Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 38 (10.5.1900)
- Date
- 1900-05-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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7 41» Jahrgang. Erste Beilage M M 38 des „Israelit". Leitender Ll r t i k e l. Kabbt Alichael Fürth y'j. Hanau, 8. Mai. Reb Vlichoel Fürths seliges Andenken gereiche UNS zum Segen! Diese Worte sind für uns die Quelle unseres Leides und Trostes zugleich. Dürfen wir es doch nicht verhehlen, daß mit ihm ein starker Pfeiler unserer heiligen Sache gefallen ist, denn er gehörte zu den mirn ’T-.x pj^n tn und daß mit ihm hinabgesunkcn die Krone unseres Hauptes. Ein reiches, seltenes Leben hat er in unserer K'hillo zum großen Theil für dieselbe gelebt. Er war ihr Lehrer, Leiter und Führer, lind noch einmal zieht es an unserem Geiste in diesem Momente vorüber. Wollen wir nun ein Lebensgemälde von unserem unvergeßlichen Rabbi Michael Fürth s. A. zeichnen, so dürfen wir hierzu ganz schlichte Farben wählen. Aber gerade diese unnachahmliche Schlichtheit, der er konsequent treu blieb, verleiht seinem Wesen außerordentliche Kraft und Anmuth, die sich aber nur dem enthüllen, der sie nachzufühlen vermag. Einem hochangesehenen Hause dahier entsprossen, das auf streng-jüdischen Grundsätzen gegründet war, trug er viel dazu bei, den Ruhm und Glanz seines Hauses zu vermehren. Er erblickte das Licht der Welt an, *, dem Geburtstage des Mosche Rabbenu. Mit seiner Jugendzeit und seinem angehenden Jünglingsalter fällt sein Gylilnasialstudium am hiesigen Platze zusammen. Seine talmudischen Kenntniffe vervoklkommnete er bei den rabbinischen Größen eines Rabbi S. B. Bamberger s. A. zu Würzburg und Ettlinger s. A. in Altona, von welchem er den -it, Titel erhielt. Darauf besuchte er die Universität zu Bonn und Würzburg. Mehrere Jahre lernte er noch vei dem bekannten Talmudisten Rabbiner Felsenstein s. A. dahier. Von, Landrabbinaie zu Kassel und den von Fulda und Hanau und von *3-na h -jjöarur' erhielt er die Autorisation zum Rabbiner. Hatte er in der Altonaer Schule sich den weiten historischen Blick für's Judenthum erlvorben, so war er beiin großen Würzburger Rav zu einer Festigkeit halachischer Präzision gekoinmen, der er sein späteres B'kius verdankte. Den, Wunsche seiner Eltern nachkommend, entzog er sich den, rabbinischen Berufe mit den, Gedanken. daß der Geschäftsinann auch ein Feld für Thora w'awodo finden kann. Seine edle Gattin s. A., welche ihm vor sechs Jahren in den Tod vorausgegangen war, stand ihm bei Ausübung von Liebeswerken als treu zur Seite. Sie entstammte einer hochangesehenen berühmten Familie zu Hamburg. Die Erziehung der Kinder war im echt jüdischen Geiste. Trotzdem sein Geschäft einen ganzen Mann in Anspruch nahm, fand er doch täglich Muße, sich in das Studium des heiligen Gesetzes zu vertiefen. Ein Feind alles Scheins und aller Oberflächlichkeit wie er war, bildete es sein stetes Bestreben, beim „Lernen" auf die Gründe desselben einzugehen. Er hat es verstanden lilmod ul'lamed. Es war ein geistiger Genuß, seinem Lernen anwohnen zu können. Unter seiner Auffassung und Ausführung enthüllten sich die schwierigsten Sugiaus zu klaren, durchsichtigen, geistvollen Gedanken. Seine allsabbatlichen Schiur-Vorträge waren aus dem Schriftworte geschöpfte, fesselnde Lebensbilder. Seine akademische und rabbinische Durchbildung befähigten ihn dazu, die altjüdischen Ideen im modernen Gewände zum Ausdruck zu bringen. Darum kann man mit Recht auf ihn das Göthe'sche Wort variiren: „Sei das Wort Braut genannt, Bräutigam der (Thora) Geist; Diese Hochzeit hat gekannt, Wer (Rabbi) Michoel preist." Wer die 7,'v, hatte, im Verein mit dein thcuren Verklärten zu lernen, kann von deffen Bescheidenheit beredtes Zeugniß ablegen. Der vjyj zeigte sich auch dem Minderbegabten als ra irr; und ließ seine Ueberlegenheit niemals fühlen. Wo hier Vereine für Wohlthätigkeit ihre segensreiche Wirksamkeit entfalteten, war sichtbar nicht, doch fühlbar, Rabbi Michoel s. A. mit Wort und That dabei. Darum verlieren hiesige, wie auch auswärtige jüdische Institutionen in ihm einen eifrigen Förderer derselben, die Kabronim Chevra ihren Führer und Rav, das Vorsteheramt der Israeliten seinen thatkräftigen Vorsitzenden, der Landkreis Hanau seinen besorgten, gewissenhaften Kreisvorsteher. Wie er bis zu seinen, letzten Athemzuge für Thora und Jiroh lebte, bezeuge nur ein Beispiel. Die Mischna- Ehevra Ivar bis auf ihn, das Vortragende Mitglied, zu sa„,inengeschmolzen. Damit nun dieser Verein nicht mit ihn, zerfalle, nahm er noch vor einigen Tagen ein Mitglied aut, um die Fortexistenz des Mischna-Vcreins für die nächste Zukunft zu sichern. Der Verblichene gehörte zu ienen rrx per, welche ihres Amtes nur walten. Am Sterbebette, als die reine Seele ihren Auszug vorbereitete, berief er noch seinen Bruder, um Gemcindeangelegenheiten mit ihm zu besprechen. Das Vonsichredenmachen war ihm in tiefster Seele zu wider. Darum spendete er seine Z'doko zum größten Theile nur so, daß es dem Auge der Öffentlichkeit verborgen blieb. Sein leitender Stern bei seinem Handel