Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-05-21 · Heft 41 (21.5.1900) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 41 (21.5.1900)
Date
1900-05-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449088--50760-2501200
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

843 fragt: Entweder es ist heute v'-nv und der Verleger (nicht der Verfasser) erlaubt sich. unS zu „utzen" — oder — das Kochbuch enthält Zukunftsmusik, spricht in seinen Rezepten von jener Zeit, wo Löwe und Lamm. Christ und Jude ohne rituelle Bedenken von allem und alles miteinander essen. — Es fehlt beim Seder nicht das r.=',in das Koschermachen des Fleisches ist ganz einer Sarah Cohn würdig — aber dann — dann! Schulchan aruch verhülle Dein Haupt, denn die Sarah Cohn ist — m'schugge geworden! Ich will nicht sagen und auszählen, welche Rolle Milch (Butter und saure Sahne) in den Rezepten für Fleischspeisen spielt. Rur erwähnen will ich noch, daß uns rpe:: Hasenbraten — „Kaninchen (Lapin)" und auch blaugesottener Aal serviert wird. Wieist nun ein solches Kochbuch zu Stande gekommen? Run ich muthmaße Folgendes: Ein christlicher Verleger hat irgend einem Bedürsniß, ein billiges und reichhaltiges, jüdisches Kochbuch herzustellen, Rechnung tragen wollen, hat Titel und Einführung (Koschermachen, Peßach etc.) von einem echt jüdischen Autor (Sarah Cohn) übernommen. — Die Rezepte aber sind mit Auslassung alles „Schweinernen" (denn das suchst Du vergeblich in dem Buche und der Verleger hatte so eine dunkle Ahnung daß das nicht hineinpaßt — hatte aber vergessen anzugcben, wie man einen Hasen ..porscht" und Aale „schuppt") — einem christlichen Kochbuche entnommen. Ich hätte die Niederschrift dieser Zeilen unterlassen, durste ich doch annehmen, daß jedem jüdischen Kinde, das nur 6 Minuten in d i e s e m jüdischen .Kochbuche blättert, die Unjüdischkeit desselben ausfällt und es den Wolf im Schafspelz erkennt. Aber ich sagte mir: besser ist besser und folge dem göttlichen Propheten: *8j? -p"8 ^22 Krefeld. Ende vorigen Jahres erschien in Nr. 92 der hiesigen antisemitischen „Deutschen Zeitung" ein Artikel, überschrieben „Mädchenhandel", in welchem die jüdische Religionsgesellschaft überaus scharf angegriffen wurde. U. a. wurde darin angedeutet, daß es den Juden nach ihren Neligionsgrundsätzen gestattet sei. Meineide zu leisten. Der verantwortliche Redakteur des genannten Blattes, Jakob Jöken, war wegen dieses Artikels unter Anklage gestellt worden. Es wurde ihm zur Last gelegt. Einrichtungen oder Gebräuche der jüdischen Religionsgesellschaft öffentlich beschimpft zu haben. In der gegen ihn stattgehabten gerichtlichen Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer erfolgte seine Verurtheilung zu einer Woche Gefängniß. Tamlcr. 14. Mai. In einer Zeit, wo leider das Thorastudium in den meisten kleinen deutschen Städten darnieder liegt, ist es eine Freude zu berichten, daß es in unserer Gemeinde noch blüht. Nachdem erst kürzlich von unserem verehrten Herrn Rabbiner Dr. Wreschner der Gemara-Tractat Chulin mit mehreren Baalbatim ausgelernt wurde, fand am vorvergangenen Sonntag Abend eine sehr schöne Sijum-Feier des Vereins „Sukas Scholaum" statt. In dem Beth Hamidrosch, welches dem Verein gehört, wird täglich gebetet und zwischen Mincho und Maariw von unserem Herrn Rabbiner einige Mischnaus mit Commentaren für die verstorbenen Mitglieder während des Trauerjahres und an deren Jahrzeiten gelernt. Es waren nun nach 4,/i> Jahren die sechs Theile der Mischna beendet und ließen Herr und Frau Rabbiner es sich nicht nehmen, die Feier in ihrer Wohnung zu veranstalten. Außer diesen und dem Vorstande der Chewra gebührt auch Herrn und Frau Cantor G o l d der wärmste Dank für ihre eifrige Thätigkeit zum Gelingen des schönen Festes. Nachdem erst Mincho gebetet war. wurde der Schluß von Ukzin ausgelernt und der Anfang von Berochaus vorgetragen. Die bei dem Festmahl gehaltenen geistreichen Reden aus Mischna und Talmud von Seiten des Herrn Rabbiners, sowie der Herren I. Gersmann. Moritz und Josef Holländer, L. Wagner. Cantor Gold und Levy trugen sehr zur Verschönerung des Festes bei, auch musikalische Vorträge des Herrn Cantor mit Klavierbegleitung fanden großen Beifall. Erst in später Nachtstunde trennten sich die Festgenoffen mit dem schönen Bewußtsein, einer echtjüdischen rrsra bv nncv beigewohnt zu haben. Leo L e w y. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien. (Ein Priester der Nächstenl i r b c.) Mit dem am 15. d. M. verschiedenen Bischof Ignaz L o b o s ist ein Mann von ungemein toleranter Gesinnung gestorben. Als ihm im April 1893 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Tarnov verliehen wurde, hielt er eine vielkommentierte Rede, in der er unter Anderen sagte: Es freut mich, neuerlich betonen und erklären zu können, daß ich für ein einträchtiges Zusammenleben mit den Mitbürgern mosaischer Confession stets warm eingetreten bin und jede Animosität gegen diese unsere gleichberechtigten Landeskinder, dem erhabenen Gebote der Nächstenliebe entsprechend entschieden perhorresziere. Die israelitischen Mitbürger mögen immer von meiner wohlwollenden Gesinnung überzeugt sein. — Seinerzeit machte es großes Aufsehen in Galizien, als der Verblichene nach seiner Jntronisation in Tarnov den dortigen Ortsrabbiner nicht nur in freundlichster Weise empfing, sondern ihm auch den Gegenbesuch abstattete. Bei verschiedenen Gelegenheiten benützte er jeden Anlaß, um seine Gläubigen zur christlichen Duldsamkeit und Liebe aufzufordern und trat immer sehr energisch gegen confessionelle Verhetzungen des Volkes seitens der Geistlichkeit auf. Erst in letzter Zeit stand er im heftigsten Kampfe gegen den Hetzkavlan Stojalowski. Bttvapest, 14. Mai. Der „Ungarische israelit. Handwerks- und Ackerbauverein" hielt gestern seine 38. ordentliche Generalversammlung ab. Vorsitzender Dr. A. N e u m a n n , Reichstagsdeputirter, erstattete den Jahresbericht, nach welchem im abgelaufenen Vereinsjahre die Anstalt 440 Handwerkszöglinge. 25 Gewerbeschulstipendisten und sieben Ackerbauzöglinge hatte. Der Verein wird demnächst auch ein landwirthschastliches

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.