Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 36 (3.5.1900)
- Date
- 1900-05-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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729 (ict'mcjen, welche im Verlaufe des verflossenen VereinsjahreS aus dieser Zeitlichkeit abberufen wurden. Es sind dies die Herren: Simon Engländer, Abraham Klopfer, Samuel Mohr; den Dahiugefchiedenen wird eia treues Andenken bewahrt werden. Die Betriebsabrechnung weift folgende Posten auf: Mriniethung von Betplätzen Mk. 4875.05, Mitgliederbeitcäge Mk. 766, Spenden beim Aufrufen 3003.56 Mark," Schulgelder Mk. 220, Jahrzeitslichter 216.70 Mark, Sammelbüchsen Mk. 130.40, Schenkungen Mt. 457.70, für Talmud-Thora-Zwecke Mk. 180, Jahrzeilkftiftungen Mk. 1900, Aktivzinsen Mk. 335.27, Verschiedenes Mk. 116.80. Verausgabt wurden: Für Gehälter Mk. 3855, Hausverwaltung und Garderobe Mk. 835, Gratifirationen Mk. 60, Beleuchtung und Heizung Mk. 813.70, Ääüerzins M. 46.20, Brandversicherung Mk. 36.30, Stiftungsjahrzeiten Mk. 100, Bankzins. Mk. 2608.30, beii.igemhtte Obligationen Mk. 500, Obligationen- Jinfen Ml. 760, an die Erben des sel. R. A. Rabino- >uitz für Erlös aus Dikdute Soferim Mk. 100, Hypothek Errichtungsgebühr Mk. 548.31. Wie schon erwähnt, haben hiesige Gemeindemitglieder dein Vereine Schenkungen im Betrage von 475.70 Mart zugewendet; für Talmud-Thora-Zwecke spendeten die Herren Angelo und Lothar Feuchtwanger zusammen Mk. 180. Für Jahrzeitsstiftungen gingen ein: Von den Hinterbliebenen des verstorbenen Herrn Leopold Reichenau (Böhmen) Mk. 300; von Herrn Hermann Fürther 1. für feine verstorbene Gattin Fanny Fürther Mk. 500, 2. für seinen einstigen eigenen Einkauf Mk. 600; von den Hinterbliebenen Kindern des sel. Herrn Abraham und Frau Hanna Bach Mk. 500, zusammen Mk 1900. Die am 29. April stattgehabte Generalversammlung nahm den Bericht der Vorstandschaft unter dankbarer Anerkennung für das ersprießliche Schaffen derselben zur Kenntniß, ebenso den Bericht der Revisoren, deren Antrag auf Decharcheerrheilung einstimmig Annahme fand. Rach sachgemäßer Motivirung seitens des Herrn Sigmund Frankel wurden mehreren verdienstvollen Beamten Gehaltsverbesierungen zuerkannt, lieber die infolge Inkrafttretens des bürgerlichen Gesetzbuches iwthwendig gewordenen Abänderungen der Statuten reserirte Herr Rechtsanwalt Dr. Frankel; nach seinem Vorschläge erhielten mehrere Absätze der Statuten den jetzigen Verhältnissen angepaßte Fassung. In den Ausschuß wurden einstimmig wiedergewählt die Herren: Dr. Eugen Merzbacher, Numismatiker (Vorstand), Bankier Lothar Feuchtwanger (Vorstand- Stellvertreter), Rentier Max Wolfs (Cassier), Großhändler Sigmund Frankel (1. Schriftführer), Fabrikant Sigmund Feuchtwanger (2. Schriftführer). Als Revisoren für das laufende Geschäftsjahr werden wiederum die Herren Rentier Moriz Feuchtwanger und Börsenmakler Josef Spanier bestellt. Memmingen, 30. April. In hiesiger Stadt scheint eine antisemitische Bewegung im Gange zu sein. Nachdem erst vor Kurzem an verschiedenen Straßenecken Oec Stadt Pamphlete angeklebt waren, wurde am 18. d ME-. um Mitternacht ein Attentat gegen die Häuser verschiedener jüdischer Familien unternommen, indem jndenfetndlich gesinnte Personen die Fenster der Schlafzimmer mit Steinen bombardirten. Die israelitische Gemeinde setzte eine Belohnung von 60 Mk. für Ermittelung der Thäter aus. („Augsb. Postztg.") Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 30. April. (Der Ritualmord im Eisen b a h n k o u p e e.) Ein Budapester Blatt schreibt: Zwei elegant gekleidete Herren hatten bereits ein Coupe 1. Elaste oceupirt, als der Abgeordnete der ungarischen Volkspartei, Franz Buzath, am Perron erschien. „Hierher, bitte," ruft der Conducteur, auf das von den beiden Herren besetzte Coupe weisend. „Schon wieder zwischen Juden?" antwortete indignirt der Herr Abgeordnete. „Ein anderes Coupe habe ich nicht." antwortet der Conducteur. Herr Buzath sah sich genöthigt, in dem Coupe Platz zu nehmen. Die beinen Herren beginnen eine recht lebhafte Unterhaltung. „Weißt Du, wer unser Mitreisender ist?" — „Keine Ahnung." — „Ein spanischer Stierkämpfer, er hat ein Engagement für Oes-Budavara angenommen." — „Wirklich? Na, das Aussehen spricht für die Richtigkeit." — Buzath fand es nicht der Mühe werth, die Herren über den Jrrthum aufzuklären. Nach einer Weile begann der Eine abermals: „Vor diesem Spanier können wir ungenirt sprechen, er versteht ja kein Wort. Sag' mal, Hab Ihr schon das Christenmädchen?" — „Zum Passahfest meinst Du?" Ja, diesmal haben wir einen Prachtkerl, vollblütig, 16 Jahre alt." — „Wir haben Malheur, ich fürchte, es geht uns so wie im Vorjahre.' — „Wieso?" — „Denke Dir, sie lieferten uns ein blutarmes Mädchen. Im Uebrigen haben wir noch ein Mädchen in Aussicht, jedoch wird auf dieses sehr aufgepaßt." — „Schrecklich. Diese Katholiken ..." — „^a. heute müssen wir unfern Traditionen untreu werden!" „Was! Osterbrot ohne Christenblut essen . . . das wäre fürchterlich." — „Die vielen Unkosten für den Aoparcr wären dann rein hinausgeworfen." — „Wir haben unfern Apparat aus der Schweiz bekommen." -- „V ir direct aus England; das stärkste Christenmäddicn wird in zehn Minuten ein Häuflein Asche." Buzath fühlte sich während dieses Zwiegespräches unbehaglich. Endlich konnte er sich nicht zuruckhalten und svrach zu den Reisegenosten: „Solche dumme Witze kann man nur von Juden hören." — „Oho! mein Herr, ich heiße N. N. und bin der Bruder des Veszprimer Domherrn N." „Und mein Vater ist reformirter Bischof," sprach der Zweite. Zur Bekräftigung ihrer Angaben überreichten sie dem verblüfften Abgeordneten ihre Visitkarten. Lemberg, 30. April. (Pinsel- und V ü r st e n f a b r i k.) Die mehrfach gebotene Anregung auf Hebung der Erwerbsfähigkeit unter der galizischen Judenschaft findet in hiesigen bürgerlichen Krei-