Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 37 (7.5.1900)
- Date
- 1900-05-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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751 Gibreibcn beö Herrn Rudolf Muffe, worin derselbe erklärt, daß er sein Amt als Repräsentant der jüdischen (Gemeinde niederleat. An seine Stelle tritt Herr Dr. 'Veit Simon. Im Saale sehen wir das Portrait des uerstorbenen Jnstizrathes Atatower stehen, für welches ein Platz in einer Nische bestimmt ivird. Für den Ans, schuß 2 wird Herr Löwenthal, für den Ausschuß 3 und für das Curatorium des Reicheuheim'schen Waisenhauses Dr. Beit Simon gewählt. Es folgt der Bericht über die döemeindeschulcn. Herr Professor Geiger gibt in klaren Umrissen ausführ lieben Bericht, ans dein wir nur Einiges anführeu wollen, da der Bericht später gedruckt uorliegen wird. In der Knabenschule mit l:: Klassen unterrichten 1dl Lehrer. In der Mädchenschule mit 13 Klassen unterrichten 1i: Lehrer und Lehrerinnen. Die Frequenz der Religionsschulen ist befriedigend. Bezüglich der Lehrerbildungsanstalt bittet Herr Professor Geiger den Bericht öffentlich mitzutheilen. Unter der vortrefflichen Leitung des Herrn Dr. Holzmann leistet die Anstalt Bor.züglicheS. Der Schulinspektor Dr. Lorenz habe sie eine Musteranstalt genannt. GS folgt die Verfügung des Provinzial-Schulkollegiums in Sachen des jüdischen Religionsunterrichtes. Auch darüber Iverde ich später eingehend berichten. Eonstatirt ivird ein Rückgang der Zahl der schulpflichtigen Kinder gegen daS Jahr 1897, welchen Herr Benno Levy darin zu finden meint, daß die Geburtsziffer bei den Juden zurückgegangen fei. Herr Stadtrath Weigert klagt, daß der Besuch der städtischen höheren Lehranstalten nicht in dem Maße zngenommen habe, ivie es der Bevölkerungszahl entspreche. Er habe bemerkt, daß die Anzahl der jüdischen Abiturienten sich vermindere und daß viele getaufte Schüler einen jüdischen Namen führen! Für Reparaturen an dem Vorderhause des Grundstückes Lindenstraße 48 werden 1300 Mark bewilligt. E. R. Stuttgart, 30. April. „Wehe dem Geschlecht, das seine Richter richtet." An diesen Ausspruch unserer Weisen mußte ich unwillkürlich denken, als ich in einer rer jüngltcn Nummern dieses geschätzten Blattes las, wie über einen Richter und Rabbiner ein Urtheil gefällt wurde, ein Urtheil, das tveniger im Sinne unserer Weisen 'öipab r;w ~i? yvir ns* p-tn bx, als vielmehr im Sinne derjenigen, die aus Feindschaft und Haß gegen das Judenthum nicht ohne Voreingenommenheit ihre Meinung abgeben. Tief betrübend ist es, daß man heuzutage, wo jeder Schritt, den ein Rabbiner zur Erhaltung unserer heiligen, religiösen Satzungen tbut, gepriesen zu werden verdient, einem Manne, wie unserem religiösen Oberhaupt, Herrn Kirchenrath Kroner, einem Manne, der bei jeder Veranlassung und Gelegenheit ab baa für das unverfälschte Juden - thum eintritt, mit Spott und Hohn entgegenkommt, anstatt seine segensreiche Thätigkeit in's richtige Licht zu stellen. Wäre er jener bieg- und schmiegsame Charakter, wie er in der genannten Correspondenz geschildert wird, wahrlich, n müßte in einer ganz anderen materiellen und socialen Stellung stehen, als es in der That der Fall ist, er dürfte keinen Feind und Gegner haben, da er doch darauf ausgehe, „es allen recht zu machen." In Wirklichkeit verhält sich die Sache jedoch nicht so. Als vor nunmehr sechs Jahren Herr Dr. Kroner in feinen neuen Wirkungskreis eingetreten war. da war es seine erste verdienstvolle Tbat, daß er den größten *t.c*k, her natr bfrn der leider hier nur allzusehr um sich gegriffen hat, zu beseitigen bestrebt war. Und von dem richtigen Gesichtspunkte ausgehend, daß die Ingens die Träger der Zukunft sei, wandte er sich an die Rektorate der'hiesigen Schulen mit der Bitte, die Schüler vom Schreiben am Sabbat dispensiren zu wollen. Da ka'n er aber recht an, nicht etwa bei den Herren Rektoren sie Ivaren mit allem einverstanden, was der Rabbiner forderte, wußten sie doch, daß in religiöser Angelegenheit nur der Rabbiner maßgebend sei — nein aber bei den Eltern der betreffenden Schüler. Ein Sturm der Entrüstung zog sich durch die Reihen, wie e i Mann erhoben sie sich, um dein Rabbiner, der ihnen ihre Kreise zu stören gewagt, womöglich gar den Abschied zu geben. Doch furchtlos und treu, wie unser Wahlsvruch ist. ging Herr Dr. Kroner an den anderen wunden Punkt der hiesigen nbnp, an die Schächftrage heran. Wie es bisher da ausgesehen hatte, so hat es wohl in keiner jüdischen Gemeinde ausgesehen. Die Metzger ivaren zugleich die L'amrr», sie brauchten keinen Schochct: denn sie hatten alle von ihrem früheren Rabbiner die Berechtigung bekommen, den Akt der.-nr'ne' selbst zu vollziehen. Wie koscher unter solchen Umständen das von ihnen gelieferte Fleisch war, kann sich jeder leicht vorstellen. Diesem Unfug machte Dr. Kroner ein baldiges Ende, und heute dürfte kein Metzger mehr sich unlerstthen, selbst die na'n^zu vollziehen. Es wurde ein gewissenhafter Beamter angestellt, der in den nv-np np-nai vollkommen erfahren ist, so daß jede nvr?a wenigstens koscher geschlichtet ist. Allerdings läßt der Fleisckwerkauf noch manches in Bezug auf imtpa zu wünschen übrig, doch hoffen wir, daß mit der Zeit auch dieser Mißstand, dessen Abschaffung bisher an dem trotzigen Widerstand einiger Metzger gescheitert ist, noch beseitigt werden wird. Was Herr Dr. Kroner vollends auf dem Gebiete der religiösen Kindererziehung zu Wege gebracht hat, das ist in der That ein Verdienst, durch des er seinen Namen unsterblich gemacht hat. Er erkannte rechtzeitig, daß die erwachsenen Männer, die sich schon sehr weit vom Judenthum entfernt hatten, wohl nicht so leicht für dasselbe wieder gewonnen werden konnten, daß vielmehr die Zukunft und die Hoffnung Israels in der Jugend begründet sei c'pjn o'b'ry 'vv ry rnc' Und so gründete er eine Rekigionsschule, an die er krichtige Männer als Lehrer berief, damit sie den Kind.' n die wahren Lehren des Judenthums kund thun sollte-', auf daß jene nicht mehr wie bisher im Unglauben. sondern nach echt iüdischer Sitte herangebildet werden. llnd allen Lehrern voran schreitet Dr. Kroner selbst, dieselben zur Pflicht und That ermundernd, und'