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Der Israelit · 1900-05-31 · Heft 44-45 (31.5.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 44-45 (31.5.1900)
Date
1900-05-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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897 Sinai mitten durch die zerstörenden Elemente, und wo sie mit ihm sich niederließen, da war ihnen das winzigste Fleckchen Erde die Heimath, das Thorawort ihr liebster Besitz, seine Erfüllung Freude und Freiheit! Da sehen wir zur Zeit der Kceuzzüge die fanatische Christenmenge ihren frommen Eifer durch unmenschlichen Judenmord bezeugen, da sehen wir später in Spanien die Verjagung aus altererbtem Besitz, da sehen wir in deutschen Landen die würdelose Schmähung und Erniedrigung — aber mitten im gräßlichsten Morden blühte zur Zeit der Kreuzzüge in den rheinischen Gemeinden das Talmudstudium empor, die Weisesten in Israel gingen aus der Mitte der spanischen Exulanten hervor, und nimmer schwand die Geistesschärfe, der echte Thorasinn aus der deutschen Judenheit: Die Lcvüen walteten ihres Amtes! Nun, und wie sehr der zweite Theil der Levitenaufgabe, die Bewachung des Heiligthums und seine Bewahrung vor unbefugter Antastung, seine Parallelle in der Geschichte fand, dafür bietet gerade unsere moderne Zeit die treffendsten Belege. Das tiefernste göttliche Wort nap 2iprr ist für unsere Zeit vergebens gesprochen. Zahllos sind die Unbefugten, die dem Heiligthum nahen. Jahrhunderte hindurch gab es nur e i n Judenthunr, eines, das so viele Helden auf dem G.bwt des Geistes hervorgebracht, so viel Beseligung m seiner Bekenner Herz goß, so viel Trost uno Math un Lüoe spendete! Da naht sich in unserem Jahrhundert der Menschengeist dem Gotteswort, naht sich ihm zerstörend und ertödtend, in der waonw tzigen Absicht, ein neues Juventhum zu schaffen! Sie stehen auf, die thörichten Heilkünstler, und entstellen den heiligen Werth, den öie göttlichen Zeichen bergen, tasten mit plumper Hand die Smailehre an, morden die Wahrheit in ihr, um der Lüge Boden zu geben, verzerren das edle Bild, das sie seit je geboten, vergewaltigen den wehrlosen Geist, der in ihm lebt! Aus „fortgeschrittener Gesinnung" behaupten sie zu handeln; wohl, fort sind sie geschritten, fort v o n G o t t und feinem ewigen Worte! Dem „Zeitgeist" behaupten sie zu huldigen dem Geiste einer religionsfeindlichen Zeit, Formen schaffen sie, weil ihnen ber Inhalt verloren gegangen, äußeren Sang und Klang führen sie ein, 'weil in ihrem Innern keine jüdische Saite tönt, ein glänzendes Gewand hängen sie Den: um, was sie mißachten, ein Judenthum wollen sie schaffen und leugnen doch die Lehre des Judenthums! Denn wahrlich, nev* Wer so mit frevlem Beginne dem Heiligsten sich naht, der ist dem Judenthum abgestorben! Da harret denn auch in unserer Zeit der modernen Levitenschaar eine hochheilige Aufgabe. Sie, für die es nur eine Thora giebt, die vor mehr als drei Jahrtausenden auf Sinai verkündete und durch alle Geschlechter in treuer Ueberlieferung fortgepflanzte, s-ipob 2^22 urp dicht um das Heiligthum haben sie sich zu lagern, in treuer Hut das göttliche Wort zu pstegen und zu schützen *ptp bxiL" rny bv „damit nicht Zorn komme über die Gemeinde der Kinder Israels!" Wir empfinden ihn ja auf Schritt und Tritt, den Zorn Gottes! Schwer lastet seine Hand auf Israel. Kaum ein Tag vergeht, an dem Er nicht mitten in unserer freiheitsbegeifterten Zeit gerade seinem Volke immer neue Fesseln herabschickt. Schwere Bitternis trifft uns, wo wir gehen; maßlose Demüthigung häuft man auf unser Haupt; Entwürdigung und Zurücksetzung sind unser Antheil; ja, gerade das Heiligste, was wir besitzen, die Lehre, deren Gebnrtsfest wir nunmehr begehen, gerade sie sehen wir vor den Augen einer ganzen Welt mit dem wahnsinnigsten Verdachte gebrandmarkt! Wir glaubten sie begraben in das Dunkel des Mittelalters, die schändliche Lüge des jüdisch-rituellen Mordes, wir vermeinten, das Licht des zwanzigsten Jahrhunderts sei zu strahlend, um diese Nachtgeburt wieder erstehen zu lassen — wir täuschten uns: am hellen, lichten Tage spreizt sich die Lüge des Mittelalters und frech setzt sie ihren Fuß in die geheiligten Stätten der modernen Gesetzgebung! Und da sollten wir thöricht die Augen verschließen und ihn nicht deutlich erkennen, den Zorn Gottes, mit dem Er uns heimsucht? Gerechte Vergeltung ist's, die Er über uns walten läßt nach dem ernsten Grundsatz, den wir am vergangenen Sabbat in den entsetzlichen Strafverkündigungen gelesen haben: w nra^m 'b iyn»n xb nws oxi „Wenn ihr dennoch nicht auf mich hört und im Trotze gegen mich wandelt thd'i np nor» oaey vo^ni aa’jixön bs »» *jx?]x aanx dann will auch ich im zornigen Trotze gegen euch wanoeln und euch siebenfach züchtigen ob eurer Sünden!" Als nach dem Ueberhandnehmen des Abfalles und des thorafeindlichen Geistes in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts Gott seine Geißel über uns schickte, als Amalek kam und uns auf die trotzige Frage px nx U2np2 »n „ist Gott in unserer Mitte oder nicht?" das grausige Echo px „nicht" zurückgab, erkannten wir da die züchtigende Gotteshand? Wich Israel da von den Wegen des Trotzes und des Eigenwillens, auf den es durch die in seiner Mitte auftretenden Zerstörer gedrängt war? Unsere Tage gaben uns eine beispiellos deutliche Antwort. Rühriger denn je sehen wir sie an der Arbeit, die Feinde der Sinailehre, rüttelnd an den Grundfesten des Glaubens und seine erhabenen Zinnen einreißend, und wir haben mit der Gefahr zu rechn>n, daß eine große Gefolgschaft in Staot und Land, getrieben von der eigenen Bequemlichkeit und geblendet von den trügerischen Reizen einer Religion ohne Opfer, sich in das verrätherische Treiben Hineinreißen lasse. Und siehe da, nachdem wir trotz

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