Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-05-17 · Heft 40 (17.5.1900) · page 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 40 (17.5.1900)
Date
1900-05-17
Page
– (sequence 35)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449087--50753-2501192
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

schwimmen scheinen, während die schlanken Minarets mit den blendenden Goldknäufen vom Mausoleum des Imam Musa, das nördlich von Bagdad in dem Perserstädtchen Ghadhim gelegen ist, in der farbigen Lohe wie glühende Kugeln leuchten. Rings um den Reisenden aber, der dieses eigenthümliche Schauspiel geniesst, breiten sich Felder und Durrliapflanzungen, Reisäcker, die von Flamingos und Pelikanen wimmeln. Es ist der Oschasch-Kanal, der hier die Niederung durchzieht. Geraume Zeit noch führt die Route durch diesen Kulturgürtel, bis die Nebelstreifen allmählich zerfliessen, die Konturen der Stadt immer deutlicher aus den heissen, farbigen Dünsten treten, und mit Betreten der oberen Schiftbrücke die beschwerliche viel* wöchentliche Reise vom syrischen Gestade mit der Ankunft in der Khalifenstadt beendet ist.“ (Schluss folgt.) Handel und Gewerbe im heiligen Lande. (VII. Fortsetzung.*) Ebenso wie unter denEthrogim von Korfu, Parga, Genua und Bordighera giebt es auch unter den palästinensischen schöne und hässliche, zierliche und missgestaltete, rituell zulässige und unzulässige Früchte mit und ohne Pitum. Die Anpflanzung derEthrogbäume ist überall gleich; nur sind die Ethrogim an den Orten besonders schöD, wo man die gesetzlich unzulässige Propfung der Bäume mit den Zweigen des Citronenbaumes vornimmt. In Palästina kommt diese ungesetzliche Propfung gar nicht vor. Die schönsten Ethrogim Palästinas wachsen in Um - el - phachem, Jaffa, Sichern, Liphta und Alma. Wie alle Baumfrüchte sind aber auch die Ethrogim von den Zufällen der Witterung abhängig, und gerathen nicht in allen Jahren gleichmässig. Die Früchte von Um - el - phachem zeichnen sich durch Reinheit von allen Flecken und Rissen aus, und verdienen als zierlich bezeichnet zu werden. Manche Früchte von Jaffa übertreffen sie durch Schönheit des Wuchses, gefällige Form und Biegung des Stieles und des Pitum. Vor zwei Jahren übertrafen die Ethrogim von Nazareth noch diejenigen von Jaffa, allein durch einen unglückseligen Zufall geriethen dort sämmtliche Pflanzungen in Brand. Solchen Zufällen sind auch die Früchte anderer Länder ausgesetzt, auch Bordighera, Korfu und Parga (zum grossen Leidwesen des Redakteurs des „Exporteur“ und Ethrogimhändlers N. in Triest, welcher sehr für die Früchte der beiden zuletzt genannten Orte schwärmt, und sich ängstlich hütet, die palästinensischen Ethrogim in seinem Blatte zu erwähnen. Wer einen palästinensischen Ethrog mit Wohlwollen betrachtet, wird an demselben alle Merkmale einer schönen zierlichen Frucht finden. Wer ihn jedoch mit Vorurtheil zur Hand nimmt und zufällig ein Fleckchen auf demselben findet, wird leicht dazu gelangen, über alle Ethrogim Palästinas den Stab zu brechen. Wie bereits erwähnt, werden in Samut (Lithauen) nur die palästinensischen Ethrogim gebraucht, weil Rabbiner JizehackElchanan S p e k t o r > ein wahrer Zionsfreund, die Korfu er Ethrogim für seinen Rabbinatsbezirk verboten hatte. Würden andere Rabbinen diesem Beispiele folgen, würden ferner die Grosshändler nur so viele palästinensische Ethrogim bestellen, als griechische, so würde bald Palästina den ganzen Bedarf an Ethrogim liefern können. Denn mit den Bestellungen würde die Erweiterung der Pflanzungen Hand in Hand gehen. Allein die Grosshändler in Ethrogim sind weit davon entfernt, dem Anbau dieser Frucht durch Bestellungen Vorschub zu leisten. Erklärte ja ein hervorragender Grossist im Jahre 5643 im dass er bei seiner jährlichen Anwesenheit in Triest die Palästinafrüchte wie Stiefkinder ansehe; er kaufe davon nur einen kleinen Posten aus Gefälligkeit gegen das heilige, gotterwählte Land. Auf diese Weise kann freilich der Anbau dieser Frucht nicht gefördert werden. Es ist vielfach die Meinung verbreitet, dass die Ethrogim Palästinas nicht einmal für den Bedarf im Lande ausreichen, und die Bewohner Jerusalems vielfach genöthigt seien, Früchte aus Korfu etc. zu beziehen. Dies ist jedoch falsch. Nur manche Fromme glauben ein besonders gottgefälliges Werk zu üben, wenn sie einen Korfu e r Ethrogim wegen der Schönheit seines Pitum vor ziehen. Allein diese Art Frömmigkeit stirbt in unserer Mitte ans; mehr und mehr verbreitet sich die Ueberzeugung, dass nicht gerade die Schönheit des Pitum dieUebung der Pflicht ziert, sondern der Geist, in welchem sie geübt wird. *) 8. Nr. 702.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.