Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 43 (28.5.1900)
- Date
- 1900-05-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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41. Jahrgang. erläge M 43 des sraelit". Leitender Artikel. Daniel Wormser Von Dr. I. Wshlgemuth in Berlin, nwpön ubs ipT tin-ren Nb- Ein Großes ist der Gedanke, größer die That, groß ist das ideale Sehnen, größer die Verwirklichung dieses Sehnens, groß ist das Dichten und Trachten, größer das Wirken und Schaffen! Und alle Erhebung unserer Gedanken, alle Bildung unserer Gefühle, alle Verfeinerung unserer Empfindungen hat nur gerade soviel Werth als sie umges.tzt wird in Thaten. nlwvn xbx srncn r*, das L>ben in der Welt der Gedanken iß nickt das L.tzte. Ziel und Zweck des Lebens ist die That. Das ist ein Spruch, der das Wesen unserer Religion mit unnachahmlicher Kürze und Schärfe bezeichnet. Die That, die Opfer fordert, Opfer an Gut und Blut, die dem eigenen Glück die Stunden raubt, um Anderen Stunden des Glückes zu schaffen, — sie allein gibt dem Menschen die höchste Würde. Wir verehren die Heroen des Geistes und bewundern die Großen im Reiche der Kunst. Doch ein Gnadengeschenk legte ihnen Gott in die Wiege, sie pflücken F'üchte von Bäumen, die sie nicht gspflanzt. Wer aber wie ein Söldner auf Ecoen gekämpft und dem Tagelöhner gleich jeden Tag im Dienste seines Gottes gearbeitet w i'2tr ’o*3i px bv rrnaxi xex xSn, verdient der nicht mehr unsere Bewunderung, sollten wir ihm nicht höhere Verehrung zollen?! Diese Gedanken wurden in mir wach, da ich von dem Heimgang des Mannes vernahm, der in vergangener Woche in Hamburg zur ewigen Heimstätte geleitet wurde, da die Kunde zu uns vrang „Lehrer Wormser ist nicht mehr!" Nicht unter den Denkern glänzt sein Name, nicht Werke der W-ffenschaft zeugen von seinem Ruhme. Und w r gehen nicht fehl, wenn wir vermuthen, daß seine Beoeutung außerhalb der Stätte seiner Wirksamkeit nur Wenigen bekannt geworden. Und doch entrang sich uns der Ruf, und in ihn werden alle eiiistimrmn, die fein Wirken gekannt: “jxdh '2 xa vx upxi mey r*s;. Ja, eine Krone war dieser Mann, und nicht uin seiner Sünde willen ist er gestorben! Die Leser dieses Blattes haben von seiner Wirksamkeit erfahren. Vieles könnte ich noch erzählen, unendlich mehr könnten diejenigen berichten, die ihn täglich an der Arbeit sahen, iox te’ di* op da erzählte ein Tag dem anderen eine neue Kunde, da flüsterte man immer von neuem von einem Werk echter oncn rub'v:, das er vollbracht. Und wie viele seiner Großthaten sind verborgen geblieben, wie viele Familien hat er vor der Roth geschützt, die nur den Muth hatten, sich ihm zu offenbaren. Wenn es heißt iw npyon *än: rwn [D, daß der, der das Gute veranlaßt, größer ist als der, der es vollführt, so war er der Größesten Einer. Er war ein einfacher Lehrer und nicht mit Gütern gesegnet, aber er gab Leib und Seele, Ruhe und Gesundheit hin, um die Schätze der Wohlhabenden an die Armen zu vertheilen. Ja, ,*e iw rwon Sna nienyn, es ist ein schwerer Beruf, mit dem Gelds Anderer Wohlthaten zu üben. Was kostet dem Reichen die Schmälerung seines Reichthums, was selbst dem weniger Bemittelten die Gabe des Zehnten? Was muß aber der erfahren, der immer und immer an die Thüren Anderer klopft, der den unbequemen Mahner spielt, und wäre es auch im Dienste Gottes? Er war ein Organisator der Wohlthätigkeit. Ec hat den Leiden der Auswanderer, die nur der zu ermeffen vermag, der die Zustände kannte, wie sie früher geherrscht, ein Ende gemacht, rowwa *h irwv 'D'pa p'2x pt, er hat buchstäblich aus dem Staube die Armen gelesen, aus dem Kehricht die Dürftigen gehoben. Ec hat ihnen ein Heim geschaffen, eine Synagoge gebaut, sie mit Speise und Trank versehen. .1200 Pfund ivato wurden allein an diesem ncs vertheilt. Er har immer an Alles gedacht. Am d'te hat er für mbav gesorgt, aber ebenso unter den größten Gefahren die Unglücklichen, welche die Mission an sich gelockt hatte, den Seelcnfängern entrissen. Wer weiß nicht, daß trotz allen Gemeingefühls der polnische Jude nur allzubäusig der Fremde, „der Schnorrer" bleibt! Er erfüllte das Wort w '21 "pc2 * rrnxi.22x1x2 ia fnx, sie waren nicht Fremde, sie sollten das bischen Glück, das sie zu Hause gelaffen, auch fern von der Heimath nicht mrssen. Doch Aehnliches haben auch Andere vollbracht. Unsere Zeit ist ja besonders groß in der Organisierung der Wohlthätigkeit. Auch in unseren jüdischen Kreisen hat sie Eingang gefunden, und wir wagen die Behauptung, sie werde vielleicht zu stark auf Kosten der alrjüdischen formlosen Wohlthätigkeit ausgebrldet, die in früheren Zeiten neben der Veremsthätigkeit einhsrging. Sie ist bedenklich, die allzustarke Betonung der organisirten Wohlthätigkeit, sie entlastet den Einzelnen, hält ihn von der unmtttelbaren Berührung mit dem Elend fern uno gewöhnt ihn an den Gedanken, man habe seiner npix Pflicht ge-