Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 37 (7.5.1900)
- Date
- 1900-05-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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752 fcll.ft tcn Garnen der Gottesfurcht in die leicht empfänglichen Kinderherzen zu streuen, damit die Saat, die schon ausgegangen ist, noch weiter wachse und gedeihe. Und so läßt sich hoffen, daß die Schüler, auch wenn sie einst der Schule entwachsen sind, unentwegt die Richtung einschlagen, die in der schule ihnen vorgezeichnet wurde, gleichwie der von starker Hand geschossene Pfeil, auch der Hand entflogen, dennoch die Rich tung verfolgt, die des Starken Hand ihm gegeben. Fürwahr. dankbar müßte jeder unbefangene, rechtgläubige 'Ttt , der all dies mitansieht, dem Manne sein, der solche segensreiche Thätigkeit zur Erhaltung unserer entfaltet. Diese Thätigkeit aber, die ich hier mit einigen wenigen Beispielen gezeichnet, ist damit noch lange nicht erschöpft. Wem ist, um nur noch einen Bunki berühren, jene treffliche Eigenschaft des Herrn Kirchenrath nicht bekannt, jene Eigenschaft, die unsere Weisen 7^2: nw nennen, die das Haupt unseres Rabbiners als ganz besondere Tugend ziert? Wie er für die jüdischen Armen unserer Stadt sorgt, daß sie ihren Unterhalt finden, ohne die religiösen Satzungen verletzen, das dürste wohl wenig Außenstehenden bekannt sein. Kurz, wir dürfen es mit Stolz begrüßen, daß ein solcher Mann das Oberhaupt der württembergiseden Judenheit geworden ist, und sündhaft wäre es, einen solchen Mann in eine Reihe mit seinen Vorgängern im Amte zu stellen. Daß er zufällig Breslauianer ist, ihnl ihm keinen Abbruch; wären doch alle aus der B >.sluer Schule hervorgegangene Männer ä la Kvoller, dann wäre es um das Judenthum nicht nur in Wiirttenlberg, sondern in ganz Deutschland besser bestellt. Der Verfasser der oben genannten Correspondenz führte als Beweis für seine ausgestellte Behauptung von der „Elasticität des Charakters" des Herrn Kirchenrathes, von dessen Schmieg- und Biegsamkeit" einen Fall an, der sieh hier zugetragen, nämlich die Tbatsache, daß der Herr Kirchenrath bei der Bestattung der Aschenreste eines gelvissen Denison sich betheiligt habe. Ob es nun einem Rabbiner religionsgesetzlich gestaltet ist, bei einem solchen Akte mitzuwirken, das zu eilt scheiden fühle ich mich nicht berufen. Doch darf der Herr Eorrespondent versichert sein, daß der Herr Kirchenrath sich den Schritt wohl überlegt haben wird, ehe er ihli gethan. Ich kann ihm nur erwiedern. daß von der israelitischen Oberkirchenbehörde die rituelle Bestattung solcher Aschenreste vorgeschrieben ist, im übrigen verweile ich ihn, wenn ihm der Fall auffallend war, an den Herrn Kirchenrath selbst. Wahrlich, es wäre bester gewesen, der Herr Eorrespondent hätte dies von vornherein gleich gethan, so wäre es nicht dazu gekommen, diesen einzelnen Fall zu benutzen, um ein großes Gebäude von falschen Vermuthungen bezüglich der Wirksamkeit des Herrn Kirchenrathes zu errichten. Möge in Zukunft die Wirksamkeit des Herrn Kirchenrarh weiterhin eine gesegnete sein, möge sie vor allem kannt tverden, mögen diese ihm Förderung und Unter fei; nt werden, mögen diese ihm Förderung und Unter stätzuw. in seinem Wirken bieten, nicht aber sich feindlich dem entgegenstellen. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. '•Wien, 6. Mai. lD i e A ufhebung b e s Utheile s i m P roce s s e H i l s n e r.) Wie schon mitgetheilt wurde, hat der Oberste Gerichtshof die von beul Schlvurgerichte Kuttenberg über Leopold Hilsner ausgesprochene Verurtheiluug zürn Tode aufgehoben. Wie nun bekannt lvird, soll die neue Verhairdlung nicht, wie bisher verlautete, vor dem Kreis geeichte Ehrudim, sondern vor dem Kreisgerichte Pisek stattfinden. Budapest, im April. Dem hiesigen „Sofer" Na mellS u cf e r ni a n n , ein würdiger Greis von über 70 Jahren, wurde am ersten Sederabend des verwiche nen Bestach eine seltene Ueberraschung zu Theil. In ärmlicher, aber sauber hergerichteter Stube gab der arme Torahsehreiber den vorgeschriebenen Seder. Ihm zur Rechten saß eine fromme Mutter und lauschte den Fcsigebe'.en in frommer Andacht. Das Tischgebet war gerade zu Ende. Mit Freudenthränen wurden die letzten Sätze gesungen: „Du öffnest Deine Hand und sättigst alles Lebende in Wohlgefallen. Gesegnet ist der Mann, der dem Ewigen vertraut, dessen Zuversicht der Ewige cs:. Jung war ich, bin auch alt geworden, habe aber nie einen Gerechten verlassen gesehen und seine Kinder Brot erbittend." Nach altem Brauch leerten die T.swgenosten den dritten Becher Wein zum Lobe Gottes, „der die ganze Welt mit seiner Güte speist," tvorauf;n herkömmlicher Weise die Thüre geöffnet tvurde. Der in frommer Glückseligkeit strahlende Greis erhob siw von seinem Lehnstuhl und sprach ein kräftiges „Boruch habo," als plötzlich ein elegant gekleideter Herr in's Zimmer trat u. an den dienstthuenden Hauspriester die Frage richtete, ob er ihn nicht kenne. „Nein, ich kenne Sie nicht!" erwiederte der Greis; „ich vermuthe blos, Vast Sie wohl nicht der von mir begrüßte „Eliahu banalst" sind." „Das nicht, theurer Vater, aber ich bin Dein vor 25 Jahren verschwundener Sohn," erwiederte der Gast. Inzwischen trat auch eine Dame hinein, der drei blühende Kinder folgten. „Das ist meine Frau und diese sind unsere Kinder, die uns der liebe Gott in Mexico hat gegeben." Mit bebender, vor Freude zitternder Stimme begrüßte der glückliche Barer seinen wiedergefundenen Sohn, von dem er bald erfuhr, daß derselbe ein steinreicher Mann geworden ist. Mit Jubel und Freude wurde die Sederandacht fortgesetzt und in die schlichte Soferwohnung war die glück lichste Feststimmung eingezogen.