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Der Israelit · 1900-05-17 · Heft 40 (17.5.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 40 (17.5.1900)
Date
1900-05-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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des Staatsanwaltes nicht einschreiten zu dürfen, mußte Araten unverrichteter Dinge Tarnobrzeg verlassen. Der Reisebgleiter des Araten, Namens Molker, befindet sich noch immer widerrechtlich im Gemeindearreste in Tarnobrzeg. Zerajewo. Am letzten Tag Peßach wurde in der neuen spaniolen Synagoge eine neue Sefer Thora unter den üblichen Ceremonien ihrer Bestimmung übergeben. Unser Oberchacham Abraham A b i n u n wohnte der Festlichkeit bei und war trotz seines hohen Alters wie ein Jüngling in hehrer Begeisterung. Rabbiner Abraham Presto aus Jerusalem hielt eine hübsche Festrede. Es soll hier noch eine vierte spaniolische Synagoge errichtet werden. Der Baugrund ist bereits angekauft und 16,000 Kronen sind zum Bau schon gespendet. Am zweiten Halbseiertag des verflossenen Peßachfestes verschied dahier Herr David Löb K e m p n e r aus Boniyad (Ungarn) gebürtig, im 76. Lebensjahre; eine durch hebräisches und profanes Wissen ausgezeichnete Persönlichkeit. Dabei war der Verstorbene ein sehr strenger Jehudi. Er schrieb ein schönes Hebräisch und war durch seinen biederen Charakter, seine Bescheidenheit, Sanftmuth und Herzensgüte bei Allen geachtet und geschätzt. Leop. S t e r n f e l d. Frankreich. Paris, 14. Mai. Wenig Erfreuliches kann ich Ihnen über das Resultat der gestern stattgefundenen Stchwahlen zur Stadtverordneten-Versammlung mittheilen. Auch gestern haben die Kandidaten der Drumont und Consorten über die linksstehenden Kandidaten den Sieg davongetragen. Einundvierzig Nationalisten halten ihren Einzug in's Stadtparlament. Die Linke zählt nur vierzig Mitglieder, so daß die Antisemiten über eine Stimmen-Majorität verfügen. Die wüste und gewissenlose Wahlagitation unserer Gegner kannte keine Grenzen. Alle Mauern von Paris waren jeden Tag mit Aufrufen der Patriotenliga beklebt, in denen der Versuch gemacht wurde, den Spießbürgern mit dem Gespenst des „verjudeten Frankreichs" gruselig zu machen. Die geistige Elite dieser noblen Gesellschaft, Francois Coppee und Jules Lema, haben eine Unzahl von Volksversammlungen veranstaltet, in denen man sich keineswegs mit städtischen Angelegensten beschäftigt hat, sondern man sich in wüsten Schimpfereien auf Juden und Judengenossen erging, um dann die Versammlung mit den Rufen „Vive D£roulede! A basles .Juifs!“;ju schließen. Gleich ihren deutschen Parteigenossen spielten sich die hiesigen Antisemiten mit Vorliebe als Mittelstandsretter aus. Der größte Theil der antisemitischen Wähler besteht thatsächlich aus kleinen Krämern und Lehrlingszüchtern. Bei den Arbeitern haben diese Racenhetzer wenig Glück. Und die kleinen Kaufleute, die Handwerker, die Unterbeamten lassen sich durch leere Phrasen verführen und erhoffen von einem Rochefort oder einem Drumont eine Verbesserung ihrer Lage! O heilige Einfalt! Pi. E n g l a n d. London, io. Mai. Fräulein Annic Landau von hier, die seit einem Jahre als Oberlehrerin an der Evelina de Rothschild Mädchenschule in Jerusalem funktionirt, ist zur Directrice derselben ernannt worden. Fräulein Landau ist eine Enkelin des im Jahre 1887 in Kleinördlingen (Bayern) verstorbenen Districtsrabbiners und bekannten Talmudgelehrten Mordechai Michael Kohn s. A. Sie besuchte 5 Jahre lang (1884 bis 1889) die israelitische Hirsch'sche Schule zu Frankfurt a. M. und bestand hier in London das Lehrerexamen mit der ersten Note. Sie ist auch durch ihre Energie und streng-orthodoxe Gesinnung vorzüglich geeignet, die Stellung als Leiterin der größten Mädchenschule Jerusalems zu bekleiden und es äußerte sich in der jüngsten Sitzung der Anglo Jewish Association Fräulein Olga d'Avigdor, daß sie sich bei ihrem Besuche der heiligen Stadt von den guten Leistungen der Frl. Landau in der Evelina de Rothschild-Schule persönlich überzeugte, und daß neben ihrem Werthe als englische Gelehrtin, Frl. Landau auch Kenntniß der arabischen Sprache besitze und nun auch schwer arbeite, um sich in der hebräischen Sprache, vor der sie ganz gute Vorkenntnisse besitze, zu vervollkommnen. Jedoch über alles gehe die Ueberzeugung, die sie gewonnen, daß Miß Landau streng orthodox sei. Der Jewish Chronicle berichtet, daß der Präsident, Mr. Elaude Montefiore, Frl. Landau durch ihre Thätigkeit an der hiesigen Westminster Freischule kennen lernte und daß er dieselbe in jeder Hinsicht als Leiterin eines großen Instituts für geeignet erachte und daß die weitere Entwickelung dieser wichtigen Anstalt vortheilhaft gedeihen müsse, nachdem nun eine so tüchtige Kraft für dieselbe gewonnen wurde. Rußland. Petersburg, 13. Mai. Der dirigirende Senat hat in einem Spezialfalle eine wichtige Entscheidung getroffen. Danach erwerben Kinder jüdischer Eltern, von denen der Vater Ausländer, die Mutter aber russische Unterthanin war, bei Erreichung der Volljährigkeit ohne Weiteres die Rechte russischer Staatsbürger. Rumänien. Bukarest. (Neue Schulverordnung en.) Die rumänische Regierung fährt fort, die jüdischen Schulen zu chicanieren. Ihre neueste Errungenschaft ist das Verbot, mehr als drei Stunden Hebräisch in der Woche zu unterrichten, und die Vorschrift, bei diesem Unterrichte mit entblößtem Kopfe zu sitzen. Die orthodoxen Juden sollen in ihrem Gewissen behindert werden, die Kinder in die Schulen zu schicken, denn diese Kinder sollen am liebsten keinerlei Unterricht erhalten, damit ihre Unbildung der Regierung immer neuen Vorwand zu Beschränkungen gegen die Juden gebe. Auch gegen den Unterricht in der deutschen Sprache hat sich die Regierung ausgesprochen und das förmliche Verbot desselben steht bevor.

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