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Der Israelit · 1900-05-14 · Heft 39 (14.5.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 39 (14.5.1900)
Date
1900-05-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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WMWWW WWWWWWWW 796 lich des vor rund 20 Jahren verübten Mordes zu Tisza- Eßlar (wo ein ungarisches Mädchen nahe der Synagoge plötzlich verschwand, andererseits eine größere Anzahl fremder jüdischer Schächter kurz vorher dort gesehen worden war) der größte Kenner der hebräischen Literatur, insbesondere des babylonisch. Talmuds, Prof. Rohling zu Prag, zu einem Gutachten veranlaßt, welches heute von besonderem allgemeinen Interesse sein würde. Das deutsche Volk, welches schon vor Jahrhunderten beim räthselhaften Verschwinden christlicher Kinder zur Osterzeit die Juden des Schlachtens derselben beschuldigte, hat ein Recht, endlich einmal volle Klarheit durch die Uebersetzung aller jüdischer Geheimschriften zu verlangen. Vielleicht rafft sich aber bei dieser Gelegenheit auch die öffentliche Meinung dahin auf, ein Verbot des abscheulichen „Schächtens" des Schlachtviehes durchzusetzen, wie es im Königreich Sachsen, woselbst weniger judenfreundliche Empfindungen bestehen, gottlob längst erlassen ist." R. v. P. Man weiß in der That nicht, welche Niedrigkeit man aus diesem Sumpfe von Niedertracht zuerst an die Schandsäule stellen soll. Nicht angesichts der besonderen Umstände, sondern in Folge der von hier aus inscenirten antisemitischen Hetze hat man den Konitzer Mord mit dem jüdischen Ritus in Verbindung gebracht. Wenn hier die Juden und Christen gleich heilige Schrift herhalten muß, um aus den Erzählungen von Abraham und Jsak, von Jephtha und seiner Tochter, einen Strick zu drehen für alle diejenigen, welchen diese Schriften heilig sind, dann haben die Bekenner des Christenthums und des Islam denselben Theil daran, als wir Juden. Es lohnt sich daher gar nicht, die Bibel gegen die Verdrehungen einer solchen Presse in Schutz zu nehmen; wir können das ruhig den Bekennern des Christenthums überlassen. Uns Juden geht nur der Vorwurf für dasjenige an, was angeblich in unseren Geheimschriften stehen soll. Wir Juden haben nun gar keine Geheimschriften. Hätten }6 solche existirt, so hätte ihr Geheimniß längst aufgehört, wenn Herr Professor Rohling in Prag etwas von ihrer Existenz und ihrem Inhalte wüßte. Dieser litterarische Freibeuter hat sich allerdings den Anschein gegeben, als wisse er etwas von dem Vorhandensein jüdischer Geheimschriften und ihrem blutdürstigen Inhalt. Er hat diese Thatsache sogar beschworen, ist aber des M e i n e i d e s gerichtlich überführt worden! Wenn man von den antisemitischen Volksvergiftern nicht wüßte, als daß sie selbst vor der Berufung auf das Zeugniß eines Meineidigen nicht zurückschrecken, so würde das zu ihrer Charakterisirung vollauf genügen. Wenn den Herren das Zeugniß eines Rohling so maßgebend ist, so darf es ihnen nicht nur maßgebend sein den Juden, sondern auch Luther und den lutherischen Christen gegenüber. Ich mag die unfläthige Weise, wie sich Rohling in seinen Schriften hierüber äußert, an dieser Stelle nicht wiedergeben. Ich citire nur eine einzige Stelle aus Delitzsch' Schrift gegen Rohling, wo es Seite 9 heißt: „Ich habe guten Grund anzunehmen, daß Rohling, wenn er in gleicher tendenziöser Weise die Werke Luthers excerpiren wollte, beweisen zu können meinen würde, daß das Lutherthum eine auf Gelübdebruch basirte und die Heiligthümer der Kirche profanirende, unflätige und ganz verteufelte Ketzerei sei." Item! Geheimschriften besitzt das Judenthum nicht; wer das Gegentheil davon behauptet, der soll sie nennen und übersetzen, so viel er Lust hat. Aber verlangen, andere sollen etwas, das gar nicht existirt, übersetzen. das wird auch die ausschtveifendste antisemitische Unverschämtheit nicht zuwege bringen. Ueberaus instruktiv ist der letzte Satz, in welchem dieses Sammelsurium von Verlogenheit und Unwissenheit ausklingt, und der nach einem Schächtverbot ruft. Bis jetzt waren es die Vertreter des Thierschutzes, die aus Rücksicht für ihre Klienten ein solches Verbot befürwortet haben. Die anständigen u. ehrlichen Bekämpfer des jüdischen Schlachtverfahrens werden sich jetzt aber zweimal besinnen, ob sie einen Kampf weiterführen sollen, der sie solchen Bundesgenossen zur Seite stellt. Was geht unsere Antisemiten das Schächten an? Wenn sie den Blutdurst der Juden wirklich fürchten, so hätten sie ja alle Ursache, ihn auf den Ritualmord der Ochsen zu beschränken! Die Trabanten dieser Preßmeute fürchten in Wirklichkeit nichts und glauben nichts. Sie leben von dem Schreibesold, den ihnen ihre Judenhetze einbringt und lachen sich in's Fäustchen, wenn Jemand ihre Entrüstung für Ernst nimmt. Wenn Jemand aus niedriger Habgier Lebensmittel fälscht und vergiftet, so haben wir ein Strafgesetz, das den Verbrecher an dem Wohle der Menschheit zur Verantwortung zieht. Wenn Jemand die öffentliche Meinung fälscht und die guten interconfessionellen Beziehungen aller Staatsbürger vergiftet, so müssen wir mit verschränkten Armen dem himmelschreienden Unrecht zusehen, das da geübt wird, ohne daß der Staat helfend und sühnend cinschreitet. Aber wir glauben, daß die Früchte, welche diese Giftsaat noch zeitigen wird, sich mit ihren unheilvollen Folgen nicht auf Juden und Judenthum beschränken und viel größere Kreise in Mitleidenschaft ziehen wird, wenn ihnen nicht rechtzeitig und mit aller Energie entgegen getreten wird. Yideant consules! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Perlin, 10. Mai. Die „Welt" veröffentlicht jetzt den Jahresabschluß der zionistischen Kolonialbank „Jewish Colonial Trust." Dieses Document verdient in der That die größte Beachtung, denn es gibt zum ersten Male eine wirklich zuverlässige Uebersicht über die Zeichnungen, die Zahlungen und die Ausgaben dieser großen

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