Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 37 (7.5.1900)
- Date
- 1900-05-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWNWMWMWDWWW 757 (Größeren Kreisen wird dieser Nachruf durch den Druck bekannt gegeben werden. Oberbürgermeister Dr. Ebeling sprach dann im Namen der Stadt. Es ist selbstverständlich, daß die bei einer Kewuroh üblichen Gebete nicht weggelassen wurden. Der Baron hatte sich schon bei Lebzeiten seine Sterbekleider machen lassen und die Vorsteher der Ehewrah Kadischah gebeten, seinen Sarg auch nur aus sechs Brettern anzufertigen. Er >vollte einfach zur ewigen Ruhe eingehen und die Menge der gespendeten Kränzen und Blumen, die zwar Zeugen der Liebe und Achtung waren und die ihm von vielen Fürstlichkeiten und kommerziellen und industriellen Gemeinschaften gespendet wurden, waren nicht im Sinne des Entschlafenen; er hatte dafür oft ein scharfes jüdisches Wort. Einzige Erbin des nach vielen Millionen zählenden Vermögens ist seine Tochter, Frau Wi'ttwe Julie Oppenheim. die ihren Wohnsitz von Berlin nach Dessau verlegen wird. Im Aufträge Seiner Majestät des Kaisers ging der Tochter nachstehendes Telegramm zu: „Seine Majestät der Kaiser und König haben die Nachricht von dem Hinscheiden Ihres Herrn Vaters mit aufrichtiger Theilnahme empfangen und mich beauftragt, Ihnen Allerhöchst innigstes Mitgefühl auszusprechen. Se. Majestät haben in dem Dahingeschiedenen allezeit den treu bewährten Diener Allerhöchst ihres verewigten Großvaters, des Kaisers Wilhelm des Großen Majestät geschätzt. A. Eulenbur g." Ihre Hoheit die Frau Herzogin hat der Tochter des Verstorbenen telegraphisch ihr Beileid in folgenden Worten ausgesprochen: „Nehme warmen Antheil an Ihrem schmerzlichen Verlust. Werde Ihrem Vater stets ein dankbares Andenken bewahren. Herzogin von Anhalt." Ihre Kgl. Hoheit die Prinzessin Friedrich Karl kondolirte durch folgendes Telegramm aus Rom: „Spreche Ihnen bewegt mein herzliches, aufrichtiges Beileid zu dem so schweren Verluste aus. Prinzessin Friedrich Karl." Se. Kgl. Hoheit der Großherzog von Baden hat außer einer prächtigen Blumenspende folgendes Telegramm gesandt: „Ich erfahre durch die Erbprinzessin den bedauerlichen Heimgang Ihres verehrten Vaters. Ich nehme den aufrichtigsten Antheil an diesem großen Verluste und bitte Sie, den Ausdruck des treuesten Mitgefühls der Großherzogin und von mir entgegenzunehmen. Das Andenken an Ihren verehrten Herrn Vater und an seine erfolgreiche langjährige Thätigkeit wird uns stets theuer und werth bleiben. Ich würde sehr dankbar sein, wenn Sie Mir durch einen Vertrauten einiges Nähere über die .letzten Tage des tbeueren Verstorbenen zukommen lassen wollten. F." Weitere Beileidsbezeugungen gingen ein von Sr. Hoheit dem Prinzen Eduard (Handschreiben), Sr. Hoheit dem Prinzen Aribert, Ihren Durchlauchten dem Fürsten und der Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt und dem Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe (Telegramme.) Am Beerdigungstage wurden von Frau Oppenheim der Stadt '10,000 Mk. zur Vertheilung an Arme und Bedürftige übergeben. So ruht nun Baron von Cohn in ewigem Frieden. Süß ist der Schlaf des Arbeiters, denn er gab seinen Tagen einen Inhalt durch die Arbeit, Treue und Hingebung. Der Nachwelt kann sein Thun vorbildlich sein, denn er hat es wiederum gezeigt, daß Ehre und Stellung Niemand veranlassen sollen, seiner Religion untreu zu werden. Offen und ehrlich bekannte er sich zum Judenthum und verachtete die Ueberläufer. denen er so oft begegnet. Drum wird sein Andenken stets in Ehren gehalten tverden. irsawn. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 30. April. Der Nathanael, Heft l des Jahrganges 1900 bringt eine Uebersicht der Missionsgesell'chaften, welche auf den Seelenfang gegen die Juden ausgehen. Solcher Gesellschaften giebt es mehr als 100, natürlich die meisten in England und Amerika. in beiden Ländern mehr als je dreißig. Die größte ist die Londoner Mission, welche nicht weniger als 184 bezahlte Beamte hat, denen in drei Jahren insgesammt 205 Taufen gelangen. In Deutschland arbeitet am erfolgreichsten der Westdeutsche Verein, der 40 Juden zur Taufe gebracht hat. Im Anschluß hieran dürfte folgende Lokalnotiz hiesiger Blätter von Interesse sein: „Der Verein zur Fürsorge für jüdische Proselyten hielt am Sonntag in der Matthäikirche sein Jahresfest ab. Die Festpredigt hielt Pastor Israel, den Bericht erstattete Pastor Bieling. Der Verein hat seine Pflege an etwa 80 Proselvten ausgeübt. Die Fürsorge erstreckte sich vor allem auch auf ärztliche Hilfe und Ueberweisung der Kinder in geeignete Erziehungsanstalten. 36 Fan'ilien wurden Weihnachten beschenkt. Durch die Judenmission wurden im letzten Jahre 40 Personen unterrichtet und 20 getauft. Zur jüdischen Proselytengemeinde halten sich zur Zeit 400 Personen. Die Mitglieds zahl des Vereins beträgt 60." Könitz, 2. Mai. Durch sämmtliche Zeitungen ging das Gerücht, daß der hier angestellte Cantor und Schächter Fuchs (nicht Lux), der in der That bei dem verhafteten Jsraelsky gewohnt hat, von hier entflohen sei, als seine Vernehmung bevorstand. Merkwürdigerweise wurde diese gänzlich falsche Nachricht von keiner Seite richtig gestellt. Thatsache ist, daß der Schächter Fuchs 14 Tage