Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 44-45 (31.5.1900)
- Date
- 1900-05-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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901 Geflügels m:w, übel'die doch«nur ein O2N "!'?2^ 31t ent scheiden und die auch nrff den Badepläüen nicht immer vorhanden. Es wird in ^üddeutschland soviel erzählt von deutschen Rabbinern, die^ in ausländischen, besonders hol ländischen Bädein, sich wegen des Naschrut der Restaurationen selbst um dortige innere Streitigkeiten kümmern. Warum ist es immer noch nicht möglich geworden, das zweü'elhafte Kaschrut mancher süddeutschen Bade kUestaurationen in ausreichender Weile in Ordnung zu bringend ^ruus. F e u i l l e to n Wcrch einer waBren MegevenheiL. w) Von Friedrich Mott „Ich will die Herrschaften nicht stören und wenn Frau Baronin erlauben, gebe ich mir Nachmittags die Ehre wieder vorzusprecherl." „Was fällt Ihnen ein, Herr Pastors rief der Graf, „Nachmittags habe ich keine Zeit - denn — ich liebe das Versteckenspielen nicht und darum sage ich es lieber grade heraus, ich habe Ihre Anwesenheit bei der Frau Baronin vorausgesehen und bin gekommen, der Feierlichkeit beizuwohnen." Der Pastor starrte ihn mit weit aufgerifsenen Augen au. „Der Feierlichkeit beizuwohnen? — welcher Feierlichkeit V —" Die Baronin hatte die Farbe gewechselt, wußte sie doch durch ihre Frcilndin, wie deren Gatte über ihr Vorhaben dachte. Aber noch hielt sie es für undenkbar, daß er Kenntniß davon erhalten. „Auch ich verstehe Sie nicht, lieber Graf — welcher Feierlichkeit wünschen Sie beizuwohnen?" „Ja nun, der Taufe des schönen kleinen Judenmädchens, das damals den Kranz auf den Sarg des armen Hugo gelegt und so bitterlich geschluchzt hat. — Der liebertritt sollte doch heute hier stattfinden —" Die Baronin wechselte abermals die Farbe, noch überlegte sie, sollte sie ihren Plan eingestehen oder leugnen? — Denn so leicht er auch darüber sprach, sie wußte doch, wie sehr er es verurtheilte. „Ich trage mich allerdings mit der Idee," entgegnete sie zögernd, „es wäre doch ein unendlicher Segen für das Kind — und auch für mich. —" „Ich weiß, ich weiß. Adele hat mir wiederholt davon gesprochen. — Aber weshalb zögern Sie, Herr Pastor? — wenn der heilige Akt an der kleinen Elsa jetzt vollzogen würde, so könnte ich Taufzeuge sein. —" „Das wollten Sie!" rief die Baronin erleichtert aufatbmend, „das ist in Wirklichkeit liebenswürdig von Ihnen. — Das Kind wird sofort hier sein." Sie drückte an den Schellenknopf und befahl dem gleich darauf eintretenden Bedienten, das kleine Mädchen, das sich feit dem Vorabend in der Wohnung des Verwalters befand, heraufzuführen oder es durch die Kammerjungfer herführen zu lasten. Es währte einige Zeit, dann erschien die Kammerjungfer, die erst seit kurzem sich in dem Dienst der Baronin befand und berichtete, das kleine Mädchen wäre ein böses, störrisches Kind, da» durch sein lautes Schreien und Weinen die Nerven der Gnädigen sicher irritiren würde. „Ach llnsinn!" erwiderte die Gnädige, „das Kind ist nur störrich, weil es Sie nicht kennt. Sagen Sie ihm nur, daß Sie es zu mir führen wollen, dann wird es gleich anders fein." Die Jungfer zuckte die Achseln und verließ da» Zimmer, balo darauf vernahm man in der Thal ein fürchterliches, geradezu verzweiflungsvolles Schreien eines Kindes. Die Baronin zog die Stirn in Falten. „Das hätte ich der Kleinen doch nicht zugetraut — aber wenn sie mich nur sehen wird." Da ging die Thür ans und mit übergroßer Anstrengung zerrte die Jungfer ein laut schreiendes, sich unablässig sträubendes Kind in das Zimmer. „Elsa!" rief dieBkronin — doch voll Schrecken verstummte sie, als ein ihr vollständig fremdes Kmd sichtbar ward. Es war Marianne, deren glänzend schwarze Locken wirr in das sonst so liebliche, jetzt aber durch die vielen vergossenen Thränen entstellte Gesicht sielen. „Ich will zu Vater und Mutter!" rief sie unablässig laut schluchzend, , ich will zu Vater und Mutter!" und dabei schlug sie mit ihren kleinen Fäusten nach deni sie vordrängenden Mädchen. „Es ist ein schreckliches Kindl" klagte diese, „so treibt sie es in E'.nem fort." „Pfui dieses Scheusal!" rief die Baronin, „geschwind Lisetts, bringen Sie es hinunter!" Aber Graf Eogersdorf hatte das verzweifelnde Kmd ewporaehoben und flüsterte ihm freundliche Worte iu's Ohr. „Sei ruhig, liebes Kind, gleich kommt der Vater und bringt dich zur Mutter — paßt auf, ich höre ihn schon auf der Stiege — gleich wird der Vater hier sein." Das Kind richtete sich hastig auf in den Armen des freundlichen Mannes und starrte mit funkelnden Augen zu der offen stehenden Thür hin, in der jetzt Stemhart und Doklor Kohn sichtbar wurden. „Marianne!" rief der Ecstere und stürzte auf sie zu. Das Kind stieß einen gellenden Schrei aus und schien ihm beide Arme entgegenstrecken zu wollen, doch plötzlich fiel sein Kopf zurück und alle Glieder