Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 44-45 (31.5.1900)
- Date
- 1900-05-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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898 aller trüber Erfahrungen die Steine des Anstoßes nicht aus unserer Mitte entfernt haben, sondern nach wie vor gegen Gott und seine Lehre in unserem Trotze verharren, nun empfinden auch wir den p non den zornigen Trotz, mit dem Er uns züchtigt für unsere Sünden: die Lehre, die wir von uns werfen, s i e ist's, die wir den Anwürfen unserer Hasser preisgegeben sehen! Entrüstet erheben wir Einspruch, zornig wallen unsere Herzen auf, rathlos blicken wir um uns,, ob denn nicht die Stimme der Gerechtigkeit den Wahnwitz zum Schweigen bringe, der ungehindert und ungestraft sein verleumderisches Wort auf die Gaffen hinausschreit, iry p*n v'om -joid pw nein»» „Wir blickten um uns — da war keine Hülfe, wir staunten — da war keine Stütz?!" Aber blicken wir nur in uns, statt um uns, und wir werden erkennen, daß wir selbst uns das Unheil heraufbeschworen, daß unsere Feinde nichts Anderes als willenlose Werkzeuge in der Hand Gottes sind, durch die Er vor d:n Augen der Welt dieselbe Lehre schänden und brandmarken läßt, die wir durch unseren Trotz und unsren Abfall viel entsetzlicher geschändet und gebrandmarkt haben! Wohlan denn! Alle, Denen das göttliche Geschenk vom Sinai als ein unantastbares Kleinod theuer ist, alle Gewiffenhasten und Ausdauernden, für die ein revidirtes Judenthum gleichbedeutend ist mit einem zerstörten Judenthum, sie alle sind berufen, gleich den Leviten dicht um das bedrohte Heiligthum sich zu lagern, es vor der Antastung Unbefugter zu schützen, durch verdoppelten Eifer und durch tausendfach erhöhte Gewissenhaftigkeit der Welt zu zeigen, bis zu welcher Selbsthingabe die echte Begeisterung für das Wahre den Menschen zu entflammen vermag. Stntr ms bv sptp ,w xfc Vielleicht, daß dann der Zorn Gottes von uns weichet und seine Liebe auf's Neue uns umfängt. Er läßt ja seine Strafverkündigungen in das väterlich-süße Wort ousklingen crra’x pxs crm nxt dj enx w: orte1? vnbv: xVi trncxo sb „Und trotz alledem, wenn sie auch in ihrer Feinde Land sind, werde ich sie nicht verwerfen und ihrer nicht überdrüssig werden, sie aufzureiben und meinen Bund mit ihnen zu brechen n '2 denn ich bleibe der Ewige, ihr Gott." Bleiben auch wir Sein Volk, harren wir aus, jeder bei seiner Fahne, bei der Fahne unserer über Alles geliebten Thora, für die wir leben und sterben! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 24. Mai. (Israelitischer Humanität sverein „Sanitas".) Unter diesem Namen hat sich vor einigen Wochen ein Verein gebildet, deffen Hauptzweck es ist, seinen Mitgliedern und auch deren Angehörigen für den geringen Monatsbeitrag von 1,25 Mark kostenfreien Arzt, Medizin rc. zu gewähren, ihnen im Bedarfsfälle Beihilfen zu einer Badereise und bei Todesfall den Hinterbliebenen eine nach der Mitgliedszeit sich richtende Geldsumme zu zahlen. In der konstituirenden Versammlung haben sofort 40 Anwesende ihren Beitritt erklärt, welche Zahl in den letzten Wochen auf 100 gestiegen ist. Anmeldungen nimmt der Vorsitzende H. Bileski, Alexanderstraße 28, I, entgegen. Stratzbnrg (Eisaß.) Herr Astronom Dr. B. Cohn, der in diesen Blättern wiederholt rühmlichst erwähnt wurde, hat gestern als einziger Vertreter der hiesigen Sternwarte mit einer größeren Zahl Astronomen, eine w ssenschaftliche Reise nach Algier angetreten, um dort die bevorstehende Sonnenfinsterniß zu beobachten. Man verspricht sich von der Beobachtung dieser Sonnenfinsterniß besonders wichtige, wissenschaftliche Resultate speziell für die Fragen über die Stellung der Venus und ihre Bahn. Die Expedition hat für ihre Untersuchungen Algier gewählt, weil es durch seinen wolkenreinen Himmel die meisten Garantien für die Möglichkeit einer ungestörten Beobachtung der Sonnenfinsterniß bietet. Zuerst glaubte Herr Dr. Cohn auf die Theilnahme an dieser wiffenschaftlichen Forschungsreise verzichten zu müffen, weil das Sch.ff in Algier ursprünglich am Sabbat landen sollte. Mit Rücksicht auf die religiösen Bedenken des Herrn Dr. Cohn hat die Gesellschaft daraufhin die Reise so eingerichtet, daß das Schiff schon Freitag in Algier etntrifft. Wir wünschen dem jungen, wackeren Gelehrten eine recht reiche, wiffenschaftliche Ausbeute seiner Forschungreise und glückliche, heitere Heimkehr in seinen hiesigen Freundeskreis, der stolz darauf ist, diesen als Gelehrten, wie als Jehudi hervorragenden Mann zu den Seinen zählen zu dürfen. O esterr.-Un gar. Monarchie. Wien, 26. Mai. Der Vorstand der „Oesterr. Jsr. Union" übersendet uns nachfolgende genaue thatsächliche Darstellung der Affaire Araten: Am 30. Dezember 1899 verschwand die noch nicht vierzehnjährige Tochter Michalina des Krakauer Kaufmannes Israel Araten, während die Eltern in der Synagoge weilten, aus dem väterlichen Hause. Noch am selben Tage erstattete der besorgte Vater