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Der Israelit · 1900-05-21 · Heft 41 (21.5.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 41 (21.5.1900)
Date
1900-05-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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848 ihm und feinem (Molle, in der lichten Gottesnähe und ,,'einwärtü" bewegt. Zuletzt tvendet Redner den Blick zu dein innigen Verhältniß, in welchem der zu seiner ihm im Tode vorausgegangenen Gattin gestanden hat, zu der schönen Art und Weise, wie er den Pflichten gerecht wurde, die ihm als Vater und Erzieher seiner Kinder oblagen. So wenig nun die letzteren, die in seinen Wegen wandeln, gleich den übrigen Familienmitgliedern, seiner vergeffen werden, ebensowenig wird auch sein glänzendes Andenken bei allen Jenen verloren gehen, die ihn im Umgänge und Verkehr schätzen gelernt haben. Mit den Worten: aibvb schloß Herr Dr. Horowitz tiefbewegt seine Worte. Aus dem Friedhofe hielt Herr Dr. M u n k - Marburg eine Traueransprache, die mit den Worten einleitete: «"p1 pn texnr und weist darauf hin, daß heute wiederum, wie vor wenigen Wochen, nicht nur eine Familie trauernd an der Bahre steht, sondern auch die Gemeinde. In Rabbi Michoel Fürth s. A. ging uns ein Mann dahin, der das alte Judenthum mit moderner Bildung vereinigte. Er verband das Doppelwesen und den Doppelberuf eines Jffachar und Sebulun in seiner Person. Redner stellt dann sinnige Betrachtungen über den bedeutungsvollen Namen bnriv an, deren Quintessenz ist, daß das Angebinde, welches ihm von seinen Eltern in seinem inhaltsreichen Namen schon in die Wiege gelegt worden ist, bis zu seinem Grabe sein weit bekannter und bester Empfehlungsbrief geblieben ist. Schmerzbewegt nahm man hierauf thränenden Auges Abschied vom p'ix für immer. Der Entschlafene erreichte ein Alter von 74 Jahren. Rabbi Michael Fürth, daß Du nicht mehr unter uns bist, daß mit Dir ein wahres, echtes Stück Judenthum zu Grabe getragen wurde, erfüllt uns mit Wehmuth und Schmerz. Daß Du aber warst, in unserer Mitte lebtest und strebtest, das richtet uns wieder empor. Dein Name bleibt ewig in unserer Gemeinde. Und so rufen wir Dir zu: p n hh injo 'iv bvrrn , py Ziehe ein, edler Freund und theurer Lehrer, in das Paradies des ewigen Lebens und genieße dort die köstliche Frucht Deiner guten Werke, .■pftwr *n mr Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 76. Mai. Der evangelische Kirchenbauverein hat seit 1886 für den Bau von Kirchen in Berlin mehr als 10 Millionen gesammelt. Dabei sind ca. 500,000 Mk. von Andersgläubigen und specieü 19,000 Mark von Juden, die sür die Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche vcrlvendet worden sind. Im Bericht heißt es wörtlich, andere Gcldancrbictungcn jüdischer Fabrikherren für Kirchenbauten, welche im Bereich ihrer Fabriken und für ihre Arbeiter ausgeführt wurden, lvurden wiederholt wegen der gehässigen Stimmung in Berlin abgelehnt. Ueberhaupt hebt der Bericht hervor, daß der entsachte fanatischste Antisemitismus unter christlichem Banner sich auf der rechten Seite wähnend, mit der Sozialdemokratie sich auf demselben Wege zusammenfand, zur Vernichtung des endlichen Bemühens, der hauptstädtischen Kirchennoth gründlich zu steuern. Diese Resultate des Antisemitismus haben wohl auch in hohen Kreisen gründlich ernüchternd gewirkt, ist doch die Seele des Kirchenbauvereins der Graf von Mirbach und seine Protectorin die Kaiserin selber. Mancherlei Anzeichen in der letzten Zeit lasten darauf schließen, daß man in diesen Kreisen einzusehen beginnt, daß der Antisemitismus auch das Christenthum schädigen muß durch seine Hervorkehrung urteutonischer Rohheit. Frankfurt a. M., 16. Mai. (Derprojectirte Neubau einer zweiten Gemeindesynagoge derJsr. Religionsgesellschaft.) Im Jahre 1901 ist ein halbes Jahrhundert dahingegangen, daß die Jsr. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. in's Leben getreten ist. Es war eine schwere, ernste Zeit, in der ihre Gründung sich vollzog; neuerungssüchtige Reform wüthete in rücksichtslosem Fanatismus gegen das alte überlieferte Judenthum, mit eisigem Spotte, mit giftigem Hohne jede noch so winzige Regung des gesetzestreuen Judenthums erstickend. Jire at schetisaw war die Losung der Pflichtvergessenen, wenn erst die paar Alten, die noch in hartnäckiger Verblendung am Religionsgesetz hängen — so sprach man — dahingegangen sein werden, dann gehört das alte Judenthum einer begrabenen und zu begrabenden Vergangenheit an. Es ist schwer für die heutige Generation, sich hineinzudenken in die Schwierigkeiten, die den wenig Frommen in den Weg gelegt wurden, schwer, sich die Opfer vorzustellen, die gewissenhafte Eltern bringen mußten, um ihre Kinder vor den Fängen des Abfalls zu bewahren. Schule und Kanzel waren im Dienste der Reform, die Mikwoh von frevelhaften Händen zugeschüttet worden, und alle sonstigen religiösen Institutionen in trostlosem Zustande. Doch lau jitausch haschem eß ammau, in der Brust von elf reingebliebenen Männern, weckte er die Begeisterung, ließ sie zusammentreten, um die alte Frankfurter Killoh, jene Gemeinde, in der Jiro und Emunoh, Gottesfurcht und treue Anhänglichkeit an die Thauro zu Hause waren, wieder aufzurichten. Schwer war das Werk, kühn das Vorhaben, aber sie wagten es, die kleine begeisterte Schaar, sie wagten den K a m p f — und errangen den Sieg. Wem kämen nicht diese rückblickenden Reflectionen in den Sinn, in dem Momente, wo die Synagogengenreinde „Jsr. Religionsgesellschaft" sich anfchickt, eine zweite Synagoge zu erbauen. Ja, das Unerwartete ist

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