Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 41 (21.5.1900)
- Date
- 1900-05-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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41. Jahrgang. Mt 41. Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoXe Zudenthum. Begründet von Br. in Maittf. Montag, den 2R. Mai 5660 (1000). Leitender Artikel. Ium Geburtsfeste Gutenbergs.') Von Hofrath Dr. Alfred Börkel, Stadt. Bibliothekar, Mainz. Am 24. Juni feiert mit des unsterblichen Erfinders Vaterstadt Mainz die ganze Kulturwelt den fünfhundertjährigen Geburtstag Gutenbergs. Wenn nun auch der Segen der Typographie Gemeingut aller Menschen ohne Unterschied der Abstammung und des Bekenntnisses geworden ist, so darf doch heute hier daran erinnert werden, daß die „schwarze Kunst," welche der große Lichtbringer um die Mitte des 16. Jahrhunderts in's Leben rief, gerade unter den Kindern Israels gleich anfangs das höchste VeHtändniß gefunden hat. Waren es doch Juden, welche die Buchdruckerkunst in verschiedenen Ländern zuerst eingeführt und verbreitet haben und zwar häufig mit Gefahr ihrer Freiheit und ihres Lebens. So entstanden in der Türkei durch die rastlose Thätigkeit der Juden bereits im 16. Jahrhundert in geheimgehaltenen Werkstätten gedruckte Bücher, und das strenge Druckverbot Sultan Bajazets II. vom Jahre 1483. welches sein Sohn Selim I. unter Androhung der Todesstrafe 1616 erneuerte, hatte nicht den beabsichtigten Erfolg. Eine hebräische Geschichte des Josephus Ben Garion trägt als Beweis davon das Datum „Constantinopoli 1490", und eine Reihe an- *) S. G. ib. zum Jubiläum deS Buchdrucks in einigen Wochen werden wir ausführliche Artikel über die jüdische Typographie bringen. Unser gefeierter Mitbürger. Herr Hofralh Börkel, hat unS mit der Uebersendung diese- Artikels beehrt und eröffnen wir damit unsererseits die KOlssährige Jubiläumsfeier Gutenbergs. Red. derer Druckwerke ist aus den Jahren 1492, 1600, 1606, 1609, 1516, 1616, 1698 u. s. w. datiert, ja bis 1737 läßt sich die geheime Druckthätigkeit der Juden in der Türkei verfolgen. Der wichtigste hebräische Druck aus jener Zeit ist der Tetraglottenpentateuch aus dem Jahre 1646, von dem die Wiener Hofbibliothek ein Exemplar bewahrt. Auch in Griechenland hatten zuerst und schon im 16. Jahrhundert die Juden Wanderdruckereien, mit denen sie bald hier bald dort nach Bedürfniß ihre Religionsbücher herstellten. In Smyrna wurde die früheste Presse von Juden errichtet, in Safed (Syrien) erschien 1663 das Buch Daniel und 1678 der Ecclesiastes in hebräischem Druck, und auch in zahlreichen abendländischen Orten lassen sich jüdische Prototypographen Nachweisen, wie namentlich in Italien und Portugal. In Italien entstand schon 1475 zu Pieve di Sano bei Venedig der hebräische Druck „Rabbi Jacob Ben Asher, Arbah Turim" (in Folio), aus der Presse des gelehrten Rabb. Meshullam, mit dem Zunamen Kosi oder Kotzi, und im selben Jahre zu Reggio (Calabrien) des Rabbi Sal. ben Jizchak Commentar zum Pentateuch, gedruckt vom Sohne des Isaak Abraham; und bereits 1476 druckte zu Mantua der Jude Abraham Chacim oder Konath. Berühmt als einer der frühesten hebräischen Druckorte ist Soncino bei Cremona, wo von 1484—1500 manches bedeutende Werk aus jüdischer Presse hervorgegangen ist. Als Drucker werden hier genannt: Josua Salomon, Israel Nathan nebst dessen Sohn Josua, und Gerson, Sohn des Moses. Ferner seien noch angeführt: Casalmaggiore 1486 mit dem hebr. Drucke Machsor Rom und Bari bei Soncino, wo 1496 Gerson, der Sohn des Rabbi Moses Mentzlan erwähnt wird. Durch den rührigen Unternehmungsgeist der Juden gelangte die Buchdruckerkunst auch zuerst nach Portugal. Das älteste in Portugal gedruckte Buch, der Aliuanaeh perpetuns eoelesiastious astronoini Zacubi verdankt seine Entstehung dem Juden Mestre (Magister)