Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 44-45 (31.5.1900)
- Date
- 1900-05-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449091--50833-2501275- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
905 die prächtige Schrifterklärung gegeben: aw zy,n f,k „er liebt die Völker" i'mx dj „auch die Heiden". Darum war Israel weit entfernt von Bekehrungswuth. Seine Lehre sollte durch die ihr inne wohnende Wahrheit sich die Welt erobern, ohne Zwang und Druck, nicht mit Feuer und Schwert! Als die Weltvölker, erzählt die Agada, die Offenbarungsblitze zucken sahen, den rollenden Donner und die rauchenden Wolken auf des Sinais Haupt wahrnahmen, gingen sie ängstlich zu Bileam. Sie fürchteten einen Weltuntergang oder eine Sündfluth, und als der Seher ihnen sagte: „Gott offenbart sich seinem Volke", da wich ihre Besorgnis noch nicht. „So wird die neue Lehre uns alle mit Mitteln der Gewalt sich unterthan machen?" „Fürchtet nichts! ,'Ji' ns *n Der Ewige gab wohl eine Macht seinem Volke, aber *sk "ps1 'n aita 'üy in dieser Macht liegen für Israel und die Menschheit zugleich die Segnungen des Friedensund der Duldsamkeit!" Einem Leben voll Weihe und Liebe wird die Freude nicht fehlen! Der Dreiklang unserer Sinaiworte wird durch die Aufforderung vervollkommnet: nvs> ix ri'vn „Sei nur fröhlich!" Das leidensreiche Volk hat bezeichnender Weise eine Sprache, die unerschöpflich ist an Bezeichnungen und Ausdrücken der Freude, ganz so wie alle Verfolgungen Israels Glauben an den Fortschritt der Menschheit nicht auszulöschcn vermochten. Von Frohsinn verklärt ist Israels Weltauffaffung. Selbst das Böse ist zweckmäßig, weil im Kampfe mit ihm sich das Gute bewährt Ti-T, s'^271 ib \nxi2 snn njp wr und die Lehre Gottes giebt uns den Weg, wie wir das Schlechte überwältigen. Selbst das Leid ist ein sw Gut, denn es giebt uns Gelegenheit zur Bewährung der Liebe. So ist einerseits die Welt so eingerichtet, daß wir die Thora in ihr verwirklichen können, andrerseits die Lehre in ihrer Anforderungen so beschaffen, daß wir irdische Menschen bei ernstem Streben ihren Befehlen nachzuleben vermögen 7iii7i njiw ab, sie ist ja nicht für Engel gegeben, die Thora des Ewigen (vergl. darüber ausführlich Sabb. 886.) py« n;» rm mn Die 248 Gebote entsprechen den 248 Gliedern des menschlichen Leibes, d. h. der irdische Mensch ist von Gott so gebaut, daß er in seiner diesseitigen Leiblichkeit die Lehre zu erfüllen vermag und die 365 Verbote sind rann -uv' n;js entsprechend den Tagen unseres Erdenjahres, sind der irdischen Natur gemäß. Daher ist Aussicht vorhanden, daß das Gute hienieden sich immermehr entfalte und schließlich das Böse besiege. So sind es die Frauen, die den Weltzweck erfüllen. Dieser für das Judenthum so charakteristische Satz ivvip xin Q’TDm »»e findet sich in der Einleitung des dem Tosaphisten Jakob Tam irrig zugeschriebenen Buche Sefer Hajaschar, welches von Serachja Hajewani verfaßt ist. Viele ähnliche Stellen in Talmud und Midrasch gaben dem Gedanken Ausdruck, daß das Weltziel in der Erfüllung des Sittlichen durch die Menschen erreicht wird. Israel ist nun der Ansicht, daß die Menschheit in steigender Entwickelung sich dem Guten nähert, daß der Entwickelungsprozeß der Völker im Großen und Ganzen ein Fortschritt zu den Idealen der Liebe ist; dieser Glaube an die wachsende Macht des Guten hat Israel zu keiner Zeit verlaffen, er möge weiter seine Herzen mit harrendem Muth und duldender Treue rüsten bis zu dem Tag, da die messianischen Erwartungen sich verwirklichen und die erlöste Menschheit dem Messiasvolke huldigt mit den Worten, die das prophetische Echo bilden zu dem Berufungsgruß Israels am Sinai: L-b iwr ü'pSx vnpe wpn 'ins onxi „Ihr verdient, Priester des Ewigen zu heißen, Diener Gottes muß man Euch nennen!" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Köln, 29. Mai. (Deutsche Lehrer versa m mlung.) Nächste Woche versammeln sich über 4000 deutsche Lehrer in der herrlichen Metropole Rheinlands. Wenn in früheren Jahren oft bedauert wurde, daß für die jüdischen Besucher der imposanten Lehrerversammlung nichts oder wenig geboten wurde, so können wir dieses Mal mit Genugthuung darauf Hinweisen, daß der jüdische Lehrer Goldschmidt zum Hauptausschusse, der jüdische Seminardirektor, Dr. Plato Ehrwürdeu, zum Ehrenausschuffe gehört, daß neben den Ausstellungen auf dem Gebiete des christlichen Religionsunterrichts auch eine solche für den jüdischen R. tt. eingerichtet ist, daß für die jüdischen Lehrer ein rituelles Festessen und eine besondere Sitzung stattfindet. Möchten unsere Bemühungen nur insofern von Erfolg gekrönt sein, daß möglichst viele jüd. Lehrer sich an der von Dienstag, den 5., bis Donnerstag, den 7. Juni stattsindenden Versammlung betheiligen l die Kollegen Goldschmidt Moltkestcaße 48, Sulmann Schildergasse 82 und der Unterzeichnete sind gerne bereit, den auswärtigen Kollegen zur Seite zu stehen und nähere Auskunft zu ertheilen. Also auf zur schönen deutschen Lehrerversammlung! Anmeldungen sind an Herrn Lehrer Konrad Schmidt Köln, Pfälzerstraße 38 a zu richten, der die Theilnehmerkarten versendet, die allein zum Eintritt berechtigen. Lehrer E. Gut, Moltkestraße 58. Kempen i. Posen. Zu einem rechten Ehrentage gestaltete sich für Herrn Jsaac Bloch dessen siebzigjähriger Geburtstag, der 21. Mai. Dem langjährigen Mitgliede des Gemeinde-Borstandes hatte man die Synagoge und den Betplatz mit Blumen und Topfgewächsen aufmerksam geschmückt. In den Vormittagsstunden wurden reiche Ehrungen dem Jubilar dargebracht. Alle Vereine