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Der Israelit · 1900-05-21 · Heft 41 (21.5.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 41 (21.5.1900)
Date
1900-05-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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842 mann* Tuchler, iiüe* Uebrige ist, wie sämintliche Nachrichten der „Staatsbürgerztg.", erlogen, erfunden! Der Lehrling wurde verhört; er weiß den Tag der Uebergabe des Straußes nicht genau und der genannte Gärtner Blaszyk weißt nach, daß der Blumenstrauß bei Lewy am „14. November 1899" abgegeben wurde! Die letzte Lüge wird der „St." theuer zu stehen kommen, denn von zwei Seiten werden Verleumdungsklagen gegen sie erhoben. Sie zittert, die antisemitische Preßmeute. denn sie weiß schon, daß alle Mühe vergebens war. Es sind mindestens schon hundert Juden in Könitz auf Grund von Denunciationen verhört worden und nicht durch ein Jota ist eine Mithilfe von Seiten eines Juden erwiesen worden. Dagegen vermehren sich andere Verdachtsmomente nach einer anderen Seite hin und wir Alle hoffen, daß bald der wirkliche Mörder entdeckt wird. Gott gebe es, es ist die höchste Zeit, denn in keiner Provinz, in keinem Lande sind die Juden so schamlos verfolgt und beunruhigt worden, wie in Westpreußen seit Mitte März, und das Alles ist das Werk dieses elenden oftgenannten Blattes, das dieses Mal adcr nicht ohne Bestrafung bleiben wird. Pasewalk, 16. Mai. Am Samstag, den 12. Mai, hielt Rabbiner Dr. E. Finkel seine Antrittsrede, in welcher er in geistreicher Weise die Aufgabe, die heutzutage ein Rabbner zu erfüllen habe, darlegte. Ausgehend vom 6. B. M. 21, 12: „Aus dem Heiligthum trete er nicht hinaus, damit er nicht das Heiligthum seines Gottes entweihe." führte er im e r st e n T h e i l e aus, daß der Rabbiner das ihm anvertraute Heiligthum nicht verlassen, die Grenzen seiner Thätigkeit nicht überschreiten dürfe: er muß vielmehr jeder Versuchung widerstehen, etwas mehr sein und gelten zu wollen, als ein Priester im Heiligthum Gottes; denn viel Unheil und Verderben wurde über die Welt gebracht dadurch, daß der Priester zuweilen über seinen Wirkungskreis hinaus auf den Kampfplatz der Parteien trat und von der Warte seines erhabenen Berufes in die Niederungen des Parteihaders hinabstieg, um Haß zu schüren und die bösen Leidenschaften zu wecken. Solche Priester haben sich selbst entwürdigt und das Heiligthum, zu dessen Hütern sie bestellt waren, entweiht. Das Volk verlor die Achtung vor dem Glauben, denn es sah in der Religion eine Quelle des Hasses und der Zwietracht. Darum soll der Lehrer in Israel seine höchste Lebensaufgabe darin erblicken, Hüter des Heiligthums zu sein und trotz seiner Vertrautheit mit den politischen und sozialen Erscheinungen seiner Zeit, die zur richtigen Führung seines Amtes unbedingt erforderlich ist, nie aus dem Kreise seiner Ausgaben sich entfernen. Im zweiten Theile führte der Redner aus, daß „innerhalb des Heiligthums" der Lehrer in Israel nach dem Vorbilde Abrons wirken soll: „den Frieden lieben, ihn erstreben, die Menschen lieben und sie der Thora näher bringen." Sehr wirksam und packend gestaltete sich der Schluß, wo Redner auf die Affaire Könitz und die Interpellation des Herrn von Hertzberg-Bottin anspielend sagte: „Jeder in Israel, nicht nur der Rabbiner, sei jetzt verpflichtet, eine genaue Kenntniß der Thora sich anzueignen, um aus ihr die Vertheidigungswaffen zu holen gegen finsteren Wahn und veraltete Märchen. Unseren Kindern müßten frühzeitig die Geistesschätze unserer erhabenen Lehre erschlossen werden, damit sie mit der Thora in der Hand zeigen können, daß Gott zu uns nicht im Verborgenen geredet (Jes. 41, 19), daß wir keine Geheimschriften besitzen, die das Licht der Oefsentlichkeit zu scheuen hätten, daß vielmehr unsere Weisen als oberstes und höchstes Prinzip unserer Lehre die Nächstenliebe ausstellten, daß nach der Vorschrift unserer Thora prnri das Leben und das Eigenthum aller Menschen heilig und theuer ist. C. rNordhauscn, 16. Mai. Durch Zufall kamen mir die Hefte rnr, eine Sammlung von alten Sabbat- und Festgesängen, herausgegeben von Herrn A. E i s e n st a d t, Kantor der jüdischen Gemeinde zu Berlin, in die Hände. Bei näherer Durchsicht fand ich eine Menge herrlicher Rezitativen echt altjüdischen Ursprunges ernst und würdig gehalten. Die sehr vielen zweistimmigen Chöre zeigen bei ihrer erhabenen Einfachheit viel innerliche Schönheit, daß man nur wünschen kann, daß solche in den jüdischen Gemeinden, welche auf einen wiirdigen Gottesdienst nach alt hergebrachter Weise halten, Verbreitung finden mögen. Die Hefte sind billig und nutzbringender als manches Riesenwerk, das Uebertreibungen der modernen Kunst bietet. Allen Kantoren und Gemeinden sei dieses Werk auf's »värmste empfohlen. S. Halle a. S., 11. Mai. Man schreibt uns: Vor .Kurzem wurde mir ein jüdisches Kochbuch zur Ansicht übersandt. Der Außen-Titel lautet: „Israelitisches Kochbuch von Sarah Cohn, Stuttgart — Richard Munde." Der Innen - Titel: „Israelitisches Kochbuch. Zubereitung aller Arten Speisen nach den Ritualgesetzen. Originalberichte der israelitischen Küche von Sarah Cohn. geb. Uhlfelder. Auf Grund 20jähriger Erfahrung gesammelt. — Regensburg, Stahl'scbe Verlagsbuchhandlung." Ein allerliebstes Kochbuch, wirklich allerliebst! und trotz dem weisen Salomo und trotz dem Gutzkow'- schen Ben Akiba: etwas Neues und noch nie Dagewesenes! - Ein jüdisches Kochbuch? — Nichts neues, dagewesen! —- von Sarah Cohn? — Nichts neues, dagcwesen! (oder ist Rebecca Wolf viel anders?). Kalbsbraten in Buttersauce? — Nichts neues, auch schon dagewesen. Aber Kalbsbraten in Buttersauce in einem jüdischen Kochbuche von Sarah Cohn?? — Das ist neu und noch nie dagewesen!! Und das Unzulängliche hier ist's Ereigniß, es liegt unter obigem Titel vor mir. — Da ist zunächst Titel und Name des Autors gut jüdisch. Dem Buche ist ein Titelbild, die Aufstellung des Sedertisches, vorgedruckt. Aber schon die Einführung in Haushalt und Küche bietet ein Kunterbunt von jüdischer und nichtjüdischer Küche, von jüdisch-orthodoxem und christlichem Tische, daß man sich an den Kopf greift und

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