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Der Israelit · 1900-05-10 · Heft 38 (10.5.1900) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 38 (10.5.1900)
Date
1900-05-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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41. Jahrgang. Zweite Beilage M M 38 des Israelit". Zeitungsnachrichtett und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. (D e u t s ch e A u sgrab - u n a e n in Babylo n.) Vor einiger Zeit tonnte von den ersten Funden berichtet werden, die bei der Ausgrabung des Palastes des Nebukadnezar an der Stätte des alten Babylon gemacht worden waren. Daß inzwischen rüstig weitergearbeitet worden ist, zeigt Nr. 4 der „Mittbeilungen" der deutschen Orientgesellschaft, die soeben ausgegeben worden ist. Vor Allem handelt es sich diesmal um den östlichen Einzelbau, dessen Reste in dem heute „Kasr" (d. i. Schloß) genannten Trümmer Hügel sich erhalten haben. In diesem Bau erkennen die Leiter der Ausgrabungen den Tempel der Göttin Ninmach, von dem Nebukadnezar in Inschriften spricht, die schon lange bekannt sind. Unter dem oberen Pflaster des Fußbodens hat man eine Anzahl Täfelchen gefunden, die Namen und Lohnlisten von Bauarbeitern enthalten. Außerdem ist eine Thontafel zu Tage gefördert worden, auf der ein Hymnus in sumerischer Sprache — der Sprache der vorsemitischen Bevölkerung Babylons — mit babylonischer Interlinearübersetzung (zusammen etiva 1 SO Zeilen) eingegraben ist und ein Cylinder des Sardanapal, in dem dieser berichtet, daß er den Tempel der Ninmach neugebaut habe; ferner viele Neliefziegel, auf denen Theile von Thierkörpern dargestellt sind. Im Schutt der Festungsmauern des „Ksr" hat man mehrere Fragmente von Bauinschriften Nebukadnezars entdeckt mit einigen Angaben, die in den großen, seit lange bekannten Inschriften dieses Fiirsten fehlen. Am Schluß der „Mittheilnug" finden sich interessante Angaben über eine aus der Mitte des achten Jahrhunderts stammende künstlerisch ausgestattete Bestallungsurkunde eines Priesters des Nebo in Borsippa, die Herr James Simon der Gesellschaft geschenkt hat und die sich jetzt in der vorderasiatischen Abtheilung des Berliner Museums befindet. Die Inschrift schließt mit der merkwürdigen uralten Fluchformel, die sich in verschiedenen Theilen des altsemitischen Gebietes mit unwesentlichen Varianten wiederholt: „Wer diese Steintafel mit einem Stein zerstören, im Feuer brennen, im Staub verscharren, in's Wasser werfen, in ein finsteres Haus, wo man nicht sehen kann, hineinbringen oder den geschriebenen Namen auslöschen und den seinigen hinschreiben wird, dessen Nachkommenschaft mögen die Götter, so viele auf dieser Steintasel ihren Platz gefunden haben — die Tafel enthält mannigfache bildliche Darstellungen göttlicher Wesen, die außerordentlich fein ausgeführt sein sollen — vernichten." Daß seine Inschrift dereinst, nachdem sie vielleicht 2000 Jahre oder mehr im Staub verscharrt!var, in ein helles Haus, wo man sie sehen kann, gebracht werden würde, konnte ihr Schreiber nicht ahnen, sonst hätte er vielleicht für den, der das thun lverde, seinen besonderen Segen zugefügt. Hamburg, 30. April. Der „Israelitisch-Humanitäre Frauen-Verein" zu Hamburg hielt seine diesjährige Generalversammlung im „Hotel zu den drei Ringen" (vor dem Klosterthor), unter Vorsitz von Frau Gust. Tuch ab. Aus dem Bericht des Vorstandes ist zu entnehmen, daß laut Zeugniß der Senatscommission für die Justizverwaltung die Rechtsfähigkeit des Israelitisch Humanitären Frauenvereins bestätigt worden ist. Der von der Casiirerin erstatteten Jahresabrechnung ist das Folgende zu entnehmen: An Mitgliederbeiträgen wurden im Jahre 1899 1289 Mk. und an Gescheuten resp. Legaten 641 Mk. vereinnahmt. Die Einnahme aus den Rückzahlungen früher Unterstützter betrug 16 Mk. Die Ausgaben der verschiedenen Abtheilungen für Vereinszwecke waren die folgenden: 1) An Spipendien für Künstler und Studirende 172 Mk.; 2) für Unterstützungen 835.40 Mk.; 3) für Essen durch die Haushaltungsschule an Unbemittelte 137.60 Mk.; ferner für Krankenpflege 103 Mk., für Feriencolonien 125 Mk., an Beihülfe zu selbstständigen geschäftlichen und gewerblichen Betriebsführungen 154.60 Mk. und an no.hlcidende Durchreisende 70 Mk. Jnsgesammt wurden im verflossenen Jahre für Vereinszwecke Mark 1597.50 verausgabt, während das Unkostenconto incl. Botenlohn 259.75 Mk. betrug, so daß ein Cassensaldo von 271.34 Mk. verbleibt. Die Abrechnung wurde als rühtig anerkannt und der Cassirerin Decharge ertheilt. Tie übrigen Punkte der Tagesordnung umfaßten interne Vercinsangelegenheiten. Der Vorstand des Vereins besteht zur Zeit aus folgenden Damen: Frau G. Tuch, 1. Vors.; Frau John Goldschmidt, 2. Vors.; Frau A. V. Goldschmidt, Frau S. S. Friedländer und Frau Tr. Fink. Magdeburg, 6. Mai. Aus hiesiger Gemeinde bringt Ihr geschätztes Blatt nur selten einen Bericht und es ist in der That auch nicht viel von hier zu berichten; wenigstens nichts Erfreuliches. Aber selbst das Unerfreuliche, die Sumpfblüthen, tvelche die Stagnation alles jüdischen Lebens hier treibt, hatten in früheren Jahren für den Chronisten ein Interesse, das heute nicht mehr eristirt. Wir hatten damals doch in Dr. Ludwig Philippson einen Rabbiner, der durch sein Blatt auch seiner Gemeinde ein gewisses Prestige verlieh. Sie war das Versuchsfeld in der Sturm- und Drangzeit der jungen Reform und dadurch genoß das gedruckte und gesprochene Wort, das von hier ausging, eine gewisse Beachtung in der jüdischen Welt. Die Saat, die damals mit vollen Händen hier ausgestreut wurde. ist längst aufgegangen und wenn die Reform

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