Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 36 (3.5.1900)
- Date
- 1900-05-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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726 fcum zu athmen. So verharrte sie regungslos mehrere Minuten, bis die Thüre sich geräuschlos in den Angeln drehte und der Pfleger in das Zimmer trat. „St!" flüsterte sie, „st!" — er schläft —" Lautlos trat er zum Bette und blickte forschend auf den dem Anschein nach Schlummernden — und der erfahrene Mann hatte sofort erkannt, was die Baronin nicht einmal ahnte. — (Linen Moment zögerte er, sollte er es ihr enthüllen? Dann aber wandte er sich und verließ langsamen Schrittes das Krankenzimmer, draußen aber rannte er durch den Corridor die Stiegen hinunter, wo er auf den alten Jean stieß. „Um des Herrgottswillen! was ich geschehen?" „Die Katastrophe ist eingetreten," erwiederte der Wärter, „und die Excellenz ist allein bei ihm — holen Sie den Doctor, rasch den Doctor." Aber der alte treue Diener blickte ihn mit Uberströmenden Augen fasiungslos an und regte sich nicht vo:n Platze, io eilte er denn selbst weiter, den Arzt herbeizurufen. (Line Viertelstunde mochte verstrichen fein; die Baronin saß noch immer unbeweglich an dem Bette ihres Sohnes, desien Haupt auf ihrem rechten Arm ruhte, während er ihre linke Hand noch immer in seinen beiden Händen hielt. Da ging die Thüre auf, von dem Krankenwärter gefolgt, trat Doktor Kühn in das Zimmer. Die Baronin erwiederte mit leichter Neigung des Kopfes seinen ernsten Gruß. „Er schläft," flüsterte sie. „Seit wie lange?" fragte er, sich über das Bett neigend. „Eine kleine halbe Stunde dürfte es wohl sein." Der Arzt griff nach den bereits erkaltenden Händen, die die Hand der Mutter noch immer krampfhaft umschlossen hielten und hob vorsichtig einen Finger nach dem anderen. „Sie noerden ihn wecken," flüsterte die Baronin vorwurfsvoll. Er schüttelte abwehrend den Kopf. „Wollen die Gnädige die Hand zurückziehen — das ist nothwendig" -- fügte er hinzu, als sie zögerte, „unbedingt noth wendig." Betroffen von dem Ernste, der in seinem Ton lag, gehorchte sie unwillkürlich, blickte aber angstvoll zu ihm hinüber. Er vermied es, ihrem Blicke zu begegnen und hob vorsichtig das Haupt des Verschiedenen, fast unwillkürlich zog die Baronin ihren Arm zurück. „Er ist nicht erwacht," flüsterte sie, „tüte fest er schläfl —" Da steckte der alte Jean sein verweintes Gesicht durch die halbgeöffnete Thüre und meldete mit verhaltenen! Schluchzen: „Die Frau Gräfin Edgersdorf." „Führen Sie die Frau Gräfin herein," gebot der Arzt, der in mitleidiger Fürsorge die Freundin der so schwer Getroffenen von dem Eintritt der Katastrophe hatte unterrichten lassen. Betroffen blickte die Baronin auf den Mann, der so ungenirt statt ihrer das Wort ergriffen hatte, doch da trat schon die Freundin in das Zimmer und eilte mit überströmenden Augen auf sie zu. „Emma! — meine liebe, liebe Emma!" „St!" flüsterte die Baronin, „st! — Hugo schläft." Die Gräfin fuhr zusammen und blickte fragend aus den Arzt. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal. Montags und Donnerstags, jedeömal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonntrt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehrt durch D. Zs. S l r i n a ck e r, Leipzig, Notzplatz flZ. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusenduug unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder l6 Kronen österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. 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