Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 41 (21.5.1900)
- Date
- 1900-05-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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-«. ,.^'y•' ■ vw y-. --—• :fJ' 860 denselben zu ver«nl«ffende Seelenheilsceremomel zu beanspruchen. Spenden nimmt entgegen: Herr Oberrabbiner B. Schreiber - Preßburg, Herr Leopold Friedmann, Rabbinatsassessor, oder die Geschäftsstelle dieses Blattes. Indien. Bombay. Die Zahl der in Indien wohnenden Juden wird verschieden angegeben, sie dürfte zwischen 6000 und 8000 liegen. In den größeren Städten, Kalkutta, Bombay, Rangun u. s. w. befinden sich ansehnliche jüdische Gemeinden. Die in Kalkutta zählt jetzt etwa 1100 Seelen, sechzig Familien aschkenasischer Juden nicht mitgerechnet. Der erste Jude, welcher nach Kalkutta kam, hieß Schalom Aharon Cohen, aus Damaskus. Es sind zwei Synagogen vorhanden. Die eine, die den Namen „Magen David" führt, ist von dem sehr angesehenen Herr Elia David Josef Esra an der Stelle der alten Synagoge errichtet worden und zeichnet sich durch große Pracht aus. Der Bau hat etwa 160,000 Rupien (1 Rupie ist gleich 2,06 Mk.) gekostet. Die Synagoge ist mit einem Thurme nebst Glockenuhr versehen. Der Minhag ist der altsephardische. Nach dem Maariwgebet „lernt" der Chacham mit mehreren Baale Bathim täglich bis zum Anbruch der Nacht, dann wird nochmals Schema gebetet. An jedem Sabbat hält der Chacham einen längeren Vortrag. Die Ausgaben für die Synagoge belaufen sich auf etwa 6000 Rupien jährlich und werden lediglich durch freiwillige Spenden beim Vorlesen der Thora aufgebracht. Für die Plätze in der Synagoge wird kein Stellengeld erhoben. Der erste Chasan hat eine Besoldung von 160 Rupien monatlich. Die andere Synagoge führt den Namen „Beth- El" und ist vor etwa 30 Jahren von Herrn David Joseph Esra errichtet worden. Sie erheischte einen Aufwand von 600,000 Rupien. Vor mehreren Jahren wurde sie bedeutend verschönert. Die Ausgabe hierfür, etwa 60,000 Rupien, bestritt Herr Elia, Vorsteher derselben. Bei jeder dieser Synagogen ist ein rituelles Bad angelegt. Die Gemeinde hat zwei Schulen unter den Namen „Kehillath Jeschurun" und „Magen David." Die erstere erfordert einen Aufwand von etwa 1100 Rupien, welche in folgender Weise aufgebracht werden: Ein edler begüterter Mann, Herr Elia, steuert 400 Rupien, andere Hochherzige 360 Rupien bei, und der Rest wird von den Eltern der Schüler, welche ein Schulgeld zu zahlen im Stande sind, gezahlt. Die Schule zerfällt m zwei Abtheilungen und wird von 70 erwachsenen Knaben und 130 jüngeren Knaben und Mädchen besuchts Sechs Lehrer unterrichten im Hebräischen und in Religionswissenschaften, elf in anderen Disciplinen. Die Schüler werden in den letzteren soweit gefördert, daß sie in das Gymnasium eintreten können. Die kürzlich stattgehabte Prüfung, welcher auch der Vicekönig beiwohnte, hat ein glänzendes Resultat gegeben und den Lehrern und Leitern hohe Anerkennung zugezogen. Die andere Schule „Magen David," ist von Herrn Elia David Joseph Esra für Arme und Waisen gegründet worden. Es lverden darin 80 Kinder unterrichtet und zugleich beköstigt; vier Lehrer wirken an der Anstalt. Außer dem Hebräischen und Religion werden die Schüler im profanen Wissen unterrichtet. Der Zustand der Schule iß vorzüglich. Ihr edler Begründer bestritt deren Unterhaltung mit etwa 660 Rupien pro Monat, und nach dessen Ableben setzt sein Sohn dieses wahrhaft große Werk in gleicher Weise fort. Im Allgmeinen wird an den Juden in Indien der menschenfreundliche Sinn, welcher sich in Werken der Liebe äußert, ge rühmt. Letzte Nachrichten. Tarmstadt, 21. Mai. Donnerstag, den 24. Mai, findet in Frankfurt a. M. am „Thiergarten 62" (Realschule der Israel. Religionsgesellschaft) die Generalversammlung des „Unabhängigen Vereins isr. Lehrer im Großherzogthum Hessen" statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes; 2. Rechnungsablage; 3. die Aus- und Fortbildung des jüd. Lehrers in den rabbinischen Fächern. Res.: Herr E h r m a n n - Friedberg: 4. Neuwahl des Vorstandes; 6. Mittheilungen. Die ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder tverden um recht zahlreichen Besuch gebeten. Konist, 18. Mai. (Von unseremSpezialc o r r e s p o n d e n t e n.) Zwei ganz entgegengesetzte Nachrichten werden heute hier veröffentlicht: Die Leichentheile des ermordeten Winter sind freigegeben und erfolgt die Bestattung nicht in Könitz, wie es der Vater verlangt, sondern aus landespolizeilischem Interesse in Prechlau. Wenige Stunden später, nach der zweiten Sektion der Leichentheile durch die Berliner Gerichtsphysiei, wird Folgendes (authentisch) bekannt: Heute, Donnerstag, begab sich die Gerichts-Commission, bestehend aus dem ersten Staatsanwalt, Sanitätsrath Dr. Mittenzweig und Dr. Straßmann, nach dem Fundorte des Winter'schen Kopfes. Nach der Rückkunft nach dem Städt. Krankenhause, fand in Gegenwart des alten Winters eine Nachsektion statt und wurde darauf die „Freigabe der Leichentheile bis auf Weiteres verweigert!" Das schriftlich abzufassende Gutachten soll erst zu Pfingsten zu erwarten sein. Hiernach sind ganz neue Momente zu dem Morde entdeckt und spricht man heute überall davon, daß der Winter — vergiftet sei! Nach den obigen Nachrichten hat es in der That den Anschein, als ob bei der zweiten Sektion etwas gefunden worden sei, das diesem Gerüchte Nahrung gegeben. Die Grundlosigkeit aller antisemitischen Beschuldigungen sind ohnedies schon erwiesen, hiernach wird der Ritualmordlegende schon jetzt der Boden entzogen. Der neueste Lokaltermin (am Mittwoch) im Hause des Schlächters Lewy, hat absolut nichts Gravierendes ergeben. Unsere nächste Nummer erscheint des Himmelfahrtfestes wegen Mittwoch, den 23 Mai.