Gutthat Gottes wunderbares Walten zu bestimmen, das Dunkel zu lichten, welches auf dieser dunklen That lastet. Deßhalb möchte ich diesen Gedanken hiermit anregen. Man braucht noch lange nicht an magische Kräfte zu glauben, wenn man durch eine Spende für Rabbi Meier baal Hanneß (die betr. Spenden werden bekanntlich für die Armen des heiligen Landes verwendet) auf's neue die Hoffnung auf Erfüllung eines innigen heißen Lebenswunsches nährt. Neben und r6en ist doch npns das alte, seit Jahrtausenden bewährte jüdische Hausmittel, das jeder 7i 17: ihren Stachel nimmt. Möge es auch jetzt nicht unversucht bleiben und dazu beitragen, mit der Erfüllung dieses Wunsches vielen tausenden jüdischen Existenzen die Schmach abzunehmen, die so schwer auf der ganzen Gesammtheit lastet! Aus Hanau, 5. Juni, theilt man uns berichtigend mit, daß die in Nummer 44—45 des „Israelit" erwähnte Versammlung nicht vor Sabbatausgang begonnen hätte. „Der Unterzeichnete Referent." heißt es in der uns gesandten Zuschrift dann weiter, „welcher die Synagoge besuchte, verließ dieselbe als einer der letzten, nach dem Schluß-Kaddisch. Der Weg von der Synagoge nach dem Versammlungslocal nimmt ca. acht Minuten in Anspruch und dauerte es dann noch reichlich weitere fünf Minuten, ehe die Versammlung eröffnet wurde. Die Phrase: „Hüten wir uns vor den orthodoxen Fanatikern, wir können keinen orthodoxen Rabbiner gebrauchen," ist nicht gefallen, der Satz lautete vielmehr: „Wir können keinen orthodoxen Fanatiker gebrauchen, sondern nur einen orthodoxen, toleranten Rabbiner." Die Worte: „Wir müssen einen Rabbiner der Horwitz'schen Richtung haben, wie z. B. Dr. Goldschmidt-Offenbach," sind in diesem Zusammenhang überhaupt nicht gesprochen worden. Der Referent führte nur im Hinweis auf die Offenbacher Verhältnisse aus. daß sogar unter einem Rabbiner der gemäßigsten Richtung, orthodoxe Gemeinden, wie Steinheim und Seligenstadt, gut bestehen könnten. Zu der Bemerkung, daß, „als sich darnach zwei andere Leute erhoben, um die Nothwendigkeit eines orthodoxen Rabbinen darzuthun, ihnen alsbald das Wort abgeschnitten wurde," ist Folgendes zu berichtigen: „Den einen der Herren, welcher sachlich überhaupt nichts vorzubringen hatte, ließ man trotzdem aussprechen." Den zweiten Herrn, welcher erklärte, „daß unseren Bestrebungen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.