Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 36 (3.5.1900)
- Date
- 1900-05-03
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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** 736 ‘JJitene entgegen zu treten tvagt. Dieser B a n n ist nunmehr gebrochen. Im Verein mit noch vier Gesinnungsgenosien haben sich die Verfasser dieser Schrift an verschiedene rabbinische Koryphäen der russischen Judenheit in einem Sckireiben gewandt, das mit den eingelaufenen Antworten hier abgedruckt ist. Es sind nur wenige, aber diese Probe ist mehr als genügend. Die übrigen Zuschriften, die zum Theil bereits eingetroffen sind, zum Theil noch ausstehen, werden in einer späteren Schrift veröffentlicht werden. Es liegen uns hier die Erklärungen vor von den Rabbinen: Elija Chajim Meisel in Lodz, David Friedmann in Kerlin Chajim Halewi Salazweig in Brisk, Josef Nosin in Dwinsk, Elijahu Schelomo Spiro in Grodno und Scholem Dubno in Liubowitsch (?). In dem Augenblick, in dem diese Männer den Zionismus als eine Gefahr für Judenheit und Judenthum erltärt haben, ist dieser Gefahr die Spitze abgebrochen. Es wird heute keiner mehr von dem Zionismus und den Zionisten getäuscht, der sich nicht täuschen lassen will. Als Anhang folgt noch ein Brief des Chief Rabbi von Großbritanien und England, Herrn Rabbiner Dr. Adler und eine in's Hebräische übersetzte Predigt gegen den Zionismus, die der berühmte Kanzelredner voriges Jahr gehalten hat. Das vernichtende Verdikt, das darin über den Zionismus gefällt wird, schließt sich der Absage der russischen würdig an. Diesem schließt sich ein Brief und eine anaaan onoicm betitelte Abhandlung des berühmten Gelehrten R. Eleasar Atlas in Bialystok an, die zu dem Gedie geilsten und Trefflichsten gehört, das je Uber den Zionismus geschrieben wurde. Sie weist, abgesehen von der religiösen Verirrung dieser Bestrebungen, die ökonomische und finanzielle Existenzunfähigkeit dieses ganzen Gebahrens an der Hand der Rechenschaftsberichte der Chowewe Zijon so schlagend mit Zahlen und Ziffern nach, daß die Abwirthschaftung und der Bankerott jedem Leser von selbst einleuchet. Man bekommt da einen Einblick in die Unsummen, die armen Leuten angeblich für Besiedelung des heiligen Landes, also für brrpix stb*’, abgelockt werden und welchen Zwecken sie thatsächlich dienen, was für die Agitation gezahlt wird, was die Verwaltung verschlingt, wie viel Proeente dann füglich für den eigentlichen Zweck der Vereinigung bleiben und wie diesem Rechnung getragen wird! Dabei läßt der gelehrte Verfasser sich zu keinem bitteren Worte des Vorwurfes verleiten, er tritt eigentlich zurück und läßt nur die Ziffern der eigenen Verwalt :ugsberichte ihre brutale Sprache sprechen, die dann um so niederschmetternder wirkt. Der Schlag, den die Aufstellung dieser Statistik bedeutet, ist so vernichtend, daß er eigentlich allein genügte, um diesen verrotteten Zuständen den Todesstoß zu versetzen. Diese Abhandlung verdient ganz besonders durch eine Uebertragung in's Deutsche aller Welt zugänglich gemacht zu werden,' sie ist ein Kabinetsstück von Präcision, kritischer Weisheit und übersichtlicher Darstellung des geflissentlich recht komplicirt gehaltenen Vertvaltungswesens dieser Faiseure. Mit einer runr, p^a betitelten kurzen Abhandlung von Israel Dob Frumkin in Jerusalem und einem Schlußwort von Gesinnungsgenossen in Dwinsk schließt das Ganze tvürdig ab. Man hat das Gefühl bei jeder Zeile dieser Schrift, daß es die edelsten Impulse der jüdischen Volksseele sind, die in ihren beredtesten Wortführern sich gegen die listige Verschlagenheit aufbäumt, mit welcher eine Anzahl bezahlter Faiseure die großen Massen übertölpeln und in ihre Netze locken möchten. Zwanzig Jahre fast treiben diese dreisten Emissäre des Unglaubens und des religiösen Leichtsinns ihren frivolen Spott mit unseren heiligsten Gütern. Es scheint, daß jetzt ihr Stündlein geschlagen hat. Die Streiter für die gute Sache gewinnen Tag für Tag neue wackere, beredte und thatkräftige Anhänger. An ihrer Spitze stehen aber unstreitig die Herausgeber und Mitarbeiter dieser Schrift, die in Wirklichkeit eine große, rettende That bedeutet. Auf einige der anderen Eingangs erwähnten Schriften werden wir demnächst zurackkommen. E. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Perlitt, 26. April. Zu den antisemitischen Ex ressen in Könitz und Umgegend bemerkt die halbamtliche „Berliner Correspondenz": Die aus Anlaß des Konitzer Mordes in Könitz selbst und in verschiedenen Ortschaften der Umgegend vorgekommenen Unruhen haben, wie bereits gemeldet, den Minister des Innern veranlaßt, den Geheimen Ober-Regierungsrath Maubach als Kommissar an Ort und Stelle zu entsenden. Wenngleich die von diesem angestellten Ermittelungen ergeben haben, daß die in der Öffentlichkeit verbreiteten Mittheilungen über diese Vorgänge zum Theil übertrieben sind, so hat doch an einzelnen Stellen das Vorkommen bedauerlicher Ausschreitungen festgestellt werden müssen. Dies hat dazu geführt, daß die polizeilichen Exekutivkräfte da, wo sie sich zur Unterdrückung der Unruhen und zur Verhütung weiterer Excesse nicht als ausreichend erwiesen haben, sofort durch Heranziehung auswärtiger Gendarmen verstärkt worden sind. Es ist dies insbesondere in Waldenburg und Prechlau (Kreis Schlochau) und in Vandsburg (Kreis Flatow) geschehen. Ferner hat der Herr Minister die schleunige Entsendung einer Anzahl von Gendarmen aus den Regierungsbezirken Danzig und Bromberg zur Verstärkung der Gendarmerie der Kreise Könitz und Flatow, namentlich auch zur Ver-