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Der Israelit · 1900-05-21 · Heft 41 (21.5.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 41 (21.5.1900)
Date
1900-05-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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840 Abraham ben Samuel d'Ortas und erschien zu Leiria im Jahre 1484. Fünf Jahre später druckten die Rabbi Eliezer und Samuel Zorba in Lissabon u. a. des Rabbi Moses Nachmanides Commentar zum Pentateuch, und Eliezers Sohn Zachäus übte ebenfalls die Kunst Gutenbergs aus Wenn auch nicht erste, so doch bedeutende Druckereien besaßen die Juden im 2. Jahrhundert der Erfindung an vielen Orten, so ist die jüdische Druckerei und gelehrte Schule in Lublin (Kleinpolen) 1559 mit ihren gut ausgeführten hebräischen Druckwerken hervorzuheben. Wie zu den ältesten Typographen, so zählen auch Juden zu den ältesten Lobrednern der Typographie. In den bereits erwähnten „Turim" des R. Jacob ben Ashers vom Jahre 5235 (1475) befinden sich die hebräischen Verse auf die Buchdruckerkunst und ihr damals noch als Geheimniß betrachtetes Wesen: „Ich bin eine Kunst, die jeder Kunst Krone ist, Ich bin ein Geheimniß, jedem Rathe verschlossen, Ohne Rohr — und doch sind meine Zeichen lesbar, Ohne Schreiber bin ich genau verbunden, Auf einmal ist die Tinte über mich hingegangen, Ohne Lineal ist die Schrift gerade gerichtet. Ein Wunder über die Heldin Deborah hinaus: Mit Schreibergriffel sang sie; Hätte sie mich vorausgesehen, Auf ihr Haupt wäre ich gesetzt zum Kranz." Ein anderes jüdisches Zeugniß dieser Art stammt von David Gans, der 1592 in Prag schrieb, daß die Buchdruckerkunst erfunden sei durch einen Mann Namens Johannes Gutenberg, und zwar im ersten Regierungsjabre des frommen Kaisers Friedrich im Jahre 5200 (1440). „Gelobt sei Der," heißt es dabei, „welcher die Menschen mit Erkenntniß begnadet und die Sterblichen Klugheit lehret! Gelobt sei Der, der uns seine Gnade thut kund durch eine Kunst wie diese, zum Nutzen aller Erdenbewohner. durch eine Kunst, die unter allen Künsten und Wissenschaften seit Erschaffung der Welt nicht ihresgleichen gehabt hat. Nicht allein die positive Theologie, die Philosophie und die übrigen sieben freien Künste, sondern auch alle anderen für dieses Leben berechneten Fertigkeiten gewannen durch den Buchdruck eine Vervollkommnung und äußerliche Ausbreitung, indem für die Großen aller Gewerke Bücher ohne Zahl gedruckt wurden." Diese Worte des jüdischen Geschichtsschreibers bilden ein würdiges Gegenstück zu der berühmten Schlußschrift in dem von Gutenberg 1460 gedruckten Catholikon, worin es heißt, „unter dem Beistände des Allerhöchsten, auf dessen Wink der Unmündigen Zungen beredt werden und der oftmals den Kleinen offenbart, was er den Weisen verbirgt," sei das Buch zu Stande gekommen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., J5. Mai. Dienstag, den 8. c., veranstaltete der Vorstand der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" eine Gedächtnißfeier für den seiner Gemeinde, seiner Schule und den Seinigen so früh entrissenen Direktor Dr. Mendel Hirsch s. A. Da sich voraussehen ließ, daß die Aula der Schule, trotz ihrer ungewöhnlichen Größe, nicht im Stande sein werde, die große Zahl der Verehrer des Verblichenen, und das sind in Wahrheit alle Glieder der Gemeinde, zu fassen, so mußte man sich auf die Familie des Heimgegangenen, auf die Repräsentanz der Gemeinde und auf den gegen 600 Schüler und Schülerinnen und ca. 30 Lehrer zählenden Schulkreis beschränken. Die Feier begann mit der Recitation des 16. Psalms von Seiten des Herrn Cantors Friesländer. Hierauf trug eine Schülerin der ersten Klasse ein von dem Verewigten verfaßtes, im neunten Jahrgang des „Jeschurun" abgedrucktes Gedicht, „Die zwei Laden," mit vielem Verständniß vor. Daran reihte sich die von Herrn Oberlehrer W e y l gehaltene Gedächtnisrede, in formeller und inhaltlicher Beziehung ein Meisterstück der Beredtsamkeit. Ankniipfend an das Schriftwort: [rrr iS "ex* ■prio -ipe’ ’3 mpc:i enn hob der Redner hervor, daß an dem Tage, „da man den Staubgeborenen und Staubgewordenen zum Staube legte," nur einige Stunden später, nachdem kaum die Schollen dumpf auf den Sarg des dahingegangeneu Direktors Dr. Mendel Hirsch s. A. hinabgerollt waren, der Frühlingsmonat des Nissan seinen Einzug gehalten habe, weßhalb die Schule es sich damals versagen mußte, in den schäumenden Kelch des Gott wohlgefälligen Jubels den Werm'ithstrovfen des persönlichen Schmerzes fallen zu lassen, daß aber jetzt, nachdem die H^llllujahs verklungen und die wehmüthigen Melodien der .tvbd Zeit in unsere Gotteshäuser eingezogen sind, die Pflicht gegen den Heimgegangenen und der Drang und Trieb unseres Herzens uns in gleicher Weise aufforderten, dem sorgsamen Gärtner in seinem eignen Heim, unter Schülern und Lehrern, eine Gedächtnißfeier zu stiften. Nun entrollte der Redner ein so durch und durch wahres und erhebendes Bild von dem Entschlafenen, daß wir gewiß allen Hörern aus der Seele sprechen, wenn wir die verehrliche Schulverwaltung bitten, den Redner zu veranlassen, die ganze Rede durch Drucklegung derselben einer weiteren Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. In folgenden Zeilen wollen wir in der allerprägnantesten Kürze den Inhalt dieses uns dargebotenen herrlichen Lebensbildes zu skizziren suchen: Gleich am Anfang erfuhren wir die interessante

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