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Der Israelit · 1900-05-07 · Heft 37 (7.5.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 37 (7.5.1900)
Date
1900-05-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4L Jahrgang. Beilage ju M 37 -es „Israelit". leitender rtikel Baron Moritz v. Cohn. (Schluß aus dem Hauptblatt.) Das elterliche Geschäft erlangte erst anfangs 1840 größere Bedeutung. Die Höfe von Dessau und Berlin waren nahe verwandt und die alte Geheimräthin erlannte fast prophetischen Sinnes die einstige Bedeutung des Prinzen Wilhelm. „Mein Jung, verhalte Dich gut mit dem Prinzen," soll sie oft gesagt haben. Und Cohn sollte im Leben Wilhelm l. so thatkräftig eingreifen, wie keine andere Stütze von Thron und Altar. Cs ist ja allgemein bekannt, daß der damalige Prinz Wilhelm 1848 auf der Pfaueninsel bei Potsdam sich verborgen hielt und vor der erregten Volksmenge flüchten mußte. Der damalige Bankier Cohn miethete nun eine Extrapost; der Prinz trug Kutscheruniform und der einzige Fahrgast war Cohn; so konnte Prinz Wilhelm sich in Sicherheit bringen. Auf der Reise nach London begleitete Cohn den Prinzen ebenfalls, und wer sich darüber näher unterrichten will, lese die Memoiren des Gesandten Bunsen. Unter Cohn's alleinigem Schutze reisten auch damals die Königin Elisabeth und Prinzessin Auguste nach Coblenz. Seit dieser Zeit rührt das fast brüderliche Verhältnis; Wilhelm I. zu gleicher Weise verehrten ihn Kaiser Friedrich und die erhielt es ihm bis zu seinem letzten Athemzuge. In gleicher Weise verehrten ihn Kaiser Friedrich und erlauchten badischen Fürsten. Den Großherzog nannte er oft einen Ohes Jisroel. Cohn's Wohnung war fast ausschließlich mit den kostbarsten Zeichen der Verehrung geschmückt, die ihm die genannten Herrscher bei jeder Gelegenheit sandten, so Büsten, Bilder, Photographien, Basen u. s. w. Bei dem Israeliten Cohn fehlten auch nicht die Mesusoth und die Geräthe für Kidusch und Hawdoloh. Der spätere König und Kaiser Wilhelm l. hat auch „seinen" Cohn niemals vergessen. Treffend sagte darüber eine Berliner Zeitung: „Der Dessauer Finanzmann setzte seine höchste Ehre därein, das ihm anvertraute Vermögen auf das Beste zu verwalten. Und alle Welt weiß es, wie erfolgreich dieses Bestreben gewesen ist. Im Palaisgebäude nach der Behrenstraße batte der Vertrauensmann des Kaisers in dessen Finanzangelegenheiten seine „Diensträume" aufgeschlagen. Der Baron von Cohn legte das höchste Gewicht darauf, daß er Riemandem zu einer Rechnungsabtegung verpflichtet sei, als „seinem allergnädigsten kaiserlichen und königlichem Herrn," von dem er allein den Auftrag der Verivaltung des kaiserlichen Privatvermögens erhalten habe. Der sonst sehr joviale Herr, der nicht leicht etwas übel zu nehmen pflegte, konnte förmlich aufbrausen, wenn man ihn „Herr Hofbankier" nannte. „Ich habe die Ehre, der Vertrauensmann Seiner Majestät in Geldangelegenheiten zu sein. Dieser Ehre allein suche ich nach meinen Kräften zu genügen. Ich bin kein Hofbankier!" Diese Auffassung seiner Stellung zu Kaiser Wilhelm I. war auch die Veranlassung dazu, daß unmittelbar nach dem Ableben des Kaisers die Beziehungen des Barons Cohn zu der Verwaltung des kaiserlichen Privatvermögens aufhörten. Es wurde nach dem Tode Kaiser Wilhelms ganz allgemein erzählt, daß Baron von Cohn über die Art, wie ihm von Seiten des Hausministeriums begegnet wurde, nicht ohne Grund erstaunt gewesen sei. Herr von Cohn habe damals dem Hausministerium erklärt, daß er nur den Erben des verstorbenen allerhöchsten Auftraggebers, zur Rechnungsablegung verpflichtet sei. Selbstverständlich fand sich die Vermögensverwaltung in der peinlichsten Ordnung. Bei dieser Gelegenheit wurde es denn auch bekannt, daß Herr von Cohn für seine außerordentlich mühevolle und verantwortungsreiche Thätigkeit keinerlei pekuniäres Entgelt jemals empfangen hatte. Aber er benutzte seine einflußreiche Stellung beim verstorbenen Kaiser Wilbelm dafür um so eifriger, wenn es galt, irgendwo unverschuldet eingetretener Roth zu steuern, ohne daß die Sache ihren „amtlichen" Verlauf durch die Bureaus nehmen sollte. Und in mehr als einem Falle gelang es der klugen Dessauer Excellenz, eine unerwartete Hilfe durch die milde Hand des Kaisers zu bringen." Baron von Cohn war es auch, der Kaiser Wilhelm l. veranlaßte, direkt für die verfolgten russischen Juden einzutreten. Baron von Rothschild sandte ihm das Material. Rach einem Vortrage sagte von Cohn: „Majestät, ich habe noch etwas auf dem Herzen, und es fällt mir schwer, es Eurer Majestät mitzutheilen, da ich aus leicht zu errathenden Gründen nie für meine Glaubensbriider ein Wort geredet." „Schießen Sie los," erwiederte der Kaiser. Er schilderte nun sein Anliegen, und sein kaiserlicher Herr sandte in Cohn's Beisein den Bericht an das Auswärtige Amt zur Beförderung nach Petersburg. Das negative Resultat erfuhr der Bittsteller ebenfalls vom Kaiser. Es verbietet Diskretion dem Einsender, die Worte Sr. Majestät hier anzugeben. Fest und unerschiitterlich war das Vertrauen, das Baron Cohn bei seinem Landesfürsten, dem verstorbenen Herzog Leopold und dem jetzigen Herzog Friedrich genoß. Es war kein Ereigniß in der weitverzweigten Familie des Herzogs und im Staate, zu dem der Rath Cohn's nicht eingeholt und!vas noch mehr sagen will, stets befolgt lvurde. Cohn's Leben war auch in anderer Richtung ein

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