Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-05-31 · Heft 44-45 (31.5.1900) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 44-45 (31.5.1900)
Date
1900-05-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449091--50831-2501273
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4L. Jahrgang. Erste Seil. >u jSs 44 L 45 des „Jarndit“. Leitender Artikel. mvn rm Eine Betrachtung zum Schaüuochfeste. Von Rabb. Dr. Max Beermann-J n st e r b u r g. Nach sabbatlicher Stille zieht diesmal das liebliche Offenbarungsfest ist unsere Herzen und Häuser und will alle die Gedankenstrahlen, die jeder einzelne Sabbat des Jahres mit seinen Sidraworten unserm Geiste bietet, zu einer leuchtenden Sonne sammeln, vor deren Glanz und Helle die Schönheit der sommerlichen Tageskönigin bescheiden zurücklreten muß. Prangt die Natur grade jetzt im herrlichsten Schmucke, so ist das ihr kostbares Festgewand, das sie unserer Feier zur Ehr' hat angelegt. Ein bunt durchwirkter Blumenteppich deckt die verjüngte Flur, die jauchzenden Lerchen im Aether unv die lachende Sonne am Himmel und der rieselnde Quell im Thal und die schwellende Knospe am Zweig, sie alle künden mit Jubelschall und Zaubermacht die Offenbarung des ewigen Gottes, deffen Liebe das Weltall durchfluthet von winzig duftenden Blümelein bis zum Flammen- Ocean am Firmament. Doch um die tausendstimmige Gotteskunde in Wald und Feld recht zu verstehen, um die vielsprachige und vieldeutige Predigt der Schöpsungswesen richtig zu deuten, müssen wir vorerst uns an eine andere Sr arte der Offenbarung begeben, müssen im Geiste pilgern zu dem vom Gotteswort umleuchteten Sinai, müssen uns vollsinnender Betrachtung in die Heilsbotschaft versenken, zu deren Träger Israel im p'L, im Glanzmonat, vor vielen tausend Jahren erkoren wurde: um mit dem Propheten in Verehrung und Huldigung zu bekennen: nzn w iTWO’ "pbv rni "pbn v'vxb ptf NL3' „Fürwahr Finstcrniß bedeckte die Erde, Wolkendunkel die Nationen, über Dir aber erstrahlte der Ewige und seine Herrlichkeit ward über Dir sichtbar." Wie jener talmudische Hochschulleiter Rab Joseph mit besonderer Freude und Feierlichkeit min jne beging, denn „wäre der heutige Tag nicht, wie viel Joseph gibt es auf der Gaffe", (d. h. so würde auch ich ohne Größe und Würde zur gedankenlosen Menge gehören) so empfindet am Schabuothfest unser Volk, daß das Höchste und Kostbarste, was es besitzt eine Frucht der Offenbarung ist, an die uns das Wochenfest erinnert. Und fragt man uns verwundert, warum wir trotz allen Fortschrittes, den die Menschheit in Welt-Erkenntniß und Weltbesiegung aufzuweisen hat, die alten Sinaiworte unverkürzt und ungeschmälert auf unser Leben wirken lassen, so antworten wir fest und klar, weil die Wahrheiten unseres Glaubens auch beute noch wie immerdar in unerreichbarer Höhe stehen, weil es über die leitenden Ideen des Judenthums schlechterdings keinen Fortschritt gibt: denn dreifach ist das hehre Ziel, welches das Judenthum mit allen seinen Lehren verfolgt; uns zur Lebensweihe zu erheben, uns zur Menschenliebe zu erziehen und uns mit Weltfreudigkeit zu erfüllen. Das wird jeder Einsichtige zugeben, daß die gesammte jüdische Weltanschauung so wenig ohne Gott gedacht werden kann, wie die natürliche Welt ohne Sonne. Der einig-einzige Gott Israels, das allervollkommenste reingeistige Wesen ist der Urquell aller Sittlichkeit, er ist Sktbp ttmp, der Heilige Israels, der seine Verehrer zu heilig reinen Dienern und Vollführern seines lauteren Willens erziehen will. Wie jeder Mensch als geschaffen u'pb\s übxz als Schattenriß des heiligen Gottes die Fähigkeit und. Kraft besitzt, sich seinem Urbilde in steter Vervollkommnung zu nähern und ihm an Tugend und Güte immer ähnlicher zu werden, so sollte Israel es als seine ganz besondere, ihm von der Vorsehung gestellte Aufgabe erfassen, die Völker durch sein Beispiel zur gottnachstrebenden Sittlichkeit, dem Lebenszweck und der Lebenswürde des Menschen, hinzuführen. Dazu mußte aber Israel vor allem selbst zur wnp, zur Lebensheiligung herangebildet werden, es mußte der Menschheilspriester belehrt und unterwiesen werden, wie er von der zur Tiefe ziehenden Tum'a von sittlichen Schwächen und Fehlern sich wahre, es mußte ihm ein Wegweiser ausgestellt werden, der ihn selbst zur heilig-reinen Ausgestaltung seines Wandels leite. Die ganze Thora mit all ihren Vorschriften, mit all ihren Satzungen msisi rrpi-ipb-r ist nun im Grunde nichts anders als eine gottgewiesene Methodik zur Sittlichkeit, ein Lehrbuch über die Hülfsmitlel, die zur Errichtung dieses hehren Zieles d enen. Nichtjüdische und leider auch jüdische Verkleinerer Israels belieben es neuerdings solche Anschauungsweise als eine Errungenschaft modernen Denkens auszugeben. Daher trifft es sich glücklich, daß wie für unsere Theorie einen Gewährsmann aus talmudischer Zeit anführen können: Rabbi Simla'. Dieser spricht im Trakt. Makkot das köstliche Wort: „Die 613 Satzungen der Thora verstand Micha auf" drei Grundmahnungen zurückzusühren: -i ans no m» i? man „Es ist Dir kundgeworden, Menschensohn, was gut ist und was der Ewige von Dir fordert: Recht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.