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Der Israelit · 1900-05-21 · Heft 41 (21.5.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 41 (21.5.1900)
Date
1900-05-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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644 Kinderasyl errichten, zu welchem Zwecke das Vorstandsmitglied M. L ö w y 10,000 Kronen spendete. Die Vereinsausgaben im abgelaufenen Jahre betrugen 31,000 Kronen. Ueberdies wurden 6000 Kronen zur selbstständigen Etablirung gewesener Vereinszöglinge aus den bezüglichen Stiftungen verwendet. Der Verein zählt derzeit 1666 Mitglieder und besitzt ein Vermögen von einer halben Million Kronen. Wie man sieht, sind's ganz stattliche Leistungen, die dieser Verein zu Wege bringt. Zu bedauern bleibt nur, daß die armen Zöglinge systematisch zum Chilul-Schabb o s erzogen werden und von den sieben Rabbinen der großen Kultusgemeinde noch kein einziger es der Mühe werth gefunden, für die Aufhebung dieses himmelschreienden Chilul-Haschem ein Sterbenswörtchen zu verlieren. „Al techet'u bajeled, w'gam domau Hinei nidrasch." Gelegentlich einer Prozeßverhandlung, zu welcher der orth. Oberrabbiner von Großwardein als Zeuge vorgeladen war, forderte der leitende Bezirksrichter, daß der Rabbi seine Deposition durch den vorgeschriebenen Eid bekräftige. Als Zeuge dies nur mit bedecktem Haupte thun wollte, drohte der Verhandlungsleiter mit Geldstrafen und bestand auf Eidesablegung mit unbedecktem Haupte. Der Rabbiner wurde auch zu einer Geldstrafe von 200 Kronen verurtheilt, hat aber selbstverständlich den Eid nicht abgelegt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Gerichtshof diesen Beschluß des kritischen Bezirksrichters aufheben wird. Man bemängelt es aber dem allgemein verehrten Oberrabbiner von Großwardein, daß er überhaupt ohne Sammtkäppchen vor Gericht erschienen, was bestimmt nur aus Vergessenheit geschehen ist. Hierzulande weiß es jeder Nichtjude, daß auch nur halbwegs religiöse Rabbiner niemals ohne jede Kopfbedeckung auftreten, und es hat dies noch keine Behörde bisher beanstandet. Auch gewöhnliche religiöse Juden erscheinen hier immer mit einer leichten Kopfbedeckung vor den Behörden. In Galizien sollen die Juden diesbezüglich sogar ein ausgesprochenes Privilegium haben. Die Reformsucht moderner Rabbiner hat allerdings auch diesen jüdischen Brauch außer Kurs gesetzt. Sie paradiren nur mit ihren Käppchen, wenn sie vor der Majestät des Königs den Pfaffen spielen wollen. Und doch gibt es hier einen ganzen Orden kath. Geistlichen, die sich stets in doppelter Kopfbedeckung tragen. Der strenge Herr Bezirksrichter würde sich gewiß nicht erlauben diesen Geistlichen eine Eidesablegung in blosköpfigem Zustande zuzumuthen. Der jüdische Gebrauch der Kopfbedeckung ist aber lange nicht so irrelevant, als dies selbst manche Rabbiner — aus Unkenntniß der eigentlichen Gesetzesbestimmungen — sich einbilden und es wäre ein verdienstvolles Werk, diesen Gegenstand in ritueller und wisienschaftlicher Beziehung einmal auch in populärer Darstellung zu beleuchten. Vermischtes Berlin. Seit einem Jahre besteht dahier ein jüdischer Turnverein „Bar Kochba", dessen Mitglieder jüdische Studenten sind. Seit 1. Mai erscheint auch als offizielles Organ desselben eine „Jüdische Turnerzeitung" unter der Redaction des Herrn stnil. zur. Hermann Jalowitz. Pirmasens. In unserer Gemeinde rüstet man sich zu einer großen Freude. Am kommenden sSchobuothfeste werden der Synagoge zwei neue Dnsc, eins von Herrn Ferdinand Schah! und das Ander von Herrn David Weil, beide Hierselbst, übergeben. S l. Glogau, 10. Mai. Der Kreis-AuSschuß erkannte, wie der „Rtederschl. Anz." meldet, in dem gegen den Grafen Pückler-Klein-Tschirne eingeleiteten Disciplinarverfahren auf Entfernung Pücklers aus dem Amte als Amtsvorsteher drS Amtsbezirks Klein-Tschirue. Feuilleton. Wcrch einer wahren Wegeben hert. 201 Von Friedrich Rott. Früher, ehe Elsa in's Haus gekommen, war es Mariannen's liebstes Spiel gewesen, sich zu verstecken und ihre Angehörigen oft halbe Stunden lang sie rufen und suchen lassen. Aber die kleine gewissenhafte Fremde, die sie zur Theilnahme an diesem Spiel aufgesordert, hatte sich nicht dazu bewegen lassen. „Das komme ihr beinahe wie lügen vor, wenn sie andere glauben machen würde, sie wäre nicht im Zimmer, während sie doch darin wäre." Mariannens Zureden hatte nichts genutzt und als der Vater von dem Streit der kleinen Mädchen gehört, hatte er zum größten Staunen seines Töchterchens dem fremden Kinde Recht gegeben, und seitdem hatte auch Marianne ihrem Lieblingsscherz entsagt. Aber heute schien sie das frühere Spiel wieder begonnen zu haben. „Wo nur Marianne sein mag?" sagte die Mutter lächelnd, „suche sie doch, Viktor, ob sie vielleicht bei den Hühnern ist, oder bei den Kühen, oder am Ende ist sie schon in's Bett gegangen —" „Ich werde sie überall suchen," versetzte Viktor lachend und ging hinaus. Die Mutter, in der Meinung, die Kleine halte sich im anstoßenden Zimmer, dessen Thüre offen stand, verborgen, sprach beständig davon, wohin sie wohl gegangen sein könne und rief sie auch wiederholt beim Namen. Doch Marianne kam nicht und antwortete auch nicht. „Mache dem Unsinn ein Ende, Marianne!" rief Steinhart endlich ärgerlich, „komme schon herein, wir wollen zu Tische gehen!" Aber Marianne kam noch immer nicht.

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