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Der Israelit · 1900-05-28 · Heft 43 (28.5.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 43 (28.5.1900)
Date
1900-05-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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880 bührt, die Götzenpriester als todteswürdige Verbrecher behandeln. — Was für eine Bewandniß jedoch soll es mit dem Verbrennen der „Menschengebeine" haben? — Unseres Erachtens ist damit aus die Zeitgenoffen, auf Jerobeam und dessen priesterlichen Creaturen, angespielt worden. — Jene, die Götzenpriester zur Zeit JosiaS, werden nur als einfache Verbrecher hingestellt, die als solche ihr Leben verwirkt. Jerobeam jedoch, welcher den unheilvollen Abfall zuerst eingeleitet, überbietet in seiner Ruchlosigkeit selbst die Verderbniß des Verbrecherthums. Die letzte Wohlthat, die selbst dem Verbrecher nicht versagt wird, die Ruhe des Grabes müffe ihm vorenthalten bleiben, — seine Gebeine daher der Zerstörung durch die Macht des Feuers preisgegeben werden. Jerobeam scheint der Sinn dieser Weissagung nicht entgangen zn sein. Nur daraus ladt sich die Helle Entrüstung, in die er unter dem Eindruck dieser Worte ausbrach und die ihn so weit sortriß, daß er dem Propheten gegenüber handgreiflich wurde, — erklären. Andernfalls bliebe es unbegreiflich, wie er denn dazu käme, seinen Zorn in so Helle Flammen auflodern zu lassen, — wenn die Weissagung nur seine um mehrere Jahrhunderte später lebenden Nachfolger im Priesteramte beträfe, ihn selbst jedoch in keiner Weise berührte. Das Urtheil des Propheten selbst jedoch, dessen Wucht Jerobeam, wie ein Blitz niederschmetterte, braucht uns durchaus nicht Wunder zu nehmen. Man bedenke nur, daß Jerobeam dem Volke der zehn Stämme seine Heiligthümer raubte und cs dadurch dem Andrange des Heidenthumes gegenüber vollständig wehrlos machte. Nur so konnte es kommen, daß die zehn Stämme nach dem Zusammenbruch, denen ihnen Salmanaffer bereitet hat, in eine heidnische Umgebung versetzt, — vom Schauplatze des Lebens vollständig hinweggctilgt wurden. Im Geiste des Propheten, der von Gott erleuchtet über die Zeitformen hinweg, die Dinge in ihrem ursächlichen Zusammenhangs schaut, war es nicht Salmanaffer, sondern recht eigentlich Jerobeam, den: das Reich Israel sein geschichtliches Verhängniß zu danken hatte. — Die Thatfachen brachte er eben in markanten Zügen zum Ausdrucke. — Nach diesen Vorbereitungen wird sich auch der Sinn der Drohung, die der Prophet AmoS gegen Moab richtet, ergeben: „Also spricht der Ewige, wegen dreier Sünden Moabs und weil es ihrer vier sind, werde ich das Strafgericht nicht abwenden, — weil es die Gebeine des Königs von Edom zu Kalk verbrannt hat" (das. II, 1). — Die Veranlassung für die gedachte Ruchlosigkeit, zu der sich das Moabitische Volk Hinreißen ließ, ist nicht genau bekannt. Sie dürfte jedenfalls mit dem 2. Kg., 3. Cap. erzählten Ereignisse im Zusammenhänge stehen. Der Sinn der prophetischen Worte geht unverkennbar dahin: wenn auch die Heiden als solche keine direkten Offenbarungen über den Willen Gottes empfangen haben, so ist doch das Verbrennen von Menschengebeinen eine Ruchlosigkeit, gegen die sich schon ihr natürliches, menschliches Empfinden hätte aufbäumen sollen. Indem sie dasselbe veraewaltigt und einem Todten gegenüber zu solchem Frevel sich hinreißen ließen, haben sie das Strafgericht Gotb.s erwirkt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 23. Mai. Ein merkwürdiges Buch wird in wenig Tagen erscheinen und ein lebhaftes Jntereffe auf sich vereinigen: „Die Juden in Rußland" Urkunden und Zeugn sie russischer Behörden und Autoritäten. Aus dem Russischen übersetzt von August Scholz. (Berlin iv00 Concordia Deutsche VerlagSanstalr.) Interessant sind schon die Schicksale des Buches, dessen Aushängebogen heute aus der Druckerei bei uns eintreffen. In einem Vorwort „zur Orientirung" heißt es: „Im Jahre ist in Petersburg ein Buch gedruckt worden, das einen einzig dastehenden Beitrag zur russischen Judenfrage liefert. D.n Inhalt des Buches bilden Urtheile und Zeugnisse über die Juden in Rußland, sowie über die sie betreffende Gesetzgebung und Verwaltung —■ sämmtlay nationaler Quelle entstammend und von russichen Behörden oder angesehenen russischen Munrrern abgegeben. Kein Beitrag ist eigens für dies Buch verfaßt worden; daffelbe sucht vielmehr seinen Werth darin, eine gewissenhafte Zusammenstellung bereits vorhandenen Materials zu sein. Neben dem dicigirenden Senat — der höchsten russischen Staatsbehörde —, und verschiedenen Mlnisterkomitees für die jüdischen Angelegenheiten kommen Militär- und C ml Gouverneure, sowie Beamte jeden Grades aus allen Verivaltungskreffen zum Worte. Die Geistlichkeit ist durch Metropoliten, Erzbischöfe, Bischöfe und einfache Priester vertreten. Hervorragende Männer aus allen Gebieten der Wissenschaft und Literatur, sowie die Presse und die kaufmännischen Gllden der Großstädten Rußlands geben von der öffentlichen Meinung Kunde. Bei jedem Urtheile und Zeugmffe ist Namen und Stand der verantwortlichen Urheber, sowie Oct und Zeit quellenmäßig angegeben. So mit dem Stempel unzweifelhafter Echtheit ausgerüstet, war das Buch für die Veröffenilichung

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