Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 44-45 (31.5.1900)
- Date
- 1900-05-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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896 herniederstieg, wie sie durch diese Fahnen die Größe } Gottes kündeten und den Sieg seines allmächtigen Wortes, so galten die Fahnen der israelitischen Stämme der Größe der Ehre und dem Sieg des Gesetzesheiligthums, dessen urewige Grundlage am Sinai verkündet wurde. Und dieses wundersame Bild — um den Mittelpunkt des Heiligthums Israels Stämme geschaart, nach allen Himmelsrichtungen, nach Osten, Westen, Süden, Norden siegkündend und ehreverheißend dem Gotteswort — dieses Bild zog durch die Jahrtausende fort und — staunend sahens die Völker! Das Schauspiel war auch wunderbar genug, um die Augen der Welt auf sich zu ziehen! Wo Israel auf seiner Wanderung Halt machte, lagerte es nach seinem uralten Vorbild, und wenn es weiterzog, freiwillig oder vom Verhängniß aufgetrieben, auch da nahm es stets das Heiligthum in seine Mitte, und die Siegesfahne schwingend wanderten seine Stämme dahin, um an neuen und immer neuen Orten das gottgebotene Lager aufzuschlagen. Ja, die Völker sahen's und staunten! Der Sieg, den Israels Fahnen kündeten, war unbestreitbar und offenkundig. Das göttliche Gesetz, dessen Ehre sie galten, eroberte sich Schritt um Schritt die Welt. Langsam, aber mit der stillen Sicherheit einer göttlichen Kraft drangen seine erhabenen Ideen in die Herzen ein. Die undurchdringliche Nacht des Heidenthums und der Abgötterei schwand dahin vor dem strahlenden Licht, das von ihm ausströmte; die Altäre des Wahnes stürzten ein vor seinem gewaltigen Hauchs der Kultus der Schönheit verlor seine Macht vor dem Worte der Wahrheit, das wie ein Feuer die Geister erhellte und wie ein Hammer die Felsen der Selbstsucht zerspaltete. Das Gottesbewußtsein, dieser mächtige Ankergrund auf dem Meere des Lebens, es läuterte sich an der Lehre Israels, immer reiner und reiner drang es in die Brust der Menschen und immer schöner reiften die Früchte der Gesittung und der Menschenliebe unter seinen lebenerweckenden Strahlen. Eine Thorasatzung um die andere bezwang mit ihren ewigen Ideen die Welt. Gerechtigkeit und Humanität und Barmherzigkeit und Treue, alle sittlichen Errungenschaften, die man heute als die Kennzeichen eines wahrhaft guten Menschen preist, in unserer Thora sind sie begründet. In allem Hohen und Edlen, was die Völker beseelt, knüpfen sie an I ü d i s ch e S an: Die jüdische Sabbatidee lenkt den Sinn der Gesetzgebung, die jüdische Sozialpolitik gährt in den Massen der modernen Welt, das jüdische Ideal allgemeinen Friedens und allgemeiner Menfchenverbrüaerung begeistert die Besten und Edelsten aller Nationen zu fördernder Arbeit im Dienste einer schöneren Zukunft! Ja, die Fahnen wehen, die Siegesfahnen Israels, in allen Theilen der Welt künden sie Sieg — Sieg dem Gesetze des Sinai! Das ist's, was die Völker staunend sahen und sehen. Aber sie rasteten auch zu keiner Zeit, um mit Schmeichelreden und Verfuhrungskünsten Israel die Siegesfahnen zu entreißen. Los stürmten sie auf die uralte Lagerordnung. Mit lockenden Worten suchten sie Israel auf ihre Seite hinüberzuziehen, ihm andere Ziele vor Augen zu stellen. „Lasset nur eu"e Fahnen wehen", so riefen sie „aber weihet sie anderen Gütern und anderen Siegen! utex D'DSH DWJ DUlttte DW UW Kommet ZU UNs, wir wollen euch zu Führern machen, und zu Felvherren in den Kämpfen, die wir zu führen haben. Helfet uns! Wir bieten euch schnellere Erfolge und handgreiflichere Errungenschaften! Lasset von eurer unfruchtbaren Begeisterung! Was habt ihr davon?" Aber siehe da, Israel blieb fest, die Lockrufe der Völker verhallten vor seinen Ohren. „Was ihr mir bietet," so entgegnet es ihnen, „das sind vergängliche Güter, um die der Kampf stets zweifelhaft fein muß. Ja, selbst wenn ich sie erränge, so wäre ich nicht sicher, ob sie mir wahrhaft Glück bedeuten. Mein Gut ist das Glück! Sein Sieg ist zweifellos! Denn der Gott der Wahrheit, «b orum dis p vx der kein Mann ist, daß er löge und kein Menschensohn, das ihn etwas gereute, Er hat es uns zu treuer Hut übergeben!" Ja, "ra n^n; vn die Fahnen bedeuteten für Israel Größe und Schutz! Größe in den Augen der Völker und Schutz vor ihren Verfühcungskünsten! Nicht minder aber als diese Lagerordnung Israels im Allgemeinen ist im Besonderen auch die des Levitenstammes für alle Zeiten vorbildlich. Während das Volk im weiten Umkreis um das Gesetzesheiligthum seine Lager aufschlug, war den Leviten ihre Stelle in unmittelbarer Nähe desselben, rao nnyn pa^, rings um die Wohnung des Zeugnisses angkwiesen und zwar zu einem zweifachen Zwecke. Einmal i'bv bz rixi pKW rx ixa^ nan damit sie stets bereit sein, beim Weiterziehen die einzelnen Theile des Heiligthums, sowie seine Geräthe zu tragen, und zweitens r.nyn ppe matra rx raw „damit sie beobachten die Bewahrung der Wohnung des Zeugnisses!" Wo wäre heute Thorawort und Thorathat, wenn nicht dieser zwiefache Levitendienst sich im Lause der Geschichte unzähligemale wirksam erwwfen hätte V. Wie oft riefen die hemmenden Emflüsse von Ort und Zeit, die Gewaltthat der Mächtigen und der Aberwitz des niederen Volkes die rettende H.lfe gollerfüllter Getreuer, echter Levckenschaaren hervei! Fluchtigen Fußes irrte Israel durch die Welt; aber diese Levitenschaaren, die als Erstes das Heckiglyum dem gewaltigen Zuge vorantrugen, sie haben ihm nimmer gefehlt. Mochte man ihm Alles rauben, Haus und Hof, Habe und Besitzthum, Freude und Freiheit — die Levitenschaar trug das köstliche Kleinod des