Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 44-45 (31.5.1900)
- Date
- 1900-05-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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902 geriethen in gradezu Grauen erregende Zuckungen. Steinhart wollte es an sich nehmen, der Arzt hielt ihn zurück. „Dort auf das Kanapee legen Sie das Kind," gebot er dem Grafen, „es hat Krämpfe, die vom Gehirn ausgehen und muß frei liegen." Und wilder, immer wilder wurden die Zuckungen, in den weit geöffneten Augen sah mau nur das Weiße und weißer Schaum trat vor den Mund des KindeS. „Entsetzlich!" rief die Baronin, „aber man soll das Kind hinunter bringen, hier in meinem Zimmer dulde ich es nicht." Da aber hielt sich der Graf nicht länger, er packte die hochgeborene Dame an dem Arm und zog sie einige Schritte mit sich fort. „Flehen Sie zu Gott," flüsterte er, „daß er das Kind errette — die furchtbare Aufregung hat demselben eine Krankheit zugezogen, die gewöhnlich mit dem Tode endet. Wenn es aber stirbt, das schwöre ich bei dem lebendigen Gotte! weder Ihr Rang noch Ihre Pfaffen werden Sie der wohlverdienten Strafe entziehen — ich selbst werde Sie anzeigen." Er ließ sie los und schwankenden Schrittes verließ die Baronin das Zimmer, während er zu dem unglücklichen Vater trat, ihm Trost und Hoffnung zuzusprechen. „Wenn ich etwas für Sie thun kann, bitte ich, es mir zu sagen — soll ich es vielleicht Ihrer Frau schonend mittheilen und sie hersühren? Steinhart ergriff die ihm dargebotene Hand des Grafen und drückte sie innig, zu sprechen vermochte er nicht sofort; „Dank!" flüsterte er endlich, „meine Frau erwartet mich nicht vor halb neun Abends — früher könnte sie auch nicht herfahren —". „Wegen des Sabbat," fiel der Graf ein, „ich verstehe. Ich werde also Punkt halb neun in Ihrer Wohnnng sein und Ihre Frau herführen — hoffentlich wird bis dahin schon eine bedeutende Besserung in dem Befinden des Kindes eingetreten sein, aber transportiren können Sie es nicht sobald, ich*glaube es wenigstens nicht —" Er trat zu dem Arzt, der beobachtend vor der kleinen Patientin stand und hin und wieder bemüht war, ihr Erleichterung zu verschaffen. Steinhart konnte die leise geflüsterten Worte beider nicht verstehen, aber er sah den Arzt die Achseln zucken und das Herz zog sich ihm zusammen in unsagbarem Weh. Da ward die Thür geöffnet, der Bediente steckte den Kopf herein und berichtete, die Gnädige lasse den Herrn Grafen ersucben, sich zu ihr zu bemühen. „Ich komme," erwiederte dieser, trat jedoch zuvor zu Steinhart und reichte ihm die Hand. „Muth! lieber Freund, Muth! Die Zuckungen lassen doch etwas nach und der Arzt hofft das Beste. — Ich muß zu meinem aufrichtigen Bedauern mich jetzt entfernen, weil ich in der Stadt erwartet werde. Aber um halb neun Uhr Abends bin ich in Ihrer Wohnung und um neun Uhr hoffe ich mit Ihrer Frau^wieder hier zu sein. Auf Wiedersehn!" Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch D. U. S t e i n a flr e r, Leipzig, Notzplah Jß. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Mannscripte findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Stellenfuchende erhallen auf Wunsch die Inseraten Beilage vier Wochen lang gratis und franco zugesandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des JnsertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. (Fortsetzung folgt.) Inhalt: (Hauptblatt). Leitender Artikel: „Jeder bei seiner Fahne". — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Straßburg. Oesterr.-llng. Monarchie: Wien. — Sprechsaal. — Feuilleton: Elsa. (Fortsetzung"». Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: minn r\xii. Eine Betrachtung zum Stabuothfeste. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Köln. Kempen i P. Könitz. Kolmberg. Frankreich: Paris. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarische Umschau. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Hanau. Stolp Ocsterr.-Ungar. Monarchie: Wien. England: London. — Palästina: Safed. Belletristische Beilage: War dem Rabbi Amnon von Mainz das Gaslicht bekannt? — Das Goldland Ophir. Extra Beilage: Spruche der Väter.__ _ Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen.