Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 38 (10.5.1900)
- Date
- 1900-05-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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768 lml! sogar die Worte gehört haben: „Ich tverde Sie sofort abfiihren lassen, tvenn Sie beleidigend werden." Frau Winter batte nämlich ein anonymes Schreiben vorgelegt und wollte dasselbe, da Herr Wehn daraus nicht reagiren zu sollen glaubte, wiederhaben. Zu Herrn Winter sagte Herr Wehn, als es sich um eine Durchsuchung der Synagoge handelte, in rauhem Tone: „Na, dann holen Sie die Schlüssel vom Synagogenvorstande." In Gegenwart von zwei anderen Personen hat dies der Bauunternehmer Winter dem Vertreter der „Staatsbürgezeitung" betrübt mitgetheilt. Es ist erklärlich, daß der Kriminalkommistär durch vielfache unnütze Behelligungen von verschiedenen Seiten etwas nervös geworden ist, aber der tiefbekümmerten Mutter gegenüber hätte er wohl einen anderen Ton finden können." Daß der Herr .Kriminal-Kommissar Wehn, ein Beamter, der sich eines nicht unbedeutenden Rufes als Kriminalist erfreut, und der in der traurigen Affaire Winter das Menschenmöglichste geleistet hat, sich solcher Gesühlsrohheiten schuldig gemacht und solch blühenden Blödsinn geäußert haben sollte, wie die Absicht, Frau Winter aus der Stadt auszuweisen etc., war für uns von vornherein undenkbar, dennoch setzten wir uns zur Aufklärung des Sachverhalts sofort mit dem genannten Herrn in Verbindung, der denn auch in liebenswürdigster Weise uns den thatsächlichen Sachverhalt mittheilte. Lasten wir den Herrn selbst reden. Er äußerte sich lote folgt: „Herr Winter hatte bereits über einen anonymen Brief, dessen Inhalt den Stempel der Unwahrheit an der Stirne trug, mit mir gesprochen, und hatte ich ihn daraus aufmerksam gemacht, auch beruhigte er sich darüber. Der Brief war ein anonymes Geschreibsel des Inhalts, daß der Kopf in der Synagoge vergraben liege. Er wurde zu den Akten gelegt, da ja die Synagoge unter Zuziehung von Sachverständigen eingehend untersucht war. Nach einiger Zeit erschien dann Frau Winter bei mir und fragte, was auf den Brief hin geschehen sei. Ich antwortete, daß auf diese anonymen Schreiben hin aus den eben angeführten Gründen nichts geschehen könne. Frau W. forderte darauf den Brief zurück mit dem Bemerken, es solle also wohl darauf nichts geschehen, sie wolle sich dann an andere Behörden wenden. Der Brief ist ihr sodann ausgehändigt, und ihr dabei nur eindringlich gesagt worden, daß sie nicht gegen Beamte beleidigend werden möge, da sie offensichtlich durchblicken ließ, was allgemein gefabelt wurde, es s o l l e in der ganzen Sache nichts geschehen. Alle anderen Angaben sind böswillige Erfindungen, insbesondere ist von Abführen lassen ete. absolut keine Rede gewesen." Es ist unserer Ansicht nach zu entschuldigen, wenn die vom Schicksal so schwer heimgesuchte Mutter in der Dual ihres Herzens vielleicht eine Aeußerung that, die sie sonst nicht gethan haben würde und liegt uns nichts ferner, als der unglücklichen Frau daraus einen Vorwurf zu machen. Ebenso denkt und dachte aber auch Herr Kriminal-Kommissar Wehn, und wenn er der Dame in ruhigem Tone sagte, daß in ihrer Antwort eine Beamtenbeleidigung liege, die er nicht dulden könne, so ist das doch nur zutreffend und kein Anschnauzen, kein unmotivirtes grobes Anfahren. Das übrige ist, wie Herr Wehn selbst oben ausführt, böswillige Erfindung, und thäten manche Zeitungsberichterstatter jedenfalls besser daran, bei Abfassung ihrer Berichte mit mehr Gewissenhaftigkeit zu verfahren, vor allem aber ihrer Phantasie nicht zu freien Spielraum zu lassen. Des Weiteren führt dann das genannte Blatt die Aussage des Fuhrhalters Brüggemann hier an, durch die ein früherer Verdacht in der Mordangelegenheit wohl hatte verstärkt werden können und zieht daraus Schlüsse, die ebenso unzutreffend sind, wie die Basis, von der sie ausgehen. Die Sache hat nämlich längst eine durchaus harmlose Aufklärung gefunden, wie bisher fast alle derartigen Geschichten. Schließlich können lvir noch hinsichtlich der in Neuenburg zum .Kauf angebotenen Uhrkette, in der die Winters vermuthei wurde, mittheilen, daß sich inzwischen herausgestellt hat, daß die betreffende Kette nicht mit der Winter'schen identisch ist. Also stehen wir auch heute noch hinsichtlich des Mordes vor einem Räthsel, dessen Lösung noch keinen Schritt weiter gediehen ist, und die das Dunkel oft scheinbar erhellenden Sensationsmeldungen der auswärtigen Presse erwiesen sich bisher als nichts — denn als trügerische Irrlichter. Wcrch einer wahren Wegebenheil. 23] Von Friedrich Rott „Und mich hast Du gar nicht lieb?" sragkeder Hausherr lächelnd. Da hing sie auch schon an seinem Halse und bot ihm die Purpurlippen zum Kusse, „o, ich habe Dich auch lieb, Onkel, sehr lieb —" „Ich erkläre aber," rief Viktor, „daß Elsa doch noch einmal Vater und Mutter zu Euch sagen wird. Ich werde sie nämlich heirathen, und dann seid Ihr ihre Swwiegereltern. Willst Du meine Frau werden, Elsa?" Die beiden kleinen Mädchen brachen in lautes, herzliches Lachen aus. „Ja," jauchzte Elsa, „ich roill Deine Frau werden, das u>irb schön sein! Da werde ich auch immer am Freitag Lichter anzünden und immer vom Teig ein Stiick abbrechen und in's Feuer werfen, gerade so, wie die Tante es macht." „Aber erst müßt Ihr Hochzeit machen," rief Maria nt:e. „Freilich werden wir zuerst Hochzeit machen," er klärte Viktor mit komischem Ernste. „Ihr werdet