Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 43 (28.5.1900)
- Date
- 1900-05-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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889 suchung leidenden Organe nach einer bestimmten, das Juventhum schonenden Schablone arbeiten müssen." Das schreibt ein Blatt, das, sobald ein sozialdemokratisch S Organ die Unparteilichkeit der R chter in Zweifel zu ziehen wagt, sofort^nach dem Staats Anwalt schreit. Die Thatsache, daß Gymnasiallehrer in Könitz sich in einer unzulässigen Weise an der antisemitischen Agitation beiheiligen, ist bereits zur Kenntniß der Resiortm'nisierien gelangt, und es ist anzunehmen, daß von hier aus das Erforderliche veranlaßt ist, um gegen ein derartiges Vorgehen einzuschreiten. Worms. Der Jahresbericht des israelitischen Unterftützungsvereins dahier (39. Vereinsjahr) ist erschienen. Er konstatirt mit Freude die wachsende Theilnahme der Gemeinde an den Bestrebungen des Vereins, der den Haus- und Straßcnbettel beseitigt und vielen verschämten Armen eine ausgiebige Unterstützung zugewiesen hat. Der Verein hat zu der von dem Frankfurter Hilfsverein anberaumten Versammlung 2 Vorstandsmitglieder delegiert und ist dem in Frankfurt a. M. begründeten „Verband der Süddeutschen Unterstützungsvereine" als Mitglied beigetreten. An Geschenken erhielt der Verein Mk. 900.55, der unangreifbare Kapitalstock erhielt Mk. 950; auch für das neue Vereinsjahr ist bereits eine Gabe von Mk. 1000 für den letzteren zu verzeichnen. Im abgelaufenen Vereinsjahre wurden für 1811 Unterstützungen Mk. 3702.40 verausgabt, zwar an: 149 Handwerker, 257 Gewohnheitsbettler aus dem Inlands, 1132 Gewohnheitsbettler aus dem Auslande, 219 verschämte Arme, 24 Hausirer, 13 Gelehrte und Lehrer, 15 Kaufleute, 3 Künstler. Das Vermögen des unangreifbaren eisernen Stockes beträgt Mk. 25,699.91. Kisftrrgen. Der „Rednerkrieg" im RabbinatSbezirke Kifsingen ist beendet; wir stehen jetzt kurz vor der Entscheidung. Die Wahlschlacht soll in etwa 14 Tagen geschlagen werden. Wer als Sieger hervorgeht, ist bei der schwankenden Volksmeinung nicht mit Sicherheit zu sagen. Jedenfalls wird von den Anhängern dieses oder jenes Candidaten eine heftige Agitation in dem weitverzweigten Bezirkte entfaltet; diese Agitation ermangelt sogar nicht der bei Rabbinerwahlen sonst nicht üblichen Vertheilung von Wahlaufrufen und Flugblättern; freilich sind düse rein sachlich gehalten und sind frei von persönlichen Verunglimpfungen des Gegners. Warum sich darum die „Zeitung des Judcnthums" darüber so sehr ereifert, ist nicht recht ersichtlich; sie ist ober recht froh, wenn sie den Herren Orthodoxen etwas am Zeuge fl.cken kann. Ursprünglich waren fünf Rabbiner zur Probe nach Kissingen berufen worden; von diesen sollte ein Jeder in acht verschiedenen Gemeinden predigen, das würde nach Adam Riese 40 Probepredigten ausmachen, wahrlich ein Rednerkrieg, wie er wohl bei ähnlichen Anläsien bisher nicht bekannt war. Ein jeder Candidat bedarf, um sein Pensum zu erledigen, mindestens acht Tage, und da muß er jeden Tag in einer anderen Gemeinde sprechen — das ist in der Twt eine Parforceleistung, die um so höher anzuschlagen ist, als die Kissinger Herren den Candidaten nichts vergüten. In letzter Stunde haben zwei zur Probe berufene Rabbinen, die zufällig beide im hoben Norden Deutschlands amtiren und sich in ihren Gemeinden großer Beliebtheit erfreuen, die Herren Rabbinen aus Berent und Insterburg, ihre Bewerbung zurückgezogen und damit auf ihre Berufung verzichtet; zum Theil deshalb, weil sie es mit der Würde eines Rabbiners vielleicht nicht ganz vereinbar halten, von Ort zu Ort als Wanderprediger zu ziehen und seine Kunst bald hier, bald dort zum Besten zu geben. Es sind infolgedessen nur drei Herren Rabbinen, Dr. Bamberaer-Schrimln, Dr. Goitein-Burgkunstadt, Dr. Neuwirth-Frankfurt a. M. in den Wahlkampf eingetreten. Da alle drei der orthodoxen Partei angehören, wünschen wir einem Jeden von ihnen Glück zur Wahl. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. (DieHinterbliebenen Sa cher- M asoch's.) Die „N. Fr. Pc. ' erhält aus London folgende Zuschrift: „Sehr geehrter Herr Redacteur! Mit Bezug auf die Miltheilung, es habe sich in Wien ein Damen-Comitee gebildet, um zu Gunsten der Familie des Schriftstellers von Leopold v. Sacher- Masoch eine öffentliche Sammlung zu veranstalten, bitte ich Sie um folgende Berichtigung: Mein Vater konnte als Oesterreicher und Katholik, da meine Mutter noch am Leben ist, keine zweite Ehe eingehen; es gibt also keine andere legitime Wittwe Sacher- Masoch's als meine Mutter, Frau Wanda v. Sacher- Masoch, geborene Rümelin; ich bin das einzige Kind meines Vaters. Weder ich noch meine Mutter haben je daran gedacht, das öffentliche Mitleid in Anspruch zu nehmen. Gegen den Mißbrauch unseres Namens werden wir gerichtlich vorgehen. In ausgezeichneter Hochachtung Demetrius v. Sacher-Masoch/, England. London. Der langersehnte Wunsch der hiesigen jüdischen Bevölkerung, in der Nähe der Börse eine koscher Restauration etablirt zu sehen, ist nun endlich in Erfüllung gegangen. Wegen städtischer baulicher Veränderungen wurde die seit 38 Jahren in der City bestehende weltbekannte jüdische Restauration „Goldstein" nach Copthall Avenue Nr. 15, ganz nahe zur Börse verlegt. Die Räumlichkeiten entsprechen allen Anforderungen der Großstadt und es gereicht uns zum Vergnügen, berichten zu können, daß von den vielen Börsenbesuchern und Stockbrokers, welche bis jetzt das Mittagsmahl in den