Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 38 (10.5.1900)
- Date
- 1900-05-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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,,.... I I 4WM|pi>lP^ 770 halte er sich zu dieser Mittheilung verpflichtet. Wenige Tage darauf ließ mir die Baronin sagen, sie habe Sehnsucht nacb der kleinen Elsa, ich möchte das Kind zu ihr schicken. Ich war damals krank, konnte das Kind nicht persönlich begleiten, deßhalb ließ ich sie wißen, die Kleine wäre erkältet, könne gegenwärtig das Zimmer nicht verlaßen. Acht Tage darauf kam dieselbe Aufforderung und ich ertheilte selbstverständlich dieselbe Antwort. Gestern erhielt ich zum dritten Male den Auftrag, das Kind zu der Baronin zu schicken und nachdem ich ebenso wie die vorigen Male hatte antworten lassen, erhielt ich selbst die Aufforderung, mich bei der Frau Baronin einzufinden. Sie empfing mich sehr freundlich, erkundigte sich voll Theilnahme nach dem Befinden des Kindes, erklärte dann, sie wolle dem Kinde einen Besuch abstatten, ihr verstorbener Sohn habe ihr den Namen der Familie, der er das Kind anvertraut habe, genannt, auch die Straße, in der die Leute wohnen, wie auch die Hausnummer. Sie habe das Alles genau notirt, aber unglücklicherweise die Namen vergessen und das betreffende Notizbuch verlegt. Das Alles war eine offenbare Lüge, denn ich weiß das Gegentheil aus dem Munde meines sterbenden Herrn. Ich war und bin daher überzeugt, daß die Vermuthung des Grafen Edgersdorf vollauf begründet ist. Und als ich, mit Bezug auf mein ihrem Sohne gegebenes Versprechen mich außer Stande erklärte, ihrem Verlangen zu entsprechen, da gerieth die hochgeborene Dame in eine derartige Wuth, daß sie mir auf sofort kündigte. Ich stehe bereits nicht mehr in ihren Diensten, habe aber sofort durch Vermittelung jenes Herrn, der mir die Warnung in Betreff Elsa's hatte zukommen lassen, einen anderen Posten gefunden, den ich im Laufe der kommenden Woche antreten werde. Ick würde mich des Wechsels freuen, denn mein künftiger Posten wird besser honorirt werden, als mein bisheriger, aber mein künftiger Wohnort ist nahezu eine Tagereise entfernt von hier, wie werde ich von dort aus meinem Gelöbniß Nachkommen können?" „Aber Herr Werner, ich sollte doch glauben, daß Sie sich in dieser Beziehung keine Skrupel zu machen brauchten, das Kind ist mir anvertraut und —" „Unter gewöhnlichen Verhältnissen würde mir das vollauf genügen, kenne ich Sie doch und habe ich mich doch für Ihre Vertrauenswürdigkeit bei dem Herrn Baron verbürgt. Aber allem Anschein nach wird die Baronin alle Hebel in Bewegung setzen, sich des Kindes auf die eine oder die andere Weise zu bemächtigen." „Vorläufig kennt sie noch nicht einmal den Aufenthaltsort desselben — und überdies, wir leben doch in einem Rechtsstaat." „Ich muß auch noch eines Umstandes erwähnen. Unmittelbar nach dem Hinscheiden des Barons hat sie zwar die Absicht ausgesprochen, dem Wunsche des Verstorbenen entsprechend, Ihnen bis zu Elsa's Verheirathung jährlich 1200 Mk. für deren Verpflegung zu zahlen. Die vorige Quartalsrate habe ich Ihnen auf ausdrücklichen Befehl der Baronin ausgezahlt, ohne daß ich dieselbe daran erinnert hätte, und ich zweifle nicht, sobald Sie sich an sie wenden, werden Sie sofort die zweite Quartalsrate erhalten, ich vermuthe sogar, daß die Baronin hofft, daß Sie sich an sie wenden, denn dadurch würde sie Ihren Namen erfahren und Elsa's Aufenthaltsort leichter ausfindig machen können. Ich gebe Ihnen jedoch zu erwägen, ob Sie sich unter den obwaltenden Verhältnissen an sie wenden wollen — ob Sie es dürfen? — Ihre Bemerkung ist allerdings richtig, wir leben in einem Rechtsstaat und eine hohe Behörde ist stets bestrebt, das Recht, so oft es gestört wird, wieder in das Gleichgewicht zu bringen. Aber darüber vergeht naturgemäß oft sehr lange Zeit." (Fortsetzung folgt.) Der „Israeli t" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Allsland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Drv Buchhandel verkehrt durch V. If. Slriuackrr, Leipzig, Notzplatz Jß. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. 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Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Rabbi Michael Fürth — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Hamburg. Cassel. Würzburg. Oester.-Ungar. Monarchie: Prag. — Vermischtes. Letzte Nachrichten: Hammerstein. Anhalt drr rw iten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deuischland: Frankfurt a. M. Hamburg. Magdeburg. Fulda England: London. Inhalt der dritten Beilager Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Weimar. BraunSbach. Rußland: Petersburg. Persien: Teheran. Inhalt der vierten Beilage: Leitender Artikel: Der Oberste Gerichtshof über den Mord in Polna. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des .Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz. im—....■■■im fiiilrrtii Nt"