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Der Israelit · 1900-05-07 · Heft 37 (7.5.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 37 (7.5.1900)
Date
1900-05-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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756 WWWWWWWWWWWW Kidusch haschem. Offen und ehrlich bekannte er sich stets zum Judenthum, besuchte an den Festtagen das Gotteshaus, betete an den Jahrzeiten seiner Eltern stets mit Tallis und Tefillin und übte seine Pflicht als Cohen. Wenn er seinen Willen hätte ausführen können, mären in der Deffauer Gemeinde weniger Reformen. Nur die Rücksicht auf ihn, ließ manche Neuerung liegen. Als man dort das Duchenen abschaffen wollte, äußerte er: „Das laste ich mir nicht gefallen; ich gehe zum Herzog und werde bei ihm mein seit Jahrtausenden bestehendes Recht fordern." Mit dem in Destau eingeführten Joel'schen Gebetbuch konnte er sich ebenfalls nicht befreunden. „Ich kann mich in meinem "wnv gar nicht mehr zurechtfn.den," sagte er oft an den d'jo: c'c\ Bon Cohn's Wohlthätigkeit ist bis jetzt wenig in die Oeffentlichkeit gedrungen. Wohl bedachte er die Wchlrhätigkeitsanstalten der Destauer Gemeinde und der Stadt mit größeren Summen; doch hofft man, in seinem Testamente mehr zu erhalten. Der Stadt Destau schenkte er ein herrliches Denkmal Kaiser Wilhelms I. und wurde darauf Ehrenbürger. Am Tage nach von Cohn's Tode widmete ihm der Oberbürgermeister Dr. Ebeling in öffentlicher Stadtverordneten- Sitzung folgenden Nachruf: „Meine Herren! Gestern Abend in der zwölften Stunde ist der Ehrenbürger unserer Stadt, Seine Excellenz der Wirkliche Geheime Rath Baron Moritz v. Cohn, nach kurzer Krankheit, schmerzlos eingeschlafen. Am 19. September 1812 in Wörlitz geboren, hat er seit dem Jahre 1823 seinen Wohnsitz in unserer Stadt gehabt und wird nun auch hier seine letzte Ruhestätte an der Seite seiner Eltern finden. Ein Lebenslauf hat damit sein Ende erreicht, so lange, wie ihn Gott nur wenigen gewährt, aber auch so reich an Inhalt, an Erfolgen und an denkwürdigen Begebenheiten. In der bürgerlichen Häuslichkeit, wo der Entschlafene aufgebahrt ist, umgeben ihn zahlreiche Erinnerungszeichen, Marmorbüsten, Gemälde, bedeutungsvolle Geschenke, und reden eine deutliche Sprache von der Gunst der Mächtigen dieser Erde, die er so reichlich an sich erfahren hat. Unser Hohes, Herzogliches Haus, dem der Verstorbene in Treue ergeben war, hat stets huldvoll seiner gedacht. Noch vor wenigen Tagen hat unser Erlauchter Landesherr seine Glückwünsche zum Hohen Geburtstage mit Worten wärmster Zuneigung erwiedert. Erst kürzlich ehrte Deutschlands erhabener Kaiser mit einem hohen Orden die Verdienste des Verstorbenen und begleitete die seltene Auszeichnung mit herzlichen Worten. Unvergeßlich wird aber stets bleiben, mit welchem Vertrauen der große Kaiser Wilhelm l. seinem Bankier zugethan war, der zu dem mächtigen Herrscher allezeit ungehindert Zutritt hatte. Fürwahr, vergegenwärtigen wir uns das Leben des Entschlafenen, so sehen wir in ihm eine markante Persönlichkeit, die nicht nur wegen ihrer Klugheit und ihrer reichen Erfahrungen die höchste Anerkennung sich erwarb, sondern durch einen seltenen Pflichteifer, eine unbedingte Diskretion und unwandelbare Treue sich derselben auch allezeit würdig zeigte. Wohl kann ein begabter Mann durch klugen Rath Einfluß gewinnen, solchen aber durch Jahrzehnte sich zu erhalten, vermag nur ein fester, zuverlässiger Charakter. Beim Anblick des stolzen Kaiserdenkmals, mit welchem der Verstorbene unsere Stadt geschmückt hat, wird sich Dessau stets seines Bürgers erinnern, der nicht nur in geschichtlich bewegter Zeit gelebt hat, sondern dem es auch vergönnt war, zu Zeiten mitgestaltend in die Entwickelung der Geschichte einzugreifen. Wie mir der Verstorbene. aus dessem reichen Erinnerungsschatze zu hören mir mehrfach eine Freude war, erzählt hat, war es der oft ausgesprochene Wunsch Kaiser Wilhelms I., er solle ganz nach der Reichshauptstadt kommen. Daß er uns getreu geblieben, daß er sich als Destauer fühlte, und den Titel des Ehrenbürgers mit großem Stolze trug, das wollen wir ihm nicht vergessen. Trotz aller äußeren Schätze und Ehren ist er einfach und schlicht geblieben, ohne prunkende Häuslichkeit, treu blieb er dem Glauben seiner Väter, treu dem ererbten Familennamen. Mit rührender Liebe hing er an den Eltern, vor allem an der Mutter, zu deren Gedächtniß er der Stadt nach ihrem Tode eine Stiftung überwies, und an der Tochter, welche seinen Tod beweint und in der Häuslichkeit des Verstorbenen unsere Mitbürgerin werden will. Nun ruht er aus von einem langen bewegten Leben. Sein Name, verknüpft mit so reichen Erinnerungen, wird lange unter uns und in der Stadt fortleben, sein Bild, welches unser neues Rathhaus schmücken soll, wird uns erinnern an einen treuen Ehrenbürger unserer Stadt, zu dessen ehrendem Andenken wir hier in feierlicher Gemeinderathssitzung uns erhoben haben." Die Versammelten hörten die Worte des Ober bürgermeisters stehend an. Am Beisetzungstage — Donnerstag, 3. Mai, mußten die städtischen Gebäude Halbmast flaggen. Seine Ruhestätte fand der Verewigte an der Seite seiner Eltern. Hatte schon bei dem Ableben Sr. Excellenz aufrichtige Trauer die Einwohnerschaft der Stadt Dessau ergriffen, so kam dieses Gefühl bei der Beerdigung noch zu weit beredterem Ausdruck durch die außergewöhnliche Theilnahme an dem Kondukt. Ein zahlreiches Trauergefolge versammelte sich gegen 12!/. Uhr vor dem Trauerhause, und als sich der Zug in Bewegung setzte, bildeten Tausende in den Straßen bis zum Friedhofe Spalier. Im Trauergefolge befanden sich u. A.: Der Flügeladjutant des Herzogs, Oberst von Trotha, der Adjutant des Erbprinzen, Oberlieutenant von Borck, Hofkammerpräsident Dr. Huhn, Kreisdirektor Dr. Sachsenberg, Oberbürgermeister Dr. Ebeling, die beiden Stadträthe, das Stadtverordnetenkollegium, der Regimentskommandeur Oberst von Frankenberg, der Bezirkskommandeur. Den Kondukt eröffnete die Trauerweisen spielende Regimentskapelle. Vor dem Leichenwagen trugen die beiden Beamten des Verstorbenen die Kissen mit den kostbaren Orden. Auf dem Friedhofe schilderte Landesrabbiner Dr. Freudenthal die Tugenden des Heimgegangenen an der Hand herrlicher Midraschim.

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