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Der Israelit · 1900-05-03 · Heft 36 (3.5.1900) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 36 (3.5.1900)
Date
1900-05-03
Page
– (sequence 19)
Language
German
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737 Wendung in Czersk und Wielle (Kreis Könitz) angeordnet. Der Kommissar des Herrn Ministers begab sich jetzt wieder an Ort und Stelle, um die Ausführung der getroffenen Maßnahmen zu überwachen und nöthigcnfalls weitere Anordnungen zu treffen. Gillingen, 26. April. Eine kleine, aber würdige Feier wurde am letzten Pesachtage im großen Saale des „Friedrichsheim" abgehalten. Es galt, die Dankbarkeit zu bezeugen gegen hiesige aufopfernde jüdische Frauen, die sich um diese würdige Anstalt verdient gemacht haben. Im Interesse dieses Institutes, welches eine großartige Schöpfung der Israeliten Badens bildet, sei die Feier hier einer Würdigung unterzogen. In der letzten Sitzung des Landesvorftandes zu Karlsruhe, an der Spitze Se. Ehrwürden Herr Conferenz- und Bezirksrabbiner Dr. L e v i n in Freiburg i. B., wurde beschlossen, folgende Frauen in Anbetracht ihrer Fürsorge für das Greisen- und Alters-Asyl, zu Ehren-Damen zu ernennen; es sind dies die Frauen Karoline Bernheimer, Hannchen Rothschild, Luise G u g g e n h e i m und Sara Moses. Namens des Landes- und Local-Borstandes entbot der Präsident des letzteren, Herr Gemeinderath Bernheimer, den Damen herzlichen Dank für die Bemühungen zur Förderung der Anstalt, unter gleichzeitiger Ueberreichung von Diplomen als Anerkennung. Ein Insasse, Herr E h r m a n n , erwiederte dankend fiir die Pfleglinge und schloß mit einem Hoch aus den Protector der Anstalt, unserm allgemein geliebten Großherzog Friedrich. Unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Spitz verglich in finnigen Worten die decorirten Ehrendamen nur den Stammmüttern, um zum Schluffe der Rede des hohen Besuches Ihrer kgl. Hoheit der Großherzogin Luise zu gedenken, welche die Anstalt am 23. September v. I. mit deren Allerhöchsten Anwesenheit beehrte. Im Aufträge der genannten Damen dankte Frau Hanncken Rothschild innigst für die erwiesene Aufmerksamkeit, gleichzeitig versichernd, auch fernerhin Alles aufzubieten, um für das Interesse und das Wohlergehen der Anstalt zu wirken. Herr Verwalter R a u m a n n appelierte an die Insassen, die Wohlthat des Friedrichsheims zu würdigen und dankte gleichzeitig den Damen Namens seiner Pfeglinge für die bis dahin dargebotene Mithilfe. Mit einein Schlußworte des Herrn Vorsitzenden endigte die erhebende kleine Feier. Die Israeliten Badens können mit Stolz aus ihre Schöpfung blicken, im „Friedrichsheim" zu Gailingen ein Denkmal errichtet zu haben, in welchem Greise und Sieche ein ruhiges Dasein fristen können, frei von Kummer und Sorge bis an ihr Lebensende. Frankreich. Pari'S, 26. Avril. Zur Zeit, als die Dreyfus- Asfaire die ganze gebildete Welt beschäftigte, hat die ci'.alischc Zeitung „Morning Herald" eine Sammlung eröffnet, deren Ertrag zu einem Hnldigungsgeschenk für Frau Dreyfus bestinunt war. Das Geschenk ist jetzt fertig und dieser Tage Frau Dreyfus durch den Herausgeber des „Siecle," Herrn Aves Guyot, in Carpentras übergeben worden. Der „Siecle" hat darüber ausführlich berichtet und auch eine Illustration des Geschenkes veröffentlicht. Es ist ein aus massivem, ciselirtem und vergoldetem Silber künstlerisch ausgeführtes Kästchen, von fast einem halbem Meter Länge, auf dem in der Mitte eine Statue der Gerechtigkeit sich erhebt, während an den vier Ecken die Figuren der Wahrheit, des Gesetzes, der Treue und der Beständigkeit sitzen. Drei Miniaturen zeigen an der Stirnseite die Portraits von Dreyfus, Zola und Labori. Das Kästchen enthält eine Adresse an Frau Dreyfus und war von einem Schreiben begleitet, in dem es heißt, daß die Leser des „Morning Herald," „eines der zahlreichen Blätter, die sich für die Revision eines ungesetzlichen Urtheils und die Wiedergutmachung eines Rechtsirrthums, begangen gegen einen loyalen Soldaten, eingelegt haben," Frau Dreyfus respektvoll bitten, das Kästchen anzunehmen; es solle eine Familienerinnerung werden und ihren Kindern die Tugenden der Frau und Mutter für immer in's Gedächtniß zurückrufen. Das Kästchen trägt folgende Inschrift in englischer Sprache: »Frau Dreyfus von den Lesern des „Morning Herald" überreicht als Beweis ihres Glaubens an die tadellose Ehre des Kapitäns Alfred Dreyfus und als Zeugniß ihrer Bewunderung für ihre muthvolle und standhafte Hingebung an ihren Gemahl während seiner unverdienten Leiden." An die Ueberreichung des Geschenkes knüpfte sich eine lebhafte Unterhaltung, von der aber Herr Guyot nur berichtet, daß die Affaire noch nicht beendet sei und daß es dem Hauptmann gut gehe. Inzwischen ist die Familie Dreyfus bekanntlich nach Genf übergesiedelt. Amerika. Newyork, im April. Aufsehen macht hier die Ernennung eines noch sehr jungen jüdischen Gelehrten, Professor I. H. H o l l ä n d e r . von der John Hopkinsuniversität, welchen der Präsidnt Mac Kinley zum Kommissär für Porto-Rico ernannt hat, mit der speziellen Mission, die finanzielle Lage dieser Insel zu studiren. Professor Holländer ist nicht nur ein Gelehrter von großem Rufe in seinem Fache der Nationalökonomie. sondern er nimmt auch ein hervorragendes Interesse an allen jüdischen Dingen und ist einer der Gründer der Gesellschaft für jüdische Geschichte in Amerika. Noch eine zweite Ernennung ist eine Ehre für das hicsige Judenthum. Rabbi William Rosenau von Baltimore iü zum Mitgliede der Schulkommission dieser Stadt ernannt worden. — Ein interessanter Plan wird hier vielfach discutirt. Die Amerikanisch-Orientalische Gesellschaft in Palästina will ein Institut für Orientalin und für Erforschung Palästinas errichten. Bereits haben eine Reihe der größten Universitäten unseres Landes regel mäßige Beiträge auf eine Reihe von Jahren zugesagt, so daß die Verwirklichung dieses interessanten Planes in nicht allzuferner Zukunft erfolgen wird.

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