Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 43 (28.5.1900)
- Date
- 1900-05-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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866 .^ nügt, wenn man seine Beiträge regelmäßig eingesandt. Lehrer Wormser war noch von der alten Schule. Auf der Straße vertheilte er das Brot. Des Nachts griff er die Armen auf. Ec wartete nicht bis die Dürftigen an sein Thür klopften, er suchte das Elend. Und er wußte es zu finden. Die Frau, die ihrem Säugling keine Nahrung bot, so gut wie den Kaufmann, dessen Existenz auf dem Spiele stand, den Aermsten, der kein Kleid hatte, seine Blöße zu decken, wie die ehrbare Familie, die den Miethszins nicht aufzutreiben wußte. rann owin' D'jcmn D"n nrs e,*rr; npte Drei Arten von Menschen g bt es, meint der Talmud, die können ihres Lebens nicht froh werden, die Mitleidigen, die zum Zorne neigen, und die Hypercmpfindsamen. Wem eine mitleidige Seele geworden, der verzehrt sich nur allzuoft beim Anblick des Elends, er vermag doch nicht immer zu helfen. Wer sich zum Zorn immer Hinreißen läßt, dem bringt diese Erregung nur allzuoft Qnal, denn er vermag nicht immer sein Müthchen zu kühlen. Und es giebt viel Häßliches in unserer Umgebung; wer allzu fein empfindet, dem wird kein Tag verstreichen, ohne daß ihn der Efil faßt. Lehrer Wormser ist seines Lebens froh geworden. Er war das Mitleid selbst, aber er wußte auch immer zu helfen. Biel Aerger und Verdruß hätte ihm die Wirksamkeit, die er sich gewählt, bereiten müssen, aber er halte es gelernt, seiner Erregung so Herr zu werden, daß ihn nichts mehr anfechten konnte. Und alles körperliche Elend, alle seelische Verderbniß, die ihm vor die Augen traten, sie vermochten nicht seinen Gleichmuth zu stören, ihn seiner Thätigkeit abspenstig zu machen. Lehrer Wormser ist seines Lebens sroh geworden. Freilich, freilich, es war die Freudigkeit, die der Heilige empfindet, wenn er sein Tagewerk im Dienste Gottes vollbracht, dem, wenn auch die Finsterniß ihn niedertritt, die Nacht zum Lichte wird. Denn sein Leben war leidengeprüft wie das Hiobs, von seinen blühenden Kindern sank eines nach dem andern ins Grab, nur zwei sind ihm geblieben. Aber diesem vorbildlichen Frommen gleich blieb auch er me nei B’pSx kt um an rnn. Er litt und stritt weiter, nawn r\:v npvio, darum ist süß der Schlaf dieses Arbeiters, araaEPö bv nT nbv xy ins: "i^n! Ein Jüngling war ich, da mir das Glück zu Theil geworden, diesen herrlichen Mann in seinem Wirken und Schaffen zu belauschen. Seitem sind viele Jahre verflossen; mein Weg führte mich aus seiner beseligenden Nähe. Doch nur einmal sah ich in allumfassender Wohlthätigkeit seines Gleichen. Darum sei aus der Ferne dieser Gruß seinem Grabe hingesandt! Zeltrmgsnachrichten und Correspondenzeit. Deutschland. ER. Berlin, 20. Mai. (Repräsentanten- Versammlung.) Aus der heutigen Sitzung habe ich nur wenig zu berichten, da die meisten Punkte der Tagesordnung in die geheime Sitzung verlegt wurden. — Daniel Israel und Sara Wulff haben der Armenkomimssion 4500 Mk. und der Altersoer sorgungSanstalt 9000 Mk. geschenkt. Bewilligt wurden zur Anlegung einer Telephonzelle in der Hauptstraße 200 Mk., zur Entsendung von Zöglingen de» Waisenhauses nach Colberg 500 Mk., für eine bauliche Reparatur in der neuen Synagoge "<00 Mk. Die Satzungen für die Kommission zur Unterstützung durchreisender Juden werden in erster Lesung angenommen. — In geheimer Sitzung wurde Herr Otto Fla 1 auer zum Erz eher für da» zweite Waisenhaus in Pankow gewählt. Cöslin. Die Konitzer Mordaffaire wird von den Antrsemiten in einer geradezu schamlosen Weise für parte politische Propaganda auSgebeutet. Dem Berliner früheren Ahlwardt-Moniteur, der schon in der letzten Abonnements Aufforderung einen Ritualmord als unzweifelhaft erwiesen erachtet hatte, schließt sich fitzt in würdiger Gemeinschaft die „Antisemitische Korr." deS Herrn Liebermann von Sonnenberg an. „Wir richten an alle deutsch-sozialen Rcformoereine, so schreibt das Hetzblatt, wie überhaupt alle Gesinnungsgenossen die Aufforderung, die Thatfache des Bekanntwerdens der Konitzer Mordsache zur Werbearbeit zu benutzen. Da die Judenpresse, ja sogar sog. „gute deutsche" Zeitungen den Konitzer Mord am liebsten todtgeschwiegen hätten, so wäre nicht viel davon unter die Bevölkerung gekommen, wenn nicht die rothen Anschläge an Säulen und Mauern ihr Kullde gebracht hätten. Zu Tausenden müssen jetzt die Flugblätter und Flugschriften verbreitet werden! Es gilt, endlich ernmal Aufklärung zu schaffen über die vielen rätselhaften Blutmorde. Darum, Gesinnungsgenossen, auf zur Arbeit!" Da das bisherige Ecgcbniß der vielfachen Untersuchungen und Vernehmungen den antisemitischen Denunciationen jede Grundlage entzogen hat, so erhebt die antisemitische Presse jetzt gegen die mit der Untersuchung betrauten Behörden den direkten Vorwurf der Parteilichkeit. „Das Volk hat kein Vertrauen mehr zu den Männern, die über Recht und Gerechtigkeit in dieser schweren Mordsache mitzusprechen haben." An diese ganz grundlose Behauptung knüpft die „Staatsb. Ztg." noch die imfame Verdächtigung: „Alles in allem kann man den Eindruck nicht los werden, als wenn selbst die oberen, die Unter-