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Der Israelit · 1900-05-03 · Heft 36 (3.5.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 36 (3.5.1900)
Date
1900-05-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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726 $ I a t o ft , 25. April. Während es beinahe in allen Städten aus Anlaß des Konitzer Mordes zu Ausschreibungen gegen die Israeliten gekommen ist, herrschte bei uns des Abends in den Straßen die größte Ordnung. Erst in den letzten Tagen ließen sich bei eintretender Dunkelheit die Rufe Hepp, Hepp und Puh hören, und am 24. d. M. wurden sogar bei zwei Kaufleuren ein paar Scheiben eingeschlagen. Daran sind aber die jüdischen Mitbürger selbst schuld. Der hiesigen Zeitung, welche Mittheilung über die Mordaffaire nach anoeren auswärtigen Zeitungen brachte, wurde im Namen der jüdischen Gemeinde das Abonnement gekündigt und angesagt, daß man hierzu auch die Juden der Nachbarstädte veranlassen wolle. — Ein junger jüdischer Mann erklärte flapsig einem christlichen Bürger, daß er sich zum Anstrich seines rothen Fahrrades habe Blut von dem jungen Winter schicken lasten. Verdient eine solche freche Redensart nicht eine Zurechtweisung mit Nachdruck? Ich habe über die letzten Bemerkungen Erkundigungen veranlaßt und werde in der nächsten Nummer Auskunft geben, ob es wirklich Juden giebt, die solche Dummheiten machen. Zeitungsnachrichten und borrespondenzen. Deutschland. Mainz, 2. Mai. Wir freuen uns, den geehrten Lesern de» „Israelit" mittheilen zu können, daß es dem verehrlichen Central-Comitee für Palästina in Amsterdam gelungen ist, für seine Vertretung in Berlin und Umgegend eine vorzügliche Acquisition zu machen. Ter an der Spitze aller echt jüdischen Wohlthätigteit schreitende Herr Dr. E. Biberfeld daselbst hat sich bereit erklärt, die Sammelstelle für die Armen des hl. Landes zu übernehmen und wünschen wir dessen Thätigkeit auf diesem Gebiete recht großen Erfolg. Mainz, 30. April. Da es wiederholt vorgekommen sein soll, daß Unbefugte an für nach außerhalb bestimmtes Geflügel die Schechita ausgeübt haben, so machen wir namentlich die jüdischen Hotels und Restaurants der umliegenden Badeorte darauf aufmerksam, daß das Rabbinat der israelitischen Religionsgesellschast dahier nur für solches Geflügel die Verantwortlichkeit in Bezug auf Kaschrus übernimmt, das den L.osch«'zettel des Herrn Josef F r i e d l a n d , Schächter dahier, trägt. Der Worlaut des Certificats kann auf Verlangen mitgetheilt werden. (Görlitz, 23. April. In der Nacht zum Samstag verschied nach langer Krankheit im 80. Lebensjahre der Commerzienrath Lester Ephraim, Begründer und langjähriger Chef des Hauses L. Ephraim, einer der hervorragendsten Firmen der Eisenbranche in Görlitz. Der Verstorbene, welcher eine Reihe von Jahren der Handelskarnmer und der Stadtverordnetenversamm lang als eifriges Mitglied angehört hatte, war ein eifrig« r Philantrop; zahlreiche gemeinnützige Vereine und Wohlthätigteitsanstalten betrauern in ihm ihren besten Fördertr und die Armen und Bedrängten einen stets opferbereiten Wohlthäter. Äpolda. Den am hiesigen Platze lebenden JsraetiJen ist es nach langem Bemühen gelungen, sich zu einer Religionsgemeinde zu vereinigen, und haben sie auch ei nen Kultusbeamten engagiert, der allwöchentlich auch in Jena Religionsunterricht ertheilt. München, 30. April. Im Jahresberichte des „Verein zur Förderung jüdischer Wissenschaft zpr bna über das Vereinsjahr 1899—1900 betont die Vereins leitung, daß mit Befriedigung auf das abgelaufene Vereino'abr zurückgeblickt werden könne. Der Talmud- Thora-Uutcnicht konnte durch Gewinnung einer neuen Lehrkraft, des Herrn Lehrer und Cantor Leopold R o 7. t e r , einer wesentlichen Ausgestaltung entgegen geKihrl werden. Das Hauptverdienst gebühre wie iminer dem bewährten Leiter der Talmud-Thora-Kurse, Herrn Di. E h r e n t r e u , für die treue, gewissenhafte und umsichtige Hingabe, die von seiner Seite das ganze Jahr bindurch dem Unterrichte der Heranwachsenden Jugend gewidmet wird. Trotz der erst vor zwei Jahren durchgeführten nicht unwesentlichen Vermehrung von Männerbetstühlen sind z. Z. nahezu alle Plätze in der Synagoge ver miethet. Bedauerlich bleibt, daß hiermit nicht auch die Zunahme der Vereinsmitglieder Hand in Hand geht, da im Laufe der Jahre ein ungesundes Verhältniß daraus entstehen müßte, wenn die neueintretenden Bet platzinbaber sich nicht auch gleichzeitig dem Verein als Mitglieder anschließen. Der Verein zur Förderung iüdischer Wissenschaft ist die juristisch unentbehrliche, äußere Organisation all jener hiesigen Gemeindemitglieder, welche für den Bau und das Fortbestehen der Sin nagoge Ohel Jacob und des damit verbundenen Betlj Ha.nidrasch Opfer brachten und bringen; es wäre daher dringend zu wünschen, daß alle jene Herren, welche sich für dieses Foribestehcu iuteressiren — und dies ist wohl bei allen Miethern von Betplätzen der Fall — auch ordentliche oder außerordentliche Mitglieder des Vereins würde i:. Die auf dem Anwesen des Vereins ruhende Annuitätsschuld im Betrage von Mk. 64,677.20 wurde in eine einfache Hvpothekschuld umgewandelt; durch hierdurch erzieltes Disagio und durch Heranziehung eines Theiles des Efscctenbestandes war es möglich, die Hypothekenschuld bis 1. April 1900 auf 55,000 Mk. reducirt zu sehen. Das künftige jährliche Hypothekzins-Erfordermß beträgt Mk. 2000, während die seitherige Bank- Annuität Mk. 3150 pro Jahr erforderte. Aus den künftig zu ersparenden Annuitätenquoten soll ein Tilgungsfonds gebildet werden, um die Tilgung der immer noch bedeutenden Schulden nicht zu verlangsamen. Der Verein hat den Verlust dreier Mitglieder zu

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