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Der Israelit · 1900-05-10 · Heft 38 (10.5.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 38 (10.5.1900)
Date
1900-05-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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WWWWWWWWW«WM.W'Ai .juj.ju'-.,,-■ 767 der TVnifje und am Abend, die Thcilnahme an einem Schiiir, der vor oder nach dein Minchahgebete stattfindet, Dem eifrigen Manne ist es dabei auch gelungen, sich ein entsprechendes Wissen im vorgerückten Alter noch anzueignen. Die Verleihung des Chover-Titels für solche Hingebung!var wohlverdient, Er wurde Herrn Goge mit Zustimmung des Gemeindevorstandes, vom Rabbiner bei Gelegenheit dieser Geburtstagsfeier in einem entsprechenden Doeumente überreicht. Aber auch diese Freude und die dabei von der ganzen Gemeinde ausgedrückten herzlichen Wünsche und Gebete um baldige Genesung vermochten der fortschreitenden Krankheit keinen Ginhalt zu gebieten. Am Sonntag friih, dem ersten Tag Rosch Chodesch, schlummerte die Dulderin sanft in ein besseres Jenseits hinüber und am folgenden Tage Nachmittags ward sie hinausgetragcn nach dem Friedhose in Moisling. Der Rvscb-Ehodesch verbot es, eine Leichenrede zu halten, ein großer Theil der Gemeinde gab der allbeliebten Frau das Geleite bis zu dem eine Stunde Weges entfernten Friedbose. Sie ist todt. Der Hund, welcher das Unheil ungerichtet, läuft noch frei herum. Ob den Besitzer, auf welchen nach der allgemeinen Ansicht der Vers Sam. I, 24. 23 zutrifst, das Gericht zuin Schadenersatz verurtbeilen wird, muß die noch schwebende Verhandlung erst entscheiden. Tie Heimgegangene rry war am Simchas Thauroh 1824 in Lübeck geboren. Bald nach ihrer Geburt waren bekanntlich die Juden aus Lübeck nach dem nahen Moisling zurückverwiesen nwrden. Ihr um zwei Jahre jüngerer Bruder, unser unvergeßlicher Gemeindevorsteher Moses Falck, war dort geboren. Er ist seiner Schwester nun zwei Jahrzehnte voraus in die Ewigkeit eingegangen. Auch ihr Andenken wird ein gesegnetes bleiben und ihr S'chuß ihrem einzigen Sohne und seiner Frau, der treuen Pflegerin der Verewigten, und ihren Enkelkindern beistehen. .Könitz, 7. Mai. (Bon unserem Spezi a l - B e r i ch t e r st a t t e r.t Welche Rolle das ominöse Taschentuch mit dem gestickten A., das bei dem Kopfe des ermordeten Winter gefunden wurde, in der Untersuchung spielt, ist den Lesern dieses Blattes bekannt. Man glaubt allgemein, daß mit der Auffindung des Eigenthümers, auch der Urbeber des Mordes entdeckt sei. Man konnte aber keinen Juden (oder Jüdin) passend zu dem Tuche finden und nur die „Staatsbürgerzeitung" hat gerochen, daß das Taschentuch von der Tochter des verhafteten Jsra- I elski gestickt sei. Wäre die Staatsbürgerin an ihrer ^ersten Lüge erstickt, so hätte sie diese Mordeslüge nicht U erfinden können. 12 Endlich ist es gelungen, die Eigenthümerin des HTaschentuches zu eruiren und in zwei Zeilen wird davon »Notiz genommen. Warum so stille und einsilbig? Nun, »die Besitzerin ist die Gattin eines höheren Beamten und Wzwar des Kreisschulinspektors, und sie heißt Frau Au- Wguste R o h d e. Ein Kreisschulinspektor ist kein Jude und seine Frau auch nicht. Welcher Lär,n wäre entstanden, wenn das vielbesprochene Taschentuch bei einer Jüdin gefunden worden! Wir knüpfen an die auffallende Thatsache, daß das Tuch der Frau Schulinspektorin in der Nähe des Kopfes des Ermordeten gefunden wurde, keine Refleetionen, das ist Sache der Untersuchungsbehörde und von jüdischer Seite ist wahrlich noch nichts geschehen, um die Behörden in der Untersuchung zu verwirren, während von antisemitischen Mordeslügnern täglich Juden denuncirt werden, die auch alle vernommen sind. Hier finden täglich Vernehmungen statt, in Czerks wurde der jüdische Beamte denuncirt, daß er am Tage des Mordes in Könitz gewesen; der Beamte von Schlochau. jetzt in Eberswalde, ebenso, und endlich auch der Cantor von Hammerstein. In Schlochau ivurde in mehreren jüdischen Häusern, die absolut in keiner Beziehung mit Könitz stehen, Haussuchung gehalten. Eine in gesegneten Umständen befindliche Frau liegt heute noch schwer krank in Folge des Schreckens darnieder. Trotzdem der im Synagogenhof gefundene Schädel erwiesenermaßen einige Tage vorher bei Erdarbeiten ausgegraben und von einem Arbeiter an bezcichneter Stelle wieder eingegraben wurde, um den Juden einen Streich zu spielen, mußte ein Kaufmann von dort ein langes Verhör bestehen, »veil — vor 13 Jahren bei ihm ein Mädchen gedient hat, das ivahrscheinlich ohne Vorwissen der Verwandten ausgewandert ist. ES ist gewiß löblich, daß die Untersuchungsbehörde alle möglichen Spuren verfolgt, aber hier werden die Juden bei der Parität etwas sehr verschwenderisch bedacht. Die Untersuchung dehnt sich augenblicklich selbst auf die — Instrumente des jüdischen Zahnarztes in Könitz aus. Wie lveit die Lügen der Staatsbürgerzeitung, die in dem nachfolgenden Artikel gemeint ist, gehen, beweisen die Auslassungen der Konitzer Zeitung, die ich im Nachfolgenden wiedergebe: Zur M o r d a f f a i r e. Schon des öftern haben wir Gelegenheit genommen, auf die hier und vor allem in der auswärtigen Presse umgehenden Ammenmärchen betreffs der Mordaffaire hinzuweisen und dieselben als solche fesizunaaeln. heute nun begegnet uns in einem auswärtigen Blatte eine solche Blüthenlese von thatsächlick.en Unrichtigkeiten und dreisten Erfindungen, daß wir uns nicht wie sonst mit einer einfachen Festnaaelung begnügen, sondern näher auf die Sache einzugehen uns veranlaßt fühlen. Es wird in dem betreffenden Blatte Folgendes gesagt: „Er (Herr Bauunternehmer Winter) beklagte sich (einem Berliner Berichterstatter gegenüber) bitter über den Kriminalkommissar Wehn aus Berlin, der seine Frau, als sie in ihrem mütterlichen Schmerze ein erneutes Anliegen in der Ermittelungssache (Untersuchung der Svnagoge) stellte, mit den Worten barsch angelassen habe: „er werde sie aus der Stadt ausweisen. falls sie fortführe, derartige Anträge zu stellen." Herr Winter, der damals bei diesem Vorfall zugegen war.

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