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Der Israelit · 1900-05-28 · Heft 43 (28.5.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 43 (28.5.1900)
Date
1900-05-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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884 Zwangsarbeit und Verlust der Bürgerrechte, 24 zu 2Vs Jahr Zwangsarbeit und Verlust der Bürgerrechte, 3 zu 18 Monat Gefängniß und 3 zu 12 Monat Gefängniß verurlheilt. Drei Frauen und ein Mann wurden ganz freigesprochen. — Aus Odessa wird berichtet, daß die Handwerkerschule Trud eine Abtheilung für Elektrotechnik eröffnet, die 10,000 Rubel Kosten verursacht. Das dortige jüdische Hospital behandelte 4300 Patienten, darunter viele Christen mit einem Kostenaufwand von 109,546 Rubel. Das neue jüdische Hospital in Odessa, das binnen Kurzem eröffn t werden wird, hat 7 Flügel und wird 500 Patienten aufnehmen können. Der Bau kostet rund 1,040.000 Rubel, welche Summe bis auf einen Bruchtheil von 50,000 Rubel schon gesammelt worden ist. England. London. Man veranstaltet hier einen großen National-Bazar im Royal Palace-Hotel, dessen Ertrag den Opfern des südafrikanischen Krieges zu Gute kommen soll. Bei den Veranstaltern wie bei den Mitwirkenden sind wieder jüdische Damen und Herren in großer Zahl betheiligt und unsere gewesene Bürgermeisterin Lady Faudel Philipps mit ihren Schwestern und Töchtern hat den Erfrischungssalon arrangirt, der die größte Einnahme verspricht. Man erhofft von dieser unter Patronanz der Prinzessin von Wales stattfindenden Veranstaltung einen Ueberschuß von 1 Million Mark für den wohlthätigen Zweck. — Im Board of Qaardians gab es am Montag, 14. Mai eine lebhafte Sitzung. Nachdem der Präsident Mr. B. L. Cohen angezeigt hatte, daß er zurückzutreten beabsichttge, und daß sein Neffe Mr. Leonard Cohen um den Präsidentensitz zu candidiren gedenke, käm die Frage der Zulassung von Damen in der Verwaltung zur Sprache und veranlaßte lebhafte Debatten. Die Mehrheit erkannte zwar an, daß man verpflichtet sei, einige Damen zuzulassen, aber man befürchtete eine Ueberschwemmung mit weiblichen Vorstandsmitgliedern und sann auf Maßregel, um diese zu verhüten. Die Frage wird im Plenum der Verwaltung noch einmal zur Sprache kommen müssen. -£■ Vermischtes. London, im Jjar. Der in weitesten Kreisen als hervorragender Maggid bekannte Rev. Herr David Kohn, hielt vorige Woche einen Hasped über den unvergeßlichen Director Mendel Hirsch, in Frankfurt der bei der zahlreichen Zuhörerschaft seines tiefsten Eindrucks nicht versagte und alle Anwesenden zu Thränen rührte. N. L- Lar Bogard, am 18. Mai. Herr Lasar Stampfer, Sohn des verstorbenen hiesigen Rabbiners Iosua Staupfer, feierte gestern lö'ijn J"1? mit seiner Gattin die goldene Hochzeit. Am selben Tage verheirathete sich eine Enkelin derselben nach Kaposvar. Oberrabbtner Löwp hielt an beide Paare ergreifende Reden. Feuilleton. N «ach einer uiaken Z5 eg e 6 eu l)ci t. -s! Von Friedrich Nott „Das hat die Waldstein stehlen lassen!" rief der Gras autjprlngclia, „das uafliBtc Weih — der Kuckuck soll sie holen! — Verlassen Sie sich darauf, kein anderer als die Baronin —" „Das haben tvir uns auch gedacht," sagte Steinhart mit merklich vibrirender Stimme, „deßhalb habe ich den Herrn Doktor ersucht - die Intervention des Herrn Grasen —" „Ich bin dem Herrn Doktor sehr gern gefällig, aber in einer solchen Angelegenheit hätte es keiner Fürsprache bedurft, da hätten Sie sich getrost an mich wenden können. - - Doch nun erzählen Sie mir kurz, aber genau, >vie die Sache sich verhält und tvaS Sie inzwischen gethan haben." Steinhart entsprach der Anffordernng, theilte auch mit, daß inan ihm ans dem Polizeiamte gesagt, das; man gegen die Baronin Waldstein nicht einschreiten könne. „Srtbslverständ'icki geht das nicht so ohne Weiteres. Aber »venu ich erklären würde, daß ich die Ent fiihrnng eines Kindes voransgesehen und voransgesagt habe, da würde die Behörde schon einschreilen müssen, dafür stehe ich Ihnen. Doch ich hoffe, daß es dazu nicht kommen wird, ich werde mit der Baronin sprechen. Aber sie ist nickt mehr in der Stadt, ich werde sofort anspannen lassen und dann fahren wir hinaus —" „Der Herr Gras sind sehr, sehr gütig, daß Sie hinaussahren »vollen - wir aber können heute nicht fahren, »vir habe»» Sabbat »vir »verden daher hinausgehen " „Ach ja so, am Sabbat fahren Sie nicht — ich erinnere mich. Abor Sie, Herr Steinhart, sollten mit mir fahren, Sie scheinen sich bereits allzusehr angestrengt zu haben." Steinhart schüttelte abwehrend den Kops, während er einige unverständliche Worte murmelte; er fühlte sich in der That einer Ohnmacht nah', kaum imstande, sich aufrecht zu halten. Die beiden anderen gewahrten es. „Sie haben sich in der That zu viel zugemuthet," sagte der Arzt, „Sie müssen etwas nehmen, Cognac oder —" Steinhart winkte abermals abtvehrend, der Hausherr hatte jedoch bereits au den Schellenknopf gedrückt und gleich darauf trat der Bediente in das Zimmer, dem er befahl, schleunigst Cogtiac und Sherri zu bringen.

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