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Der Israelit · 1900-05-10 · Heft 38 (10.5.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 38 (10.5.1900)
Date
1900-05-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
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780 auch zu den Pflanzen zählt, die man an ihren Früchten erkennt, so hat es ein gewisses, sagen wir, archäologisches Interesse, ein solches Früchtchen einmal bei Licht zu betrachten. Dazu zähle ich z. B. ein Wohlthätigkeits-Konzert, das in vorigem Monat in der hiesigen Synagoge stattfand und zwar unter Mitwirkung von Mitgliedern des hiesigen Theaters! Wer die treibenden Elemente in unserer Gemeinde kennt, wundert sich nicht über diese Profanation ihres Gotteshauses. Es sind überaus fähige Menschen, die noch zu viel mehr fähig sind. Wohl hat es nicht an einzelnen Männern gefehlt, die dieses Sakrilegium empört, aber ich finde diese Empörung etwas verspätet. Wer dagegen ist, daß man aus einer Synagoge einen Konzertsaal oder ein Theater macht, der hätte sich schon längst über die ganze Art des Gottesdienstes entrüsten können, wie er hier abgehalten wird. Wer das nicht thut und diesen unjüdischen Firlefanz dennoch mitmacht, der mag bei seiner Entrüstung mit sich selber anfangen. Mit dieser Unverfrorenheit hat übrigens die Nachäffung christlicher Cultuseinrichtungen ihren Höhepunkt bereits überschritten. Denn das haben sie den kirchlichen Gepflogenheiten nicht entnommen, zu solcher Herabwürdigung ihres Gotteshauses gäbe hier keine Kirchengemeinde ihre Kirche her! Daß der Zweck der Wohlthätigkeit das Mittel der Gotteshaus-Entweihung heiligt, dieser sonst etwas anrüchige Grundsatz wird sich jetzt auch der Sanktion unseres Gemeindevorstandes zu erfreuen haben. Einer solchen Errungenschaft gegenüber können religiöse Skrupel kaum aufkommen. Aber je weniger sich die Faiseure aus religiösen Bedenken machen, um so unbegreiflicher ist die Verkennung der sachlichen, rationellen Erwägungen des primitivsten Selbsterhaltungstriebes, von welchen man glaube sollte, daß sie allein genügten, um ein solches Sakrilegium schon im Keime zu ersticken. Das Reformjudenthum und seine Bekenner haben sich auf die Synagogen — Gotteshäuser oder Tempel sagen sie —- capricirt. Sein Gotteshaus ist das einzige positive Moment, woran man den Reformjuden erkennen kann, sonst hat er ausschließlich negative Kriterien. Woran erkennt man einen Juden? Er trägt Zizis an seinem Gewand, Tefillin um Arm und Haupt, seine Thüre ziert die Mesusa, sein Essen und Trinken steht unter dem Regime des Gottesgesetzes u. s. w. Woran kennt man einen Reformjuden? Er trägt keine Zizis, legt nicht Tefillin, hat keine Mesusa, er lebt nicht koscher u. s. w. Das sind lauter Momente. deren Nicht besitz die Charakteristik des Reformjuden ausmachen. Und das einzige, das er ja hat oder doch zu haben vorgibt, das ist ein Pracht-Mausoleum von Tempel oder Gotteshaus, einen dröhnenden Orgel-Blasebalg, drinnen gemischte Chöre, welche für die Gemeinde singen und beten und sie so mundtodt machen, einen geläuterten Gottesdienst, wie sie die Summe aller dieser Armseligkeiten nennen, das sind die einzigen positiven Erkennungszeichen der Reformjuden dem Juden saus phrase gegenüber! Wandeln sie nun selber dieses ihr Alpha und Omega, dieses ihr Eins und Alles, in einen Konzertsaal und in ein Theater um, so ist es um diese Herrlichkeit geschehen! Reformjuden müßten daher doppelt und dreifach eifersüchtig über das bischen Würde wachen, das in ihren Prunktempeln noch vorhanden ist, statt dessen sägen sie selber an dem Ast, aus dem sie sitzen und führen Konzerte in ihrem Tempel auf! Gegen Entree von einer Reichsmark, wie in jedem anderen Theater und das nennen sie Wohlthätigkeit! Fulda, 23. April. In erhebender Weise fand heute die Weihe des neuen Schulhauses statt. Als Vertreter des Staates und der Stadtbehörde waren der Königliche Herr Landrath und die Herren Beigeordneter Kircher und Stadtverordnetenvorsteher Halbleib, als Ehrengäste die Herren Seminardirektor Dr. Ernst, Kreisschulinspektor Bottermann, Stadtbaumeister Fuhrmann und Stadtsekretair Jeckel erschienen. Als Vertreter der Gemeinde hatten sich die Mitglieder des Vorsteheramtes und die Herren Synagogenältesten eingefunden. Vor dem festlich geschmückten Schulhause hatten die g. Herren, unser hochverehrter Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn und Mitglieder unserer Gemeinde Aufstellung genommen. Der Synagogenchor eröfsnete die Feier mit dem Choral: „Wenn Gott der Herr das Haus nicht baut." Dann überreichte eine Schülerin dem Stadtbaumeister den Schlüssel zum Gebäude. Unter sinniger Ansprache, in der die Entstehung des allen Anforderungen der Hygiene entsprechenden Baues der lauschenden Menge vor Augen geführt wurde, übergab der Stadtbaumeister als Leiter des Baues den Schlüssel dem Herrn Beigeordneten Kircher, der ihn mit den Worten entgegennahm, daß er in der Ueberreichung ein Symbol erblicke, daß die jüdische Gemeinde, deren Opferwilligkeit rühmend Erwähnung geschah, bereit sei, das Schulhaus unter den Schutz der Stadt zu stellen, die diesen freudig übernehme. Mit der Versicherung, daß die Stadt der jüdischen Gemeinde ein stetes Wohlwollen in Wort und That entgegenbringen werde, legte der Herr Beigeordnete den Schlüssel in die Hand des Königlichen Herrn Landraths, der ihn als Vertreter des Staats entgegennahm. Hinweisend auf die hohe Bedeutung der Schule als Pflanzstätte der Kultur, Gottesfurcht und Königstreue überreichte er ihn dem Herrn Provinzialrabbiner, als geistlichem Hirten der Gemeinde. Mit dem Rufe: p-rt nytp inrfc öffnete Herr Dr. Cahn, nachdem er warme Dankesworte an den Herrn Landrath für dessen Interesse an dem Zustandekommen der Elementarschule und für die thatkräftige Unterstützung bei der Ausführung des nun mit Gottes Hilfe vollendeten Werkes, zu dem der Allgütige seinen reichsten Lsegen geben möge, die Pforten des Schul-

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