Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 39 (14.5.1900)
- Date
- 1900-05-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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8W! veranschlagenden 'JJianncönuitl) verfiigt, trotz der ihm bereits zu Theil gewordenen und noch zu erwartenden Schmähungen und Verunglimpfungen seitens antisemitischer Demagogen, als Anwalt der zu Unrecht Beleidigten und in ihrer Existenz Gefährdeten die Waffen des Geistes zu führen. Der Verfasser hat sich mit dieser seiner Schrift würdig der Korona edler, selbstloser Männer eingereiht, die, wie Franz Delitzsch, Hermann Strack, Pfarrer Frank etc., die Resultate ihrer eingehenden Spezialstudien auf den einschlägigen Gebieten der jüdisch-theologischen Literatur in den Dienst der Wahrheit und der Abwehr ungerechtfertigter Nachrichten gestellt haben. Den speziellen Anlaß zur vorliegenden Brochüre gab eine in der Beilage (Marktbärbel) der „Neuen bayr. Landeszeitung" vom 16. Dezember 1899 aufgestellte Behauptung, im Talmud stehe, daß jüdische Metzger das an Christen zu verkaufende Fleisch und Fett besudeln müßten. Die genannte Zeitung hat dabei vergessen (!) anzugeben, auf welcher Seite des 12 große Foliobände umfassenden Talmudwerkes diese Vorschrift steht, und sie wird zu dem gerichtlichen Nachweis noch gezwungen werden. Diese neueste antisemitische Beschuldigung — auf die Dauer versagt ja selbst die Anklage des Ritualmordes, trotz aller Bemühungen, für denselben thatsächliche Beweise zu fabrizieren, und es gilt, Neues zu bringen! — hat in einzelnen Bezirken Unter- und Ober-Frankens ungeheure Aufregung und den Bovkott der jüdischen Metzger hervorgerufen, und mit Recht versuchen die berufenen Vertreter der Juden, ihre Rabbiner, durch gerichtliche Klage der Verleumdung den Boden zu entziehen. Indessen bei der altbekannten antisemitischen Verschleppungstaktik läßt der Austrag dieser Klage noch länger auf sich warten. Im Interesse der Beruhigung und Volksaufklärung wird es darum von jedem Menschenfreund nur gutgeheißen werden, daß der Verfasser, wie er es zuerst in Form eines Flugblattes gethan, jetzt in Form einer Brochüre den Nachweis der Verlogenheit jener Beschuldigung erbringt. Der Weg, den er dabei einschlägt, ist folgender: Nachdem er das Wesen des jüdischen Ceremonialgesetzes des Talmud und Schulchan-Aruch unter für den Belehrung Suchenden sehr geeigneten Literaturhinweisen eingehend erläutert hat, zeigt er, daß die Quelle für die Beschuldigung Eisenmengers „Entdecktes Judenthum" ist, der seinerseits wieder älteren antisemitischen Schriftstellern folgt. Bei Eisenmenger sowohl, als seinen Eideshelsern, wird nun berichtet, daß Aehnliches da und dort einmal geschehen sein „soll". — Nun, die Juden sollen im Jahre 1348 auch die Brunnen vergiftet haben! — aber von einer talmudischen Quelle findet sich bei diesen würdigen Antisemiten keine Spur. Dr. Jaeger beweist nun positiv aus dem Wesen der auf der Bibel und dem Talmud sich aufbauenden jüdischen Lehre die Unmöglichkeit einer solchen Vorschrift; seine Ausführungen in diesem Theile werden durch einen im Anhang abgedruckten wissenschaftlichen Artikel Stracks, der in der Betrachtung des talinudischen Verbotes der g'nebath hadaath (Täuschung) und seiner Verbindlichkeit gegen alle Menschen gipfelt, wirksam gestützt und ergänzt. Dr. Jaeger zeigt nun weiter, wie die antisemitischen Hetzer bei ähnlichen Prozessen (so Sedlatzek, Berlin 1896) bereits darauf verzichtet haben, ihre Anklage aus dem Talmud zu beweisen und nunmehr sich auf den auf dem Talmud sich aufbauenden Schulchan-Aruch berufen. Die von dort hcrgeholten Argumente gehen aber durch die von Dr. Jaeger geübte Kritik in eitlen Dunst auf. zerstieben vor der Sonne der wissenschaftlichen Wahrheit, die in dieser Schrift leuchtet, aus Nimmerwiedersehen, wie die im Sonnenlicht sich auflösenden schwarzen Wolken. Somit hat Dr. Jaeger die sich gestellte Aufgabe glänzend gelöst, und den das Schlußwort seiner Ausführungen bildenden Ermahnungen merkt man die Aufrichtigkeit, den edlen, wahren Herzensdrang, deutlich genug an. Nicht nur diejenigen, denen die Schrift zunächst zu Gute kommen soll, die Juden, sondern alle ehrlichen Menschenfrunde, denen es um Wahrheit und Frieden Ernst ist, denen es an Volksaufklärung gelegen ist, müssen dem unerschrockenen, wissensreichen Mann für seine Brochüre Dank wissen. Wir können nur den Wunsch anfügen, daß die Brochüre ihr Ziel der Beruhigung voll und ganz erreichen möge. Feuilleton. WcrcH einevwcrHren Wegebenheit. -->! Von Friedrich Utott. „Sie haben recht," entgegnete Steinhart, und seine Stimme konnte die innere Erregung nicht verleugnen, „ich darf mich nicht an die Baronin wenden — so muß ich eben auf Vergütung der Verpflegung des mir anvertrauten Kindes verzichten —" „Das wird Ihnen nicht leicht werden, 1200 Mark in Ihren Verhältnissen —" „Es handelt sich nicht um die 1200 Mark, ich war von Anfang an entschlossen, von denselben für mich nur so viel zu nehmen, als ich für das Kind ausgeben würde, das Uebrige solle zu einem kleinen Kapital anwachsen zu ihrer dereinstigen Mitgift. Darauf wird sie nun allerdings verzichten müssen." Werner hatte die Hand des Andern ergriffen und drückte sie herzlich. „Herr Steinhart, meine aufrichtige Hochachtung. Ich weiß, daß es Ihnen zuweilen nicht leicht wird, außer Ihren beiden Kindern noch ein fremdes Dritte zu ernähren — trotzdem wollen Sie auf die Bezahlung verzichten, um die Sicherheit des Kindes