Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 41 (21.5.1900)
- Date
- 1900-05-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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849 Ereigniß geworden. Der ernstmal winzige Kreis, der im Jahre 1861 bei seiner Gründung das Tageslicht scheuen mußte, der seinem großen Führer Samson Raphael Hirsch s. A. bei seinem Einzuge in Frankfurt als Stätte seines Wirkens lediglich zwei armselige Stübchen anbieten konnte — er ist unter der begeisterten und begeisternden Führung des unsterblichen Meisters gewachsen von Jahr zu Jahr — derart, daß das große Gotteshaus in der Schützenstraße, das wohl kein gläubiger Jude, der in Frankfurt sich aufhält, aufzusuchen versäumt, zu eng geworden ist, um die immer größer werdende Zahl der Mitglieder zu fassen. Schon seit einigen Jahren harrte eine große Zahl auf Sitzplätze, ohne daß es möglich ist, auch nur den kleinsten Theil der Wünsche zu befriedigen. Obwohl die Verwaltung der Religionsgesellschaft sich der Befürchtung nicht verschließt, daß das einheitliche Band, welches alle Glieder derselben umschließt, durch eine Theilung der Synagogenbcsucher sicherlich gelockert werden wird — bildet ja die Religionsgesellschaft ihrer heutigen Construktion nach eine einheitliche Familie — so glaubt sie doch der Entwicklung der Großstadt dahin Rechnung tragen zu müsien, daß sie sich entschlossen hat, eine zweite Synagoge zu erbauen. Geradezu glänzend bewährt sich bei dieser Gelegenheit die so oft erprobte Opferfreudigkeit, dieser Ir w'ehm bjisroel. Ein Aufruf an die Mitglieder der Rcligionsgesellschaft hat außer der hochherzigen Spende von 80,000 Mt. des treu anhänglichen Mitgliedes Freiherrn Baron Wilhelm von Rothschild bereits bewirkt, daß für den gedachten Zweck in wenigen Tagen Mk. 160,000 aufgebracht worden sind. Wahrlich. wem schwellt nicht das Herz in freudiger Erregung bei solch' glänzend bewährter Opferwilligleit; lvenn unsere heutige Zeit die Welt immer versinken läßt in Materialismus und Egoismus, so bildet die ideale Auffassung und Begeisterung der Frankfurter Kehillah für alle echt jüdischen Institutionen ein erhebendes Bewußtsein, ein erquickender, herzerfrischender Trost, und wo immer noch ein Jude lebt, der sich den Sinn bewahrt hat für jüdische Pflichtthat, lvird er des Allmächtigen Segen aus diese begnadeten Gemeinwesen Herabrufen. O e st e r r.- U n g a r.^M o n a r ch i e. Epcrico, 14. Mai. Die hiesige isr. Fortschrittsgcmeinde feiert am Samstag, 19. d. M. das 49-jährige Jubiläum ihres Rabbiners Dr. M. A u st e r l i tz. Eperies ist eine der wenigen Kongreßgemeinden, deren Eultusinstitutionen nicht allzusehr reformirt wurden. Rach 40-jäbriger Wirksamkeit kann sich der in seinem Privatleben auch strengreligiöse Rabbiner Austerlitz rühmen, weder eine Orgel noch ein Damenchor in seiner Synagoge zu besitzen. Und doch lebte dort Jahrzehnte hindurch ein Mann, der mit seiner Reologie und leidenschaftlichen Reformsucht seine Zeitgenossen verblüffte. Am jüdischen Kongreß hielt nämlich der Deputirte aus Eperies, der auch in nichtjüdischen Kreisen hochgeachtete Gelehrte Namens L. Holländer eine Rede, in welcher er mit geißelndem Spott die gesetzestrcuen Juden und deren Tradition schmähte, was zur Folge hatte, daß 48 Mitglieder des Kongresses, unter denen die größten G'onim jener Zeit den Sitzungssaal demonstrativ verließen und nicht mehr dorthin zurückkehrten. Rabbiner Hildesheimer d"i und noch einige konservativ gesinnte Männer blieben bis zum Schluß, überzeugten sich aber, daß Jene Recht hatten, die dem unerhörten r-rrr sprr zur geeigneten Zeit aus dem Wege gingen. Indessen schrieb Rabbiner L ö w noch zwei Jahre später, daß nicht mehr als 10 isr. Reformgemeinden in Ungarn vorhanden sind. Heute dürfte das Berhältniß ein umgekehrtes sein. Von allen Kongreßgemeinden dürften kaum 10 Kehiloß existiren, die nicht auf religiösem Gebiete der ausschweifendsten Reform fröhnen. Ganz besonders ist dies der Fall in jenen Gemeinden, wo Zöglinge des Budapester Seminars die Wächter der Religion sind. Die hiesige Kongreßgemeinde blieb bisher vom radikalen Reformschwindel verschont, und das ist ein Verdienst des gottesfürchtigen Rabbiners Austerlitz, der diesethalben auch in gesinnungstreuen Kreisen jeder Richtung einer Beliebtheit und Werthschätzung sich erfreut. Prcsrburg, 16. Mai. Jesode ha-Thora ist der Name der durch den Einfluß Rabbenu K'saw Sofer s. A. in's Leben gerufenen Anstalt, in welcher Kinder aller Gegenden Aufnahme und Unterricht in Thora und Awoda finden. Diese Anstalt kann sich rühmen, viele Hunderte von Schülern der Welt übergeben zu haben. Genannte Talmudschule besteht aus vier Klassen, welche von vier wahrhaften Lomdei Thora mit wahrhafter Hingebung und Aufopferung in rrwi und nur unterrichtet werden. Der Vorstand besteht aus zehn Personen, von welchen jede einzelne ein eigenes Ressort zu überwachen hat und sind alle sw» onpsi a'esn. Es ist wirklich herzerhebend zu sehen, daß in dem der Ehewra gehörenden Haus "W ipso 70 bis 80 Kinder psw am "psi orrix epv D'piP« 'N rrim sind. Nicht so gut ist es mit der Herstellung des Kostenaufwandes der Anstalt bestellt. Abgesehen davon, daß die Schüler mit ganz geringen Ausnahmen, aus dem armen und unbemittelten Stande sich rekrutieren, hat der Vorstand bis vor Kurzem erst die größte Kalamität mit den Schullokalitäten, weil diese Seitens der Behörde nicht länger als bis zum Frühjahr geduldet werden, und ist der Vorstand dadurch genöthigt, sich eine andere Lokalität anzueignen event. eine solche durch einen Neubau herzustellen. Dies aber im Stande zu sein, erfordert ein Kapital, welches zu beschaffen wahrlich eine drückende Sorge ist. Wir wenden uns daher an die ntwv ev '-m* um uns zu diesem heil. Unternehmen isd um* hpk V'k behilflich zu sein, entweder durch direkten Beitrag, oder durch zu bestimmende Legate oder Fondationsbeiträge. Jedes unterstützende Mitglied ist berechtigt, für sich oder seine Angehörigen o'aito a':*n 2'v' ronx nnrrb im Berhältniß seiner Leistung an dem Verein das durch