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Der Israelit · 1900-05-14 · Heft 39 (14.5.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 39 (14.5.1900)
Date
1900-05-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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WW8WWWWWNMWWM^SWW^»MM« 7S- Unternehmung. Bisher haben wir immer nur gehört, daß die Sache ein ganz ungewöhnlicher Erfolg war, jetzt sind wir aber selbst in der Lage zu prüfen, in wie weit die Thatsachen diesen schönen Reden entsprechen. Recapituliren wir uns die Vorgeschichte. Im Juli 1898 wurde seitens der zionistischen Parteileitung zu einer provisorischen Zeichnung von 20 Mk.-Actien für eine Kolonialbank aufgefordert und das nöthige Kapital auf 40 Millionen Mark festgesetzt. Die Zeichnung ergab trotz aller Reclame nur 3l/> Mill. Daraufhin beschloß der zweite Congreß in Basel die definitive Gründung der Bank. Das Actienkapital wurde nominell in der Höhe von 40 Millionen Mark belasten, doch sollte die Bank ihre Thätigkeit beginnen können, sobald fünf Millionen gezeichnet und voll eingezahlt sein würden. Die Zahlung hatte durch eine Anzahlung von 4 Mark und Raten zu 4 Mark zu erfolgen. Auf dem dritten Congreß wurde mitgetheilt, daß rund 12,000,000 Mark eingezahlt seien, daß rund 300,000 Actien gezeichnet und für 285,000 die Anzahlung geleistet seien. Davon wurden 250,015 das erste Mal registrirt; im Laufe des Jahres sind dann, wie wir aus der Bilanz erfahren, noch 37,962 zur Registrirung gelangt, es sind also neue Zeichnungen seitdem nicht mehr erfolgt, wenigstens nicht bis Ende des Jahres 1899. Nun waren also eingezahlt aus diese Zeichnungen als Anzahlung 1,151,908 Mk. im Dezember waren im Ganzen laut Bilanz eingezahlt 1,823,454 Mark, es sind demnach auf die Raten, von denen zwei mit insgesammt 2,000,000 Mk. fällig waren, nur 671,546 Mk. eingegangen. Das bedeutet, daß zwei Drittel der Actienzeichner ihre Raten nicht eingehalten haben. Man kann sich darüber kaum wundern, denn die Zeichner sind mit wenigen Ausnahmen gerade die Armen und Aermsten unserer Brüder im Westen, die mit Aufbietung aller Kräfte wohl noch die Anzahlung leisten konnten, deren Mittel aber die Fortsetzung der Raten nicht mehr gestatten. In einer Randbemerkung theilt das Secretariat der Bank mit, daß bis zum 21. April neu eingezahlt sind 624,380 Mk., doch ändert dies das Gesammtbild nicht, da erstens einige neue Actienzeichnungen hinzugekommen sein können, dann aber wieder mindestens eine Rate mit 1,160,000 Mk. fällig geworden ist. Es bleibt die Thatsache bestehen, daß von den gezeichneten Actien nur ein kleiner Theil, etwa ein Drittel, eingezahlt wird, während der Rest Verpflichtungen auf dem Papier vorstellen. Es will uns nicht scheinen, als wenn die veröffentlichte Bilanz dazu angethan wäre, die Zeichnungen, resp. die Zahlungen, wieder zu stimuliren. Wie schon erwähnt, darf die Bank erst in Thätigkeit treten, sobald die Summe von 5,000,000 Mk. voll eingezahlt ist. Das Geld der Bank konnte daher nur zinstragend angelegt werden. Nach dieser Richtung steht vermerkt, Einnahme an Zinsen 23,288 Mk., das heißt ein und ein Viertel Procent, eine Verzinsung, die selbst in heutiger Zeit recht niedrig erscheint. Dieser minimalen Einnahme aber steht eine Ausgabe gegenüber, die geradezu kolossal genannt werden muß. Nicht weniger als 237,314 Ml. kostet die Bank bisher, das heißt ein Siebentel des bisher eingezahlten Kapitals ist auf Unkosten draufgegangen. Sehen wir uns diese Posten einmal näher an. Wir finden darunter Reisen von 30,000 Mk., Salaire 37,740 Mk., Drucksachen 31,345 Mk, Stempel 41,000 Mk., Advokaten etc. 26,000 Mk., Annoncen 26,000 Mk., Miethe 12,000 Mk. etc. Wir glauben nicht, daß eine reelle Bankgründung der gewöhnlichen Art, natürlich von Schwindelunternehmungen abgesehen, jemals einen derartigen Ausgabenetat im ersten Jahre gehabt hat, und wir müssen in der That die Frage erheben, ist die Verwaltung eines derartigen, wie die zionistische Gründung aus den Geldern der Aermsten gebildeten Unternehmens, berechtigt, beinahe 300,000 Mk. für allgemeine Unkosten auszugeben. Gerade bei diesem Unternehmen hätte mit äußerster Sparsamkeit gewirthschaftet werden sollen, wodurch sicher manche Ausgabe sich hätte vermeiden oder verringern lassen. In der Geschichte der jüdischen Unternehmungen speciell ist es unerhört, daß man 300,000 Mark Generalunkosten ausgibt, und wenn man damit wirklich Resultate erzielt, wie die vorliegenden, so ist nur deren Geringfügigkeit erstaunlich. In derselben Nummer der „Welt" kündet der Aufsichtsrath der Bank an, daß Herr I. Kann-Haag, bekanntlich der einzige Banquier in der Verwaltung dieser Bank, aus derselben ausgeschieden ist. Als Grund werden Zerwürfnisse mit dem Aufsichtsrathe und Meinungsverschiedenheiten über die Handhabung der Geschäfte angegeben. Dieser Austritt wird viel kommentirt werden, denn Herr Kann war eben der einzige Banquier, der sich für diese seltsame Bank interessirte. Köln a. Rh. Nach dem Jahresberichte der Unterstützungskasse des „Vereins israel. Elementarlehrer für Rheinland und Westfalen" weist dieser eine Mitgliederanzahl von 107 Lehrern auf. Die Unterstützungskasse des Vereins hatte dieses Jahr einen Zufluß zu verzeichnen, der als der größte seit Bestehen des Vereins nominirt werden kann. Die Gesammteinnahmen betrugen ungefähr Mk. 15,000. Obwohl die Quotenzahl auf 173 gestiegen war, konnte doch die einzelne Quote auf Mk. 50 pro 1900 festgesetzt werden. Das Gesammtvermögen betrug Ende des Jahres 107,665.60 Mark. Seit Begründung der Unterstützungskasse sind 147 Lehrer beigetreten. Der Abgang betrug 40. Im Jahre 1872—1899 wurden an Unterstützungen verausgabt Mk. 93,822.69. Im Jahre 1899 betrugen dieselben Mk. 7761. Das Vermögen der Kasse beläuft sich auf Mk. 107,656.76. Der Vorstand des Vereins setzt sich zusammen aus den Lehrern Blumenau-Hannover, Blumenfeld-Essen, Treu-Essen, Graf-Essen, Steinweg-Rhoda, Goldstein-Grevenbroich, Levi-Neuß, Liepmannsohn-Nolinden. — Mit der Ueberschrift „Mädchenhandel" erschien in Nummer 92 der Krefelder Antisemitischen Zeitung ein Artikel, in dem die jüdische Religionsgesellschaft gehörig mitgenommen wurde. „Leise angedeutet"

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